Handelskammer Hamburg 2005

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Im Gespräch: Fondshandel in Hamburg

Anteile börsenmässig handelbar machen

Seit November 2004 können Anleger offene und geschlossene Fonds über die „Deutsche Fondsbörse Hamburg“ kaufen und verkaufen. Welche Chancen die neue Börse für den Anleger und den Standort Hamburg bringt, besprach die hamburger wirtschaft mit Thomas Ledermann, Vorstand der BÖAG Börsen AG
Hamburg-Hannover.

hamburger wirtschaft: Was ist die Deutsche Fondsbörse Hamburg?

Thomas Ledermann: Sie ist die Dachmarke, unter der unsere Plattformen für den Handel mit offenen und geschlossenen Fonds laufen. Wir möchten Fondsanteile börsenmäßig handelbar machen, indem unsere Börse Transparenz und Liquidität in den Markt bringt. Das Angebot der Deutschen Fondsbörse umfasst derzeit 950 offene sowie 1800 geschlossene Fonds.

hw: Welchen neuen Nutzen bringt das den Marktteilnehmern und den Anlegern?

Ledermann: Als Neuerung haben wir im Bereich der geschlossenen Fonds ein „Premiumsegment“ eingeführt. Hier garantiert der Makler, Anteile jederzeit zu einem bestimmten Kurs zurückzunehmen, auch wenn sich gerade kein Käufer finden lässt. Wir nennen dies „Market Making“. Für die Emissionshäuser ist diese Handelsgarantie auf einem unabhängigen und staatlich überwachten Zweitmarkt ein wichtiges Argument für den Vertrieb der geschlossenen Fonds, die für den Anleger nun ähnlich liquide werden wie Aktien oder offene Fonds. Aus diesem Grund gehören die bekannten Hamburger Emissionshäuser Hansa Treuhand, HCI sowie König & Cie zu den Mitinitiatoren der Fondsbörse. Beim Kauf offener Fonds über die Deutsche Fondsbörse profitiert der Anleger insbesondere dadurch, dass er statt des üblichen Ausgabeaufschlags der Fondsgesellschaften nur deutlich geringere Handelsgebühren zahlen muss. Zudem ist keine Mindestanlagesumme erforderlich. Für die Fondsgesellschaften können durch die Vermittlung der Fonds an der Börse Vorteile entstehen, da Rückflüsse von Anteilen an die Gesellschaft verhindert oder verringert werden.

hw: Welches Marktpotenzial sehen Sie für Ihre neue Plattform und welches Handelsvolumen erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Ledermann: Schätzungen zufolge sind in Deutschland rund 40 Milliarden Euro in geschlossenen Immobilienfonds und 20 Milliarden Euro in geschlossenen Schiffsfonds angelegt. Bis zu 2 Prozent dieser Fonds werden jährlich aus einer Vielzahl von Gründen vor Ablauf ihrer Laufzeit verkauft, meistens noch mit Hilfe des Emissionshauses. Das Handels-potenzial liegt also im hohen dreistelligen Millionenbereich. Unser derzeitiges Handelsvolumen von rund 20 Millionen Euro kann hier nur ein Anfang sein. Bei offenen Fonds konnten wir unser Handelsvolumen von 170 Millionen Euro aus dem Jahr 2003 mehr als verdoppeln; wir erwarten auch hier weiteres Wachstum. Wir streben mit unserer Fondsbörse national eine führende Rolle im Fondshandel an.

hw: Wie können Anleger über die Fondsbörse handeln?

Ledermann: Der Kauf offener Fonds erfolgt über die Hausbank mit dem Hinweis „Börsenplatz Hamburg“. Aufträge für geschlossene Fonds werden über die Maklergesellschaft DFHH Deutsche Fondsbörse Hamburg Betei-ligungsmakler AG erteilt.

hw: Was waren Ihre Beweggründe für die Schaffung der Deutschen Fondsbörse?

Ledermann: Es ist Geschäftspolitik der BÖAG, neben unserem traditionellen Geschäft – dem Handel von Aktien und Rentenpapieren – Nischen zu besetzen. Die Initiative mit der Deutschen Fondsbörse Hamburg ist ein wichtiger Beitrag, unser Profil als Betreiber spezieller Handelssegmente zu schärfen.

hw: Welche Vorteile bringt Ihre Fondsbörse den Standort Hamburg?

Ledermann: Die Deutsche Fondsbörse Hamburg stärkt unmittelbar den Finanzplatz Hamburg. Als neutraler, unabhängiger und überwachter Zweitmarkt ist sie eine logische Ergänzung für die Emissionshäuser. Hamburg ist weltweit die „Hauptstadt der Schiffsfonds“. Wo sonst als in Hamburg sollte eine Börse angesiedelt sein, über die solche Fonds gehandelt werden?

Jörn Le Cerf
joern.lecerf@hk24.de
Telefon 36 13 8 360

Internet

Informationen zu den Fonds und Fondspreisen unter www.deutschefondsboerse.de

hamburger wirtschaft, Ausgabe Januar 2005