Handelskammer Hamburg 2005

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Berufsschulreform

Aufbruchsstimmung

Nach langem Ringen hat die Bürgerschaft kurz vor Jahresschluss endlich die überfällige Reform der beruflichen Schulen beschlossen – ein wichtiger Schritt für alle Azubis und Ausbildungsbetriebe.

Die Hamburger Wirtschaft hat im Schulterschluss mit dem Senat und der Regierungsfraktion vor wenigen Wochen die Berufsschulreform beschlossen. Grundlage des Parlamentsbeschlusses war der im vergangenen Sommer vereinbarte Hamburger Ausbildungskonsens. Zusätzlich musste noch das Ergebnis des Volksbegehrens „Bildung ist keine Ware“ beachtet werden.

Nun ist es endlich gelungen, eines der modernsten Systeme der Dualen Berufsausbildung in Deutschland auf den Weg zu bringen. Ziel der Reform ist eine Qualitätsverbesserung der beruflichen Bildung, die auf einer echten Partnerschaft zwischen Ausbildungsbetrieben und den einzelnen beruflichen Schulen basiert. Damit bekommen die Absolventen deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, und der Einstieg in die duale Ausbildung wird für viele kleine und mittlere Unternehmen erleichtert. Ein Eckpfeiler der Reform ist das neue Landesinstitut für Berufsbildung (LIB), das bei der Behörde für Bildung und Sport eingerichtet wird. Die 46 beruflichen Schulen werden in Landesbetriebe bzw. öffentlich-rechtliche Anstalten umgewandelt und erhalten Schulvorstände. Im zwölfköpfigen Kuratorium auf Landesebene werden neben sechs Vertretern der Stadt gleichberechtigt sechs Vertreter der Wirtschaft Platz nehmen. Sollte bei einer Entscheidung keine Einigung erreicht werden, entscheidet der Bildungssenator.

Bei den eigenständigen Berufsschulen werden zwei Abteilungen eingeführt, für die es jeweils einen Schulvorstand gibt. In der nicht vollzeitschulischen Abteilung wird der zehnköpfige Schulvorstand zur Hälfte aus Wirtschaftsvertretern bestehen. Die notwendige staatliche Letztentscheidung wird hier durch den Schulleiter ausgeübt.

Schulleiter kann ein kaufmännischer Leiter an die Seite gestellt werden. Er verwaltet dann das Globalbudget, das der Schule vom LIB zugewiesen wird. Darin ist auch ein eigenes Persona-lbudget enthalten, mit dem neue Stellen finanziert werden können. Die Schulvorstände können so einen effektiveren Mitteleinsatz beschließen.

Außerdem können die Schulen ihre Stundentafeln je nach Bedarf selbst gestalten. Für die Unternehmen bedeutet das: Sie können künftig über ihre Vertreter in den Schulvorständen mit bestimmen, wann ihre Azubis in den Betrieben bzw. in den Berufsschulen sind. Zwischen dem LIB und den Schulen wird es künftig Zielvereinbarungen geben. Dies wird die Berufsschulen zur Qualitätsverbesserung und damit zur stärkeren Profilbildung anregen.

Unterm Strich haben wir für unsere Auszubildenden und ihre Übernahmechancen viel erreicht. Jetzt gilt es, das neue System zu implementieren. Bereits nach den Sommerferien sollen zum Schuljahr 2005/06 die ersten Schulen mit der neuen Struktur den Betrieb aufnehmen. Ein Jahr später folgen die verbliebenen Schulen.

Uve Samuels
uve.samuels@hk24.de
Telefon 36 13 8 321

hamburger wirtschaft, Ausgabe Januar 2005