Handelskammer Hamburg 2005

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Mediation

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Unternehmenskrisen werden nicht nur durch finanzielle Schwierigkeiten ausgelöst: Auch Gesellschafterstreitigkeiten können handfeste Krisen zur Folge haben, wie unser aktueller Mediationsfall zeigt.

Viele Firmengründer machen sich nicht klar, dass sie mit ihren Mitgesellschaftern eine enge und langfristige Bindung eingehen. Wie bei privaten Beziehungen sind eine funktionierende Kommunikation und ähnliche Zielvorstellungen essenziell für die Zusammenarbeit.

Bei einer sechs Jahre alten GmbH aus der Metallindustrie mit 25 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro sah die Realität so aus: Seit zwei Jahren kriselte es zwischen den beiden geschäftsführenden Gesellschaftern. Die Ansichten über Lebensplanung und Unternehmensausrichtung der jetzt 60 und 45 Jahre alten Gesellschafter gingen - wie beiden erst in der Mediation klar wurde - erheblich auseinander. Außerdem war die Geschäftsführung nicht gut strukturiert und Verantwortlichkeiten nicht geklärt.

Während der erfahrenere Gesellschafter die Mitarbeiter eher direktiv führte, ließ ihnen der Jüngere eher Spielraum. Hinzu kam, dass der Ältere rund 100 Kilometer vom Firmensitz entfernt wohnte und dort an vier Tagen in der Woche sein erstes Unternehmen leitete. Sein Partner lebte vor Ort, war täglich im Betrieb und übernahm auch viel Außendienst. Seit zwei Jahren war er mit einem weiteren Unternehmen im Ausland am Markt.

Während der Jüngere dem Älteren vorwarf, zu wenig vor Ort zu sein, ihn zu kontrollieren und vor den Angestellten bloßzustellen, monierte der Ältere nicht eingehaltene Absprachen und befürchtete, dass sein Partner dem Betrieb mit seinem neuen Unternehmen Konkurrenz machte. Die unterschiedliche Erreichbarkeit der beiden Chefs verunsicherte die Angestellten im operativen Tagesgeschäft: sie sprachen an, wen sie erreichten. Das führte zu ernsten Konflikten über die Zuständigkeiten, Informationsflüsse und Loyalität. Bevor der Streit eskalieren konnte, regte der ältere Gesellschafter eine Mediation an. Weil er die vorgeschlagene Mediatorin Barbara Hagedorn bereits kannte, schlug sie als "Ausgleich" eine Co-Mediation mit Peter MacKenzie vor.

"Ein großes Problem war, dass der Konflikt verschleppt worden war. Wir haben als erstes die gegenseitige Kommunikation gefördert, um das Vertrauen wieder zu vertiefen", berichtet Barbara Hagedorn. Innerhalb der nächsten fünf Monate wurden fünf halbtägige Mediationsgespräche und zwei Einzelcoachings mit den Gesellschaftern durchgeführt. "Die Organisation des Tagesgeschäfts, Mitarbeiterführung und die Abstimmungsprozesse zwischen den Gesellschaftern sind zum Teil neu strukturiert worden", erklärt Dr. Peter MacKenzie. "Anschließend haben wir die jeweiligen Zielvorstellungen für den privaten wie betrieblichen Bereich für die nächsten Jahre herausgearbeitet und der anderen Seite vermittelt."

Der jüngere Gesellschafter wollte neue Märkte erschließen und war eher auf Karriere und Gewinnmaximierung ausgerichtet. Seinem älteren, kinderloser Partner war die Stabilität des Unternehmens und Zeit für seine vielfältigen Berufs- und Verbandsinteressen wichtiger. Kommunikation und Akzeptanz konnten durch die Mediation verbessert werden. Wegen der unterschiedlichen Lebensperspektiven und -ziele beschlossen die Gesellschafter jedoch eine einvernehmliche Trennung. Einer der Gesellschafter sollte das Unternehmen, eventuell gemeinsam mit einem leitenden Angestellten, übernehmen. Durch die Mediation, die 12000 Euro gekostet hat, erhielt das Unternehmen eine Perspektive, die seinen Wert und die Arbeitsplätze sichern kann. Ein Rechtsstreit über Auskunftserteilung, Unterlassung u.ä. hätte das Tagesgeschäft auf unabsehbare Zeit blockiert, jegliche Kooperation erschwert und erheblich höhere Gerichts- und Anwaltskosten verursacht. Vor allem hätten die Gesellschafter keine gemeinsame Zukunftsperspektive erarbeitet. Die Vereinbarung ist noch nicht endgültig umgesetzt, eine Fortsetzung der Mediation ist deshalb angedacht.
Petra Sandvoß
petra.sandvoss@hk24.de
Telefon 36 138 343

Infos und Kontakte


Unsere Mediatoren finden Sie
unter "Mediatoren von A bis Z"
im Internet unter:
www.hk24.de/mediation, Dokumenten-Nr. 13020

Muster-Mediationsklausel:
"Die Parteien verpflichten sich, im Falle einer sich aus diesem Vertrag ergebenden Streitigkeit vor Klageerhebung bei einem ordentlichen Gericht oder Schiedsgericht eine Mediation gemäß der Hamburger Mediationsordnung für Wirtschaftskonflikte durchzuführen."

hamburger wirtschaft, Ausgabe Januar 2005