Handelskammer Hamburg 2005

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Umfrage

Was halten Sie von der Vorfinanzierung der Hafenquerspange durch eine Maut auf der Köhlbrandbrücke?

Der Verkehr in und um Hamburgs Hafen überlastet bereits jetzt die Zufahrtstraßen. Abhilfe ist nicht in Sicht: Der Bundesverkehrswegeplan sieht den Bau der Hafenquerspange erst in zehn Jahren vor. Sie würde die A7 und die A1 von Waltershof bis zur Veddel verbinden und den LKW-Verkehr umleiten. Um die 470 Millionen Euro teure Autobahn früher bauen zu können, wird über die Einführung einer Maut nachgedacht. Die hamburger wirtschaft fragte: "Was halten Sie von der Vorfinanzierung der Hafenquerspange durch eine Maut auf der Köhlbrandbrücke?"

"Eine Maut ja, aber nur für die Kosten der Vorfinanzierung der Hafenquerspange und nicht für die Baukosten an sich. Die Maut müsste zeitlich befristet werden bis zur Finanzierung dieser Strecke durch den Bund. Von einer Maut für die Köhlbrandbrücke halte ich nichts. Das hätte eine gravierende Verkehrsbehinderung zur Folge und würde den Hamburger Hafen verteuern."
Kurt-Jürgen Schimmelpfeng (59), Geschäftsführer des Vereins Hamburger Spediteure e.V.

"Kann der Bau ohne eine Beteiligung der Nutzer finanziert werden? Nicht in absehbarer Zeit. Daher wäre eine benutzungsabhängige Gebühr sinnvoll, sie muss aber finanzierbar sein. Die Hafenquerspange brauchen wir, um den Lkw-Verkehr von der Stresemannstraße wegzuleiten."
Rolf-Peter Rocke (67), Vorstandsvorsitzender des ADAC Hansa e.V.

"Ich halte das für den falschen Weg. Bereits heute sind wir im Vergleich zu Wettbewerbern in den Benelux-Häfen z.B. durch höhere Mineralölsteuern und Trassenentgelte benachteiligt. Entscheidender Erfolgsfaktor für einen Hafen ist heute die schnelle und kostengünstige land-seitige Erreichbarkeit. Die Hamburger Hafenwirtschaft hat in den letzten Jahren viel in den Aufbau von leistungsfähigen Bahnverbindungen investiert. Durch die Maut würden unsere Bemühungen konterkariert und die Attraktivität des Hamburger Hafens beeinträchtigt."
Klaus-Dieter Peters (51), Vorsitzender der Hamburger Hafen- und Lagerhaus-Aktiengesellschaft (HHLA)

"Bislang gibt es nur für Bundesfernstraßen gesetzliche Grundlagen für die Mauterhebung bei neuen Brücken oder Tunneln. Da die Köhlbrandbrücke keine Bundesstraße ist, scheint die Mauterhebung rechtlich fraglich zu sein. Zudem ist die Akzeptanz einer Maut ungewiss, da die Brücke bereits kostenfrei genutzt wird. Auch bei einer Mauterhebung dauert es mehrere Jahrzehnte, bis die Baukosten wieder eingespielt sind. Eine staatliche Anschubfinanzierung wäre also trotzdem nötig."
Prof. Carsten Gertz (39), Leiter des Arbeitsbereiches Verkehrssysteme und Logistik der TU Hamburg-Harburg

"Kühne + Nagel ist gegen die Vorfinanzierung durch eine Maut für die Köhlbrandbrücke. Grundsätzlich muss der Verkehr im Hafen- sowie im Stadtgebiet frei und zügig fließen. Mautpflichtige Straßen sind eine Barriere, die wir uns im Hamburger Hafen nicht erlauben können. Die Nebenstrecken müssen entlastet werden. Die Zuwachsraten des Hamburger Hafens erfordern schnelle und unbürokratische Entscheidungen."
Reiner Heiken (42), Leiter der Niederlassung Hamburg der Kühne + Nagel (AG & Co.) KG

"Wenn die Maut eine akzeptable Lösung für die Wirtschaft ist und einen Nutzen bringt - in Ordnung. Da die Ausweichstrecke erst für 2015 vorgesehen ist, wollen wir möglichst vieles vorbereiten, um das Verfahren zu beschleunigen. Zuerst müssen aber noch einige Gespräche mit der Hafenwirtschaft geführt werden."
Egbert von Saldern (63), Leiter der Abteilung Projektentwicklung im Amt für Verkehr und Straßenwesen.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Januar 2005