Handelskammer Hamburg 2005

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Wirtschaftspolitik

Welche Auswirkungen erwarten Sie vom Jobgipfel?

Auf ein Paket von 20 Maßnahmen einigten sich Bundesregierung und Opposition auf ihrem "Jobgipfel" am 17. März: Unter anderem soll die Körperschaftsteuer erhöht werden, Personengesellschaften können künftig einen höheren Prozentsatz der Gewerbesteuer auf ihre Einkommensteuer anrechnen. Durch Reformen bei der Erbschaftsteuer wird mittelständischen Unternehmern der Generationswechsel erleichtert. Unnötige bürokratische Vorschriften und Gesetze sollen abgebaut, die befristete Beschäftigung von Mitarbeitern erleichtert werden.

"Ich finde es grundsätzlich gut, dass mit dem Jobgipfel eine konzertierte Aktion gefahren wird, die beide Seiten tragen. Ich hoffe, dass Regierung und Opposition ernsthafte Absichten haben. Ich erwarte nicht, dass jetzt sofort verschiedene Einzelmaßnahmen eingeführt werden, sondern dass sich die Beteiligten auf eine verbindliche Strategie und ein gemeinsames Ziel einigen."
Marianne Simonis-Redlin (49), Personalchefin Evotec OAI in Hamburg

"Wichtig ist, dass Politik und Wirtschaft Dogmatismus verabschieden und sich pragmatischen Lösungen zuwenden. Ich denke, dass man ‚Heilige Kühe' wie beispielsweise Arbeitszeiten dabei ruhig anfassen kann - man muss sie ja nicht gleich schlachten. Leitgedanke aller Reformen und Diskussionen muss das Prinzip der Einfachheit sein. Der Abbau bürokratischer Hürden und ein überschaubares Steuersystem stehen hier an erster Stelle. Von der Unternehmerseite erwarte ich, dass auch erste kleine Erfolge positiv aufgenommen und weiterentwickelt werden und insgesamt weniger zerredet wird."
Jens-Peter Stehnke (43), Human Resources Manager Unilever Bestfoods

"Ich erwarte überhaupt nichts von dem Jobgipfel und ich halte auch nichts davon: Unsere Demokratie funktioniert so, dass die Regierung regiert und die Opposition das überwacht. So hat es sich bewährt. Wenn die Regierung das nicht alleine kann, soll sie es anderen überlassen und zurücktreten. Der Jobgipfel kann doch nur Lösungen mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner hervorbringen - wir brauchen aber eine umfassende Lösung zu einem großen Problem! Dazu gehören, wie bei jeder großen Entscheidung, Mut und Tatkraft und nicht ein Kompromiss, der von der Taktik beherrscht wird und dem Willen, nur nicht das Gesicht zu verlieren! Viel zu viele außerordentlich tüchtige und fleißige Menschen warten verzweifelt darauf!"
Rainer Sattelmacher (62), Geschäftsführer Willbrandt KG

"Wir sind ein stark expandierendes Unternehmen und werden etwa 20 Stellen in diesem Jahr schaffen. Den größten Effekt für uns hätte eine weitere Senkung der Lohnnebenkosten. Grundsätzlich schaffen wir unsere Stellen nicht abhängig davon, was die Regierung umsetzt, sondern entsprechend unseres Bedarfes."
Gero Lücking (41), Prokurist LichtBlick - die Zukunft der Energie GmbH

"Beim Jobgipfel ist für den Mittelstand bisher so gut wie nichts getan worden. Dabei müssten die Arbeitskosten erheblich gesenkt werden, damit wir wettbewerbsfähig bleiben. Ich wünschte mir auch, dass die Arbeitnehmer mal sehen, welche Kosten Arbeitgeber sonst noch abzuführen haben, die nicht auf der Entgeltabrechnung auftauchen. Und: Letztlich müsste man auch an die ‚Heilige Kuh' Gewerbesteuer rangehen und sie abschaffen."
Gerhard Richter (59), Verleger Ellert & Richter Verlag GmbH

"Ich halte von den Aktivitäten unserer Regierung im Moment insgesamt sehr wenig. Die Vorschläge zum Jobgipfel klingen nicht schlecht, aber ich glaube nicht, dass sie die Regierung umsetzen wird. Ich möchte zum Beispiel eine gute Mitarbeiterin fest einstellen, die schon für mich gearbeitet hat. Als alleinerziehende Mutter würde sie den Job auch gerne annehmen, aber Vater Staat legt uns nur Steine in den Weg."
Jorge Daniel Failla (31), Geschäftsführer Delight Medientechnik GmbH & Co KG

hamburger wirtschaft, Ausgabe Mai 2005