Handelskammer Hamburg 2005

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Recht & Fair Play

Soll das Stammkapital für GmbHs reduziert oder sogar abgeschafft werden?

Um eine GmbH zu gründen, braucht man mindestens 25000 Euro Stammkapital. Für die Gründung einer "Private Company Limited by Shares" ( kurz: "Ltd." oder "Limited") wird dagegen kein Mindestkapital vorausgesetzt, auch die Gründung erfolgt in der Regel schnell. Obwohl auch diese Rechtsform ihre Tücken hat, entscheiden sich darum viele deutsche Unternehmer für die Gründung einer Limited. In Expertenkreisen wird daher eine Senkung oder Abschaffung des Stammkapitals diskutiert.

"Spätestens seit Basel 2 gehört das Thema Stammkapital für GmbHs in die Mottenkiste. In der Praxis bestimmt doch die Eigenkapitalquote im wesentlichen über Machbarkeit, finanzielle Flexibilität und Sicherheiten eines Unternehmens. Dieser Wert kann schnell, flexibel und kostengünstig angepasst werden. Sicherheiten, sowie Stellung und Risikobereitschaft von Gesellschaftern können ausreichend durch qualifizierte persönliche Bürgschaften oder Kredite dargelegt werden. Eine Abschaffung ist eine förderliche Maßnahme für Unternehmensgründungen und Investitionen."
Andreas Bartmann (46), Geschäftsführer der Globetrotter-Ausrüstungen Denart & Lechhart GmbH

"Schon heute sind viele GmbHs unterkapitalisiert. Bei Verringerung oder Abschaffung des Mindeststammkapitals müssten Geschäftsführer früher einen Insolvenzantrag stellen, weil sie mangels ausreichenden Kapitals eher überschuldet sind. Die Reduzierung oder Abschaffung des Mindeststammkapitals kann nur unseriösen Unternehmen dienen und zwingt Geschäftspartner zu größter Vorsicht. Unternehmer, die nicht persönlich haften wollen und darum eine GmbH gründen, müssen verpflichtet bleiben, eine Kapitalausstattung in Höhe von wenigstens 25000 Euro zu leisten."
Christian von Bitter (55), Partner SES Schlutius Eulitz Schrader Hamburg/Berlin

"Es ist einerseits reizvoll, denn Gründer hätten ein Problem weniger, nämlich das der Finanzierung. Zudem reduziert ein gänzlicher Verzicht auf Stammkapital den momentan hohen bürokratischen Aufwand erheblich. Andererseits gibt es auch weniger positive Konsequenzen. Die im GmbH-Recht verankerte Pflicht zur Kapitalerhaltung und der daraus resultierende Gläubigerschutz würden spürbar aufgeweicht und müssten - soll die Attraktivität der GmbH erhalten bleiben - über andere Mechanismen erreicht werden. Grundsätzlich halte ich einen EU-weiten Konsens für wünschenswert."
Christiane Strasse (39), geschäftsführende Gesellschafterin der projektwerk GmbH

"Die Erfahrung zeigt, dass die Stammkapitalhöhe weder dazu geeignet ist, Gläubigern Sicherheit zu bieten, noch Missbrauch zu verhindern. Ohne eine Verschärfung der Kapitalerhaltungsvorschriften - etwa nach dem Vorbild der AG - macht es daher keinen Sinn, an der ,Eintrittshürde' festzuhalten. Die Reduzierung des Stammkapitals auf einen symbolischen Betrag würde das Risiko der Wahl ausländischer Gesellschaftsformen ohne Kenntnis der Konsequenzen verringern. Damit wäre zugleich der Standortqualität als auch der Wettbewerbsfähigkeit der GmbH gedient."
Thomas E. Voigt (45), geschäftsführender Gesellschafter der Nordpunkt Beteiligung GmbH

"Gerade für Selbstständige, wie Interimsmanager oder Berater, ist die schnelle und kostengünstige Limited eine Alternative. Ihr Image in Deutschland und Komplexität in der Verwaltung sprechen allerdings für die GmbH. Um Freiberufler durch die eigene Kapitalgesellschaft zu ‚professionalisieren', wäre eine Absenkung des Stammkapitals auf 10 000 Euro wünschenswert. Die Anmeldung einer GmbH muss gleichzeitig beschleunigt und vereinfacht werden. Die reformierte GmbH müsste sich so vor internationalem Wettbewerb nicht fürchten!"
Thorsten Becker (32), Geschäftsführer der Management Angels GmbH

"Bei so vielen EU- und USA-Alternativen zur GmbH - warum nicht auch eine deutsche ,GmbH-light'? Denn: sowohl die 25000 Euro als auch die angedachten 10000 Euro sind gegriffene Größen und treffen die realen Gründungskapitalien nicht. Wenn der Gesetzgeber die GmbH tatsächlich fit für die Zukunft machen will, könnten aus meiner Sicht mehr Flexibilität und viel weniger Formalismus sowie kürzere Gründungsfristen wirklich attraktivitätssteigernd wirken.
Matthias Dworzack (43), geschäftsführender Gesellschafter der Kanzlei für Wirtschaftsberatung an der Elbe GmbH

hamburger wirtschaft, Ausgabe November 2005