Handelskammer Hamburg 2005

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Extra-Journal: Transport & Logistik

Kurier-, Express- und Postdienste (KEP)

Auf Sendung

Seit der Paketmarkt liberalisiert wurde, ist er kräftig in Bewegung geraten – Firmen- und Privatkunden profitieren von Preisnachlässen und neuen Service-Ideen. Dagegen tut sich auf dem Briefmarkt wenig. Hier wird das Postmonopol erst 2007 komplett fallen.

Acht Milliarden Euro, 1,76 Milliarden Sendungen: Das ist das jährliche Umsatzvolumen des deutschen Marktes für Kurier-, Express- und Postdienste (KEP) – und zwar nur des komplett liberalisierten Teils, also ohne Briefsendungen. Im reinen Geschäftskundensegment (B2B) hat die Anbieterstruktur hier klare Konturen. Die fünf großen Anbieter – DHL Express, United Parcel Service (UPS), Deutscher Paketdienst (DPD), General Logistics Systems (GLS) und die Hermes Logistik-Gruppe – halten einen Marktanteil von rund 75 Prozent.

Unangefochtener Spitzenreiter ist die Post-Tochter DHL, die mehr als doppelt so viel Umsatz produziert wie der Zweitplatzierte UPS. DPD, der drittgrößte Anbieter in Deutschland hat wiederum doppelt so viel Umsatz wie die Nummer Vier, GLS. Bei der gewerblichen Belieferung von Privatkunden (B2C) liegen die Post-Konkurrenten gut im Rennen. So befördert die Hermes Logistik-Gruppe mit einem Marktanteil von über 30 Prozent bereits heute jedes dritte Paket, das an Privatpersonen zugestellt wird.

Im reinen Privatkundengeschäft (C2C) ist DHL absoluter Platzhirsch. Der Markt, der auf jährlich 60 Millionen Sendungen und ein Umsatzvolumen von 350 Millionen Euro geschätzt wird, liegt zu 95 Prozent in Händen der Post-Tochter. Doch auch hier stehen Kampfansagen im Raum. „2003 hatten wir im C2C-Segment einen Marktanteil von 3 Prozent. In den nächsten drei Jahren werden wir diesen auf rund 10 Prozent steigern“, erklärt etwa Hanjo Schneider, Geschäftsführer der Hermes-Logistik Gruppe. Hinter dem noch jungen Wettbewerb stehen auch unterschiedliche Systemphilosophien. DHL setzt auf die bundesweit 12 800 Postfilialen – davon rund 100 in Hamburg – und die selbstständigen Postagenturen. „Wir sind damit ganz nahe am Kunden“, sagt Marco Demuth, Mitglied des Bereichsvorstands bei DHL.

Im Oktober vergangenen Jahres ging DHL mit seinen „Packstationen“ an die Öffentlichkeit: Paketautomaten, an denen Kunden Tag und Nacht Sendungen aufgeben und abholen können. Wer sich für den Service registriert, kann sich Sendungen statt nach Hause an einen Automaten seiner Wahl schicken lassen. Per E-Mail oder SMS wird er über eingehende Lieferungen informiert, bei der Abholung weist er sich wie am Geldautomaten mit einer Kundenkarte und einer Geheimzahl aus. Bundesweit hat DHL 650 Packstationen eingerichtet, 45 davon in Hamburg.

Die Konkurrenz setzt auf Paketshops, die zum großen Teil in Einzelhandelsgeschäften wie Kiosken, Tankstellen oder Bäckereien untergeschlüpft sind. Das sorgt für kundenfreundliche Öffnungszeiten. Hermes etwa verstärkt sein C2C-Geschäft über bundesweit 10000 Paketshops, davon 170 im Großraum Hamburg. Strategischer Vorteil: Vielen Privatkunden sind die Hermes-Filialen als Abhol- und Abgabestellen für Versandhausbestellungen bzw. -retouren bekannt. Als weiteren Kundendienst bietet Hermes an, den Zeitpunkt der Paketzustellung auf ein frei wählbares Zeitfenster von drei Stunden festzulegen. Für besondere Aufregung sorgte die jüngste Werbemaßnahme: eine deftige Preissenkung von fast 40 Prozent bei den Paketshops. 800 Paketshops hat derzeit DPD. GLS unterhält 1100 Paketshops, unter anderem in Filialen des Büroartikel-Händlers Staples. In den nächsten zwei Jahren sollen es 2500 werden.

UPS erweitert sein Filialnetz um die Niederlassungen seines Partners MBE. Sie wenden sich mit ihrem Full-Service-Konzept vor allem an Privatleute, Selbstständige und kleine Firmen und bieten neben dem Versandservice ein ganzes Bündel an Büro- und Postdienstleistungen. Der Briefmarkt mit einem geschätzten Umsatzvolumen von zehn Milliarden Euro ist noch bis 2007 weitgehend eingeschränkt, dann soll das Postmonopol endgültig fallen. Wo er schon liberalisiert wurde – u.a. bei Sendungen über 100 Gramm und inhaltsgleichen Sendungen über 50 Gramm, z.B. Infopost – ist er kräftig in Bewegung geraten. Auch hier ist die Hermes- Logistik Gruppe präsent. Sie hat zusammen mit der Swiss-Post International die Hamburger prime-Mail GmbH gegründet. Zusammen mit der niederländischen Post führt sie die EP Europost mit Sitz in Hannover. Das Bonner Unternehmen GO! General Overnight, das auch in Hamburg vertreten ist, stieg in diesem Jahr mit dem Produkt „Business Mail“ in den Markt ein. Punkt Direkt Vertrieb, ein weiterer Anbieter, arbeitete zunächst vor allem für seine Mutterfirma, den Springer Verlag, bietet seine Dienstleistungen inzwischen aber für jedermann. Die KEP-Branche kennzeichnet auch noch eine andere Anbietergruppe. Dies sind die bundesweit 46000 Kleintransportunternehmen, die im Bereich der regionalen Sammel-und Verteilerdienste tätig sind. Der größte Teil davon ist als Sub- und Sub-Sub-Unternehmer an die Netze der großen KEP-Dienstleister angebunden. Nur ein kleiner Teil der geschätzt rund 20000 Firmen ist eigenständig tätig und bietet Kurierleistungen außerhalb der standardisierten Systeme. „Dort liegen auch die Chancen dieser Kurierdienste, die es verstehen müssen, die individuellen Kundenwünsche zu erfüllen“, sagt Peter Meyer von City-Express.

Noch unzureichend strukturiert war bislang das Ausbildungsangebot für den Nachwuchs. Jüngst gab es jedoch auch von Gewerkschaftsseite „grünes Licht“ für drei spezielle Ausbildungsberufe, die diese Lücke noch in diesem Jahr schließen werden.

Günter Dorigoni
guenter.dorigoni@hk24.de
Telefon 36 13 8 310

Internet

Informationen, Preislisten und Filialsuchen der fünf großen KEP-Anbieter:
DHL
www.dhl.de
www.packstation.de
DPD
www.dpd.de
GLS
www.gls.de
Hermes Logistik
www.hlg.de
UPS
www.ups.de
Der Büro- und Postdienstleister MBE:
www.mbe-europe.com
hamburger wirtschaft, Ausgabe Januar 2005