Handelskammer Hamburg 2006

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Ausbildungspakt

Gemeinsam für die Zukunft

Die beteiligten Bundesministerien, die Bundesagentur für Arbeit sowie die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, darunter der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, haben den 2004 vereinbarten Ausbildungspakt um weitere drei Jahre verlängert.

Die Bundesregierung würdigt so die großen Erfolge bei der Schaffung neuer betrieblicher und damit zukunftssichernder Ausbildungsmöglichkeiten. Bundesweit 63400 neue Ausbildungsplätze und rund 42000 Plätze für betriebliche Einstiegsqualifizierungen waren die eindrucksvolle Bilanz des zweiten Paktjahres.

Doch die Verlängerung des Ausbildungspaktes war keineswegs selbstverständlich. Denn trotz der hervorragenden Resultate hatte sich die neue Bundesregierung im Koalitionsvertrag darauf verständigt, auch die Gewerkschaften als Partner einzubeziehen. Aus Sicht der Wirtschaft stellte sich nun die Frage: Wie ist eine Zusammenarbeit mit dem DGB möglich, solange dieser an praxisfernen Instrumenten wie der Ausbildungsplatzabgabe festhält?

Die Frage wird zunächst unbeantwortet bleiben, da sich die Gewerkschaften mittlerweile gegen eine aktive Beteiligung am Ausbildungspakt ausgesprochen haben. Ungeachtet dessen bieten die Partner den Arbeitnehmervertretern an, die Erfolgsgeschichte des Ausbildungspaktes künftig mitzuschreiben. Denn die bisherigen Ergebnisse könnten sicherlich noch besser ausfallen, wenn alle hier im Sinne unserer Jugend und zum Wohle unseres Wirtschaftsstandorts an einem Strang zögen. Das wäre zum Beispiel bei der Regelung zur Übernahme von Ausgebildeten vonnöten, die endlich gelockert werden muss. Noch immer ist in den Tarifverträgen einiger Branchen nach bestandener Prüfung eine Weiterbeschäftigung von mindestens zwölf Monaten vorgeschrieben. Und auch bei der Höhe der Ausbildungsvergütungen sollten sich die Gewerkschaften flexibler zeigen, damit noch mehr Jugendliche eine Chance auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten.

In Hamburg haben wir uns zusätzliche Ziele gesteckt, um die Ausbildungsreife und die Perspektiven unserer Jugendlichen zu verbessern: Im Hamburger Ausbildungskonsens verpflichteten sich unsere Handelskammer, die Handwerkskammer und die Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein (UV-Nord), jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Hamburger Jugendlichen genügend Ausbildungs-Angebote zu machen. Dieses Versprechen konnten wir 2005 durch unsere erfolgreiche Nachvermittlungsaktionen erneut einlösen. Darüber hinaus bietet der Verein „Ausbildungsförderung der Hamburger Wirtschaft“ seit dem vergangenen Jahr die Vermittlung und Betreuung von Jugendlichen in Einstiegsqualifizierungen an. Auf diese Weise werden diejenigen fit für die Ausbildung gemacht, denen jetzt noch wichtige Qualifikationen fehlen.

Die im Ausbildungskonsens vom Senat zugesagte Berufsschulreform ist in der Erprobungsphase und soll zum Schuljahr 2006/2007 flächendeckend umgesetzt sein. Die vom Senat beschlossene Einführung der externen Schulevaluation im neuen Schulreformgesetz wird die Ausbildungsfähigkeit vieler Schulabgänger erhöhen.

Die bisher erreichten Erfolge bestärken uns darin, das regionale Ausbildungsbündnis weiter zu pflegen und voranzutreiben. Denn ebenso wie die Partner auf Bundesebene sind wir davon überzeugt, dass der zukünftige Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften nur durch gemeinsame Anstrengungen befriedigt werden kann. Nur so können wir auch dem demografischen Wandel begegnen, der bereits jetzt zu einem Mangel an Fachkräften in einzelnen Branchen geführt hat.

Dr. Karl-Joachim Dreyer
Präses der Handelskammer Hamburg

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2006