Handelskammer Hamburg 2006

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Dubai

Oase des Wachstums

Maximal zwanzig Jahre bleiben Dubai noch, bis seine Ölvorkommen aufgezehrt sind. Diese Perspektive hat die Regierung deutlich vor Augen – entsprechend konsequent treibt das Emirat die Diversifizierung seiner Wirtschaft voran. Für Hamburger Unternehmen verschiedener Branchen bieten sich dadurch interessante Geschäftschancen.

Vor vierzig Jahren machte das Erdöl Dubai reich. Doch voraussichtlich im Jahr 2020 werden die Ressourcen erschöpft sein. Deshalb setzt das Emirat die Milliarden-Erlöse gezielt ein, um Tourismus, Handel, Finanzwirtschaft und Industrie auf die Sprünge zu helfen. Dadurch wurde ein Bauboom ausgelöst, der vor allem von privaten Investoren getragen wird. Diese profitieren in Dubai von einer liberalen Wirtschaftsgesetzgebung, wenig Bürokratie, niedrigen Energiekosten und kaum vorhandenen direkten Steuern. Die Attraktivität Dubais beruht jedoch wesentlich darauf, dass die Vereinigten Arabischen Emirate als ein Hort der Stabilität in der ansonsten unruhigen Region angesehen werden und Reisen, aber auch Investitionen als relativ sicher gelten. Der Tourismus hat bereits massiv zugenommen, als Anreiz wirken Vorzeigeprojekte wie das einzige Sieben-Sterne-Hotel der Welt, das „Burj al Arab“, die größte künstlichen Inselgruppe der Welt „The Palm“, gewaltige Shopping-Malls, blühende Gärten und beleuchtete Wüstenautobahnen. An einem weiteren gigantischen Vorhaben wird seit einem Jahr gearbeitet: Der Hafen Jebel Ali soll samt Freihandelszone mit der künftigen „Dubai Logistics City“ und dem neu entstehenden Jebel Ali International Airport zur größten multimodalen Logistikplattform der Welt verschmelzen. Im Jahre 2005 wurden im Dubaier Hafen 7,5 Millionen Standardcontainer-Einheiten (TEU) umgeschlagen. Im internationalen Vergleich bedeutete das Platz 9, knapp hinter dem Hamburger Hafen. Für 2010 werden 15 Millionen TEU prognostiziert, bis zum Jahr 2030 gar 50 Millionen.

Auch die Bevölkerung Dubais soll wachsen, von zur Zeit 1,2 Millionen Menschen auf das Doppelte im Jahre 2010. Das erfordert neue Verkehrskonzepte. So wird für mehr als drei Milliarden Dollar eine 70 Kilometer lange S-Bahn in den Wüstensand gegraben, ab 2012 sollen bis zu 100 vollautomatisierte Züge auf zwei Linien durch Dubai fahren. Für eine 800 Kilometer lange Bahnverbindung von Bahrain über Katar in die Vereinigten Arabischen Emirate bis Dubai ist unter anderem der Transrapid im Gespräch.

Der Infrastrukturausbau kommt nicht zuletzt dem Finanzsektor und der Hightech-Industrie zugute. Das 2004 eröffnete „Dubai International Financial Center“ bindet regionale Kapitalströme und bietet Anlagemöglichkeiten. In der „Dubai Health Care City“ und dem Biotechnologie-Zentrum „DuBiotech“ sollen Life-Science-Unternehmen angesiedelt werden.

Bei der Entwicklung der Großprojekte im Infrastruktur- und Immobilienbereich wird häufig auf die Expertise deutscher – und auch Hamburger – Unternehmen zurückgegriffen. So wurde ein Komplex von drei Sportstadien mit 25 000 bis 60 000 Sitzplätzen, die „Dubai Sports City“, vom Hamburger Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner geplant. Auch zum „Burj Dubai“ – dem mit voraussichtlich 560 Metern künftig höchsten Wolkenkratzer der Welt – leisten Hamburger Firmen ihren Beitrag: Engel & Völkers wird die Immobilie vermarkten.

Im boomenden Gesundheitssektor haben Hamburger Firmen erste Erfolge zu verzeichnen. So ist das UKE mit der Errichtung eines Notfallmedizinzentrums beauftragt worden, die Newmex Consulting GmbH baut eine digitale Gesundheitsplattform auf. Die Hamburger Wirtschaft zeigt zudem seit Jahren Präsenz auf der größten Gesundheitsmesse im arabischen Raum, der „Arab Health“. Allein in diesem Jahr haben mehr als 20 Firmen die Möglichkeit genutzt, ihre Produkte und Dienstleistungen dem internationalen Fachpublikum vorzustellen. Ein weiteres Ziel war es, potenziellen arabischen Gesundheitstouristen die Leistungsfähigkeit Hamburger Krankenhäuser nahe zu bringen.

Darüber hinaus ist Dubai für Hamburger Unternehmen als Logistikstandort interessant, vor allem weil das Emirat über den leistungsfähigsten Seehafen der Region verfügt. So ist Dubai für die Hamburger Oiltanking GmbH zentrale Drehscheibe, um die Region mit hochwertigen Kraftstoffen zu versorgen.

Aber die Dynamik von Dubai zieht das Interesse Hamburger Unternehmen aus allen Branchen auf sich. Um diese Firmen beim Sprung in den arabischen Raum zu unterstützen, ist seit Anfang 2006 die „Hamburg Vertretung Dubai“ aktiv. Sie soll Hamburg als Reiseziel und vor allem als Wirtschafts- und Investitionsstandort in den Emiraten bekannt machen, denn gerade in arabischen Ländern ist die Präsenz vor Ort für erfolgreiche Geschäftsbeziehungen besonders wichtig.

Flankiert werden diese Maßnahmen durch die Besuche Hamburger Entscheider wie zuletzt der Delegationsreise unter Bürgermeister Ole von Beust und Handelskammer-Präses Karl-Joachim Dreyer. Auf der Reise haben unsere Handelskammer und die Dubai Chamber of Commerce and Industry eine Kooperation ihrer Hochschulen, der HSBA Hamburg School of Business Administration und des Dubai University Colleges, vereinbart.

Ab März wird der Aufbau engerer Beziehung von Hamburg nach Dubai durch eine Direktflugverbindung der Emirates Airlines erheblich erleichtert. Die Verbundenheit der Airline mit Hamburg liegt auf der Hand: Sie ist mit 45 Stück der größte Besteller des in Hamburg gebauten Airbus A 380 und wird voraussichtlich ab Mitte 2006 Trikotsponsor des HSV.

Alexander Neunzig / Felix Seibl
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hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2006