Handelskammer Hamburg 2006

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WM 2006

Eine Stadt zieht Bilanz

Im Einzelhandel hat sich das Geschäft mit Artikeln rund um die WM, mit Flachbildschirmen, Bier und Fanartikeln positiv entwickelt. Beim Traditionsgeschäft Fahnen Fleck am Neuen Wall etwa gingen 20000 Flaggen zusätzlich über den Ladentisch. Insgesamt verlief das Geschäft aber unterdurchschnittlich. Das Wetter trug dazu ebenso bei wie die Tatsache, dass Fans ihre Einkäufe nicht mit ins Stadion oder auf das Heiligengeistfeld nehmen konnten. Bewährt hat sich die Freigabe der Öffnungszeiten: Befürchtungen, viele Geschäfte würden zu Lasten des Personals rund um die Uhr geöffnet haben, haben sich als unbegründet erwiesen. Ein klares Signal, die Öffnungszeiten zumindest an sechs Tagen in der Woche freizugeben.

Auch in der Gastronomie ist die Bilanz geteilt. Betriebe mit Außenplätzen und Live-Übertragung gehören zu den Gewinnern der WM. Wo Gastronomen bewusst keine Fernseher aufstellten, ist das Konzept nur teilweise aufgegangen: Das Fußballfieber hatte tatsächlich alle Teile der Bevölkerung angesteckt. Für Hamburgs Hotels war die WM ein Nullsummenspiel. Die Rückgabe erheblicher Teile der FIFA-Kontingente und der Ausfall etlicher Kongresse haben sich negativ ausgewirkt. Das Geschäft mit den WM-Gästen konnte hier aber einiges wettmachen.

In der Außenwirtschaft haben viele Firmen den Vorschlag von Handelskammer und Wirtschaftsbehörde aufgenommen, zur Fußball-WM ihre internationalen Geschäftspartner einzuladen. Der hierzu in vielen Sprachen aufgelegte Infoflyer wurde fast 10000 mal in Länder verschickt, deren Teams in Hamburg spielten. 54 Unternehmen nutzten das Angebot, Geschäftspartner aus diesen Ländern zu einem jeweils vor dem Spiel durchgeführten Senatsempfang einzuladen.

Was bleibt sonst noch? Zunächst einige Erkenntnisse. Zum Beispiel die, dass der Rathausmarkt die richtige Adresse für eine Anlaufstelle für Touristen ist. Das dort eingerichtete „Welcome Center“ war ein voller Erfolg. Eine solche Erfahrung gilt es umzusetzen und die Möglichkeit einer dauerhaften Einrichtung an diesem zentralsten Punkt der City zu prüfen. Auch von den Investitionen in die Infrastruktur wird Hamburg profitieren. Die Neugestaltung des Spielbudenplatzes, die von den Anliegern bezahlte Aufwertung des Neuen Walls und das Fußgängerleitsystem wurden mit Hochdruck zum ersten Anpfiff hin fertiggestellt. Und mehrere S-Bahnhöfe wären ohne den WM-Druck wohl auf lange Sicht nicht modernisiert worden.

Der größte und unbezahlbare Erfolg ist aber die überragend gute Berichterstattung. Über 1200 Medienvertreter aus aller Welt haben die Stadt besucht und über sie berichtet. Dies wird mehr Touristen anziehen; Unternehmen werden es leichter haben, Fachkräfte nach Hamburg zu holen. Ihren Beitrag dazu werden auch die Fans aus aller Welt leisten, die ihre Eindrücke von der Fußballstadt Hamburg mit nach Hause nehmen.

hamburger wirtschaft, Ausgabe August 2006