Handelskammer Hamburg 2006

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Privathotels

Kleine Perlen

Vor einigen Jahren galt sie schon fast als Auslaufmodell, doch die Privathotellerie bildet nach wie vor das Rückgrat der Hamburger Hotelbranche. Ob Schiffs- Literatur-, oder Designhotels – die inhabergeführten Häuser locken mit Charme und viel Individualität.

Die positive Entwicklung im Hamburger Hotelgewerbe scheint ungebremst. Im vergangenen Jahr erreichten die 280 gewerblichen Übernachtungsbetriebe mit 3,45 Millionen Gästen und 6,45 Millionen Übernachtungen gleich zwei neue Rekordmarken. Die Aufholjagd gegenüber dem direkten Konkurrenten München setzte sich damit fort. Und auch in diesem Jahr hat es bereits in den ersten Monaten zweistellige Zuwachsraten gegeben.

Die steigenden Zahlen haben zunehmend große Hotelketten in die Hansestadt gelockt. Innerhalb weniger Jahre wuchs das Angebot um mehrere tausend Betten – eine Entwicklung, die viele Privathoteliers mit Sorge beobachteten. Nun scheint sich der Markt etwas zu konsolidieren. Fachleute sprechen sogar davon, dass in diesem Jahrzehnt eine Renaissance der Privathotels begonnen habe. Denn den Gast interessiert letztendlich nur die Qualität seines Aufenthalts. Und in dieser Beziehung sind gerade Hotels, die vom Eigentümer selbst geführt werden, oft eine gute Adresse. Oft liegen sie in den Stadtteilen, deren besonderes Ambiente die Gäste anzieht.

Während beispielsweise in New York die Chinatown Besucher anlockt, ist es in Hamburg das lebendige Portugiesen-Viertel rund um die Dietmar-Koel-Straße nahe den Landungsbrücken. In diesem Quartier hat Mitte 2005 das Hotel Stella Maris seine Pforten geöffnet, im Gebäude der katholischen Seemannsmission gleichen Namens. Wo einst Matrosen und Kapitäne ihr müdes Haupt nach einem Bummel über die Reeperbahn niederlegten, können heute Hotelgäste nächtigen. Die Eigentümer sind Walter Brandner und dessen Vater Hans Gerst, der vor gut 25 Jahren von Österreich an die Elbe kam und inzwischen erfolgreich sechs Hotels in Hamburg und eines in Schwerin betreibt. Trotz der kurzen Anlaufzeit sind die 49 Zimmer des Stella Maris bereits dauerhaft zu 90 Prozent ausgelastet. „Bei einer durchschnittlichen Bettenauslastung in Hamburg von knapp 52 Prozent ein sensationelles Ergebnis“, sagt Walter Brandner sichtlich begeistert. Nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt befindet sich der Europäische Hof von Claus Berk. Er bietet seinen Gästen nicht nur hervorragend ausgestattete Zimmer, sondern auch ein siebengeschossiges Freizeitzentrum, die Euro-Therme, mit einer 150 Meter langen Wasserrutsche – mitten in der Stadt. Ganz in der Nähe, in der Langen Reihe, im Szeneviertel St. Georg, liegt das Hotel Senator. Inhaber Lutz Nicolaus erspart seinen Gästen den Weg ins Spa. In den Wellness-Zimmern des Senator können die Gäste Dampfduschen genießen und die Nacht in beheizbaren Wasserbetten verbringen.

Kulturelle Genüsse finden sich nur wenige Schritte weiter. im Hotel Wedina in der Gurlittstraße, dem Hamburger Hotel für Literatur-Liebhaber. Die Liste der Schriftsteller, die hier bereits abgestiegen sind, ist lang und reicht von Adonis über Joanne K. Rowling bis hin zu Feridun Zaimoglu. Die Autoren können im Wedina kostenlos übernachten. Einzige Gegenleistung: eine handsignierte Ausgabe ihres aktuellen Romans. Inhaber Felix Schlatter sieht deshalb in seinem Engagement, für das er von unserer Handelskammer 2003 mit dem Kulturmerkur ausgezeichnet wurde, auch kein besonderes Verdienst. „Ich konnte mir damit schließlich ein Markenzeichen als Literaturhotel zulegen“, sagt er schmunzelnd.

Gleich fünf Hotels finden sich im Dammtorpalais beim Bahnhof Dammtor. Eines davon ist das Fresena, dessen Inhaberin, Katharina Füllenbach als Quereinsteigerin in der Branche beweisen will, dass eine zentrale Lage sowie gute Ausstattung und Service nicht im Widerspruch zu günstigen Preisen stehen müssen.

Ein Haus mit Geschichte ist der Baseler Hof an der Esplanade. 1906 zunächst als christliches Kellnerheim errichtet, wurden erstmals nach dem ersten Weltkrieg zahlende Gäste in dem Hospiz aufgenommen. In der nunmehr bereits dritten Familien-Generation hat Just Kleinhuis das Hotel Mitte der 80er Jahre übernommen. Unter seiner Inhaberschaft wurde ein Weinrestaurant eingeführt, das Haus umfangreich modernisiert und der Zusatz „Hospiz“ aus dem Namen entfernt.

Sie möchten in einem der Privathotels tagen oder feiern? Einen Meilenstein in diesem Sektor setzte Eugen Block, bekannt durch seine Steakhauskette Block House, mit der Erweiterung des Hotels Elysee zum Grand Elysee im April dieses Jahres. 24 Veranstaltungsräume stehen zur Verfügung, im Festsaal können 1000 Gäste in prachtvollem Ambiente tagen oder feiern.

Die Vielzahl der Sterneköche ist ein Markenzeichen unserer Stadt. Zehn Vertreter dieser Superlative krönen das gastronomische Angebot in Hamburg. Zwei von ihnen kochen in den Hotels Louis C. Jacob und Abtei. Dies verbindet die beiden Häuser, deren Geschichte jedoch ganz unterschiedlich ist. So kann das Jacob an der Elbchaussee bereits auf eine 200-Jährige Tradition zurückblicken. Die Patriziervilla in Harvestehude hingegen, in dem das Abtei seine Gäste Willkommen heißt, war Belegklinik, bis es Petra und Fritz Lay 1978 zum Hotel umbauten.

Zu den Stadtteilhotels gehört das Smolka in der Isestraße. Inhaber des seit 75 Jahren bestehenden Hauses ist der Sprecher der Fachgruppe Hotels im DEHOGA Hamburg, Manfred Schulze-Smolka. Das Smolka punktet auch mit der Nähe zur Eppendorfs lebendiger Kneipen- und Restaurantszene, den vielen Ladengeschäften und der Außenalster. Unter der Bezeichnung „Designhotel“ agieren Unternehmen, die sich durch besondere Architektur, Interieur und Ambiente auszeichnen. Sie stehen inzwischen für eine eigene Marke, sagt Kai Hollmann, der im Jahr 2000 das erste Designhotel in Hamburg eröffnete, das Gastwerk in Altona. In direkter Nachbarschaft präsentiert sich seit Oktober 2003 das 25hours-Hotel. Hollmann ist bei diesem Drei-Sterne-Budget-Hotel mit zwei weiteren Gesellschaftern Partner von Cristoph Hoffmann, der die Idee des Lifestyle-Hotels von Kopenhagen nach Hamburg brachte. Das 65-Zimmer-Haus wurde von jungen Designern in einer Mischung aus Design der 60er und 70er-Jahre und nüchterner Lounge-Atmosphäre eingerichtet.

Jüngstes Mitglied in der Gruppe der Design-Hotels ist das East in der Altonaer Simon-von-Utrecht-Straße, das 2004 in das rote Backsteingebäude der „Alten Eisengießerei“ einzog. Das Hotel, deren Mitinhaber die Branchenprofis Christoph Strenger und Mark Ciunis sind, wurde inzwischen mit Preisen überhäuft, unter anderem für die Zimmerausstattung, das Design und das Gastro-Konzept. Jüngst kam auch noch der Hamburger Gründerpreis 2006 dazu. Die Nähe zur Reeperbahn – nach wie vor ein Markenzeichen unserer Stadt – ist ein weiterer Pluspunkt.

An der Mellingburger Schleuse liegt das gleichnamige Hotel mit Restaurant, das sich aus einem Gasthaus für Treidelschiffer entwickelte. Hotelier Peter J. Lehfeldt ist Gastgeber für Besucher, die das in einem Naturschutzgebiet gelegene Hotel aufsuchen. Nicht direkt am, aber mit Blick auf das Wasser der Elbe kann der Gast im „Hafen Hamburg“ logieren. Wilhelm Bartels, bekannt als einer der größten Immobilienbesitzer in St. Pauli, baute dafür ein Seemannsheim am Elbhang um. Im Sommer nächsten Jahres wird auf dem benachbarten ehemaligen Gelände der Bavaria-Brauerei sein Empire Riverside fertig gestellt sein – die Krönung seines Lebenswerks, wie Bartels selbst sagt.

In einer maritimen Stadt wie Hamburg würde etwas fehlen, wenn der Besucher nicht auch auf dem Wasser übernachten könnte. Zwei exklusive Möglichkeiten bieten sich an. Zum einen das rote Feuerschiff im City-Sporthafen, wo der Gast nicht nur schlafen, sondern auch einen zünftigen Jazz-Frühschoppen erleben kann. Zum anderen die Cap San Diego, ein ehemaliger Stückgutfrachter der Südamerika-Linie, wo sich dem Gast die Frage stellt, ob er sich vor oder nach einer Führung durch das weltgrößte Museumsschiff im bordeigenen Swimming-Pool erfrischen möchte.

Im Süden Hamburgs kann das Hotel Lindtner auf eine über 50-Jährige Geschichte zurückblicken. Im humanistischen Baustil mit nordischen und mediterranen Elementen erbaut, erinnert es ein wenig an ein Landhaus. Inhaberin Heida Lindtner ist Gastgeberin aus Leidenschaft und nimmt den Slogan ihres Hauses wörtlich, der lautet: „Die Kunst, Wohlbefinden zu erzeugen.“

In Bergedorf ist Sylvia Bartels-Strangmann zu Hause, die nach einem Gastspiel als Gastronomin auf Mallorca und nach dem Betrieb einer Gaststätte in Bergedorf vor sechs Jahren das Hotel Bergedorfer Höhe eröffnete. Von 1870 bis 1950 war das Gebäude bereits einmal ein Hotel, bevor es später als Kolonialwarengeschäft genutzt wurde. Sylvia Bartels-Strangmann renovierte es unter großem Aufwand und machte es zu einem Familienhotel mit 24 Betten, das seine feste Kundschaft hat. Im angeschlossenen Restaurant haben die Gäste Gelegenheit, regionale Küche zu genießen.

Zentral zwischen der Hamburger Innenstadt, der historischen Speicherstadt und der HafenCity liegt das Madison Hotel Hamburg von Marlies Head. 1998, fünf Jahre nach Eröffnung, wurde sie vom Deutschen Fachverlag als Hotelier des Jahres ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der gelungenen Mischung aus „Serviced Apartments“ und dem Ambiente und Annehmlichkeiten eines Vier-Sterne-Hotels. 166 Studios und Suiten laden zum Aufenthalt für Tage, Wochen oder Monate ein, im gleichen Gebäude befindet sich auf 3500 Quadratmetern die Wellness-Oase Meridian Spa.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Angebot der Hamburger Privathotels. Einige von ihnen haben sich in der „Initiative Privathotels Hamburg“ zusammengeschlossen, um die vielseitigen Angebote der inhabergeführten Häuser noch besser vermarkten zu können. Demnächst wird sich ein weiterer Artikel in der hamburger wirtschaft mit den Hotels der großen Hotelketten, die in Hamburg beheimatet sind, beschäftigen. Wer die Hotels unserer Stadt persönlich kennen lernen will, hat dazu beim Tag der offenen Tür Gelegenheit, den die Hamburger Hotels in unregelmäßigen Abständen veranstalten.

Günter Dorigoni
guenter.dorigoni@hk24.de
Telefon 36 13 8 310

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Internet

Weitere Informationen unter: www.privathotels-hamburg.de

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2006