Handelskammer Hamburg 2006

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Olsen GmbH & Co. KG

Die Marke mit den drei Frauen

Mit Antik-Münzen bestickte Bolero-Jacken, Blusen und Röcke in Hippie-Optik, bequeme Stretchjeans, Hüftgürtel, Leinentaschen, Schmuck – so präsentiert sich die Olsen-Frühjahrskollektion im Flagshipstore am Jungfernstieg. Dahinter steht die Hamburger Kaufmannsfamilie Wolff, die schon seit 100 Jahren ihren Sinn für Zeitgeschehen unter Beweis stellt.

Der Geschäftsmann Manfred A. Wolff fliegt 1959 nach Hongkong und bringt von dort aus Pullover in die Hansestadt. Hier verkauft er die Ware in kleinen Hamburger Boutiquen und deutschlandweit. „Ein Oberteil von uns kostete ungefähr 25 Mark – das war für die damalige Zeit ungewöhnlich günstig. Läden wie H & M gab es ja noch nicht“, erzählt Tochter Andrea Wolff.

Mit dem Textilimport aus Fernost legte das 1901 gegründete Familienunternehmen Wolff den Grundstein für den heutigen Geschäftsbereich „Fashion“, der – ebenso wie die Geschäftsbereiche „Food“ und „Non Food“ – als eigenständiges Unternehmen unter dem Dach der familieneigenen Holding Wolff & Olsen GmbH & Co. KG geführt wird.

1995 brachte die Firma ihr eigenes Modelabel „Olsen Collection“ auf den Markt, das seit 2000 nur noch „Olsen“ heißt. „Unsere Kollektion umfasste früher über 1000 Teile, die wir an hochwertige Fachhandelsgeschäfte bis zu großen Kaufhausketten wie Hertie geliefert haben“, erzählt Andrea Wolff. „Dann haben wir uns auf die feminine Frau ab 40 spezialisiert.“ Ein Wagnis, das sich gelohnt hat. Durch die neue Geschäftsidee hat Olsen zwar die Hälfte seiner früher rund 3500 Kunden verloren. Trotzdem konnte der Geschäftsbereich Fashion den Umsatz zwischen 1997 und 2002 verdoppeln.

„Unsere Mode tragen Frauen, die das Familienleben genauso im Blick haben wie die eigene Karriere“, beschreibt Andrea Wolff die Zielgruppe. „Unsere Kundinnen sind weiblich und aktiv, sie wollen bequem und trotzdem schick angezogen sein.“ Schauspielerinnen wie Gerrit und Anja Kling oder Sonja Kirchberger, selbst erfolgreiche Mütter, haben diesen Gedanken auf Werbeplakaten des Traditionsunternehmens verkörpert. Die Idee, immer drei Frauen gemeinsam auftreten zu lassen, um „die Olsen-Philosophie von Freundschaft und emotionaler Stärke“ auszudrücken, zieht sich seit 1997 durch die Kampagnen des Unternehmens.

„Wir haben uns von Anfang an bewusst gegen Profi-Models entschieden“, erklärt Andrea Wolff. „Die Schauspielerinnen, die unsere Kollektionen präsentieren, sind nicht nur schön, sie haben auch eine natürliche und glaubhafte Ausstrahlung. Sie tragen unsere Kleidung privat.“ Die deutsche Prominenz ist im Ausland zwar weniger bekannt, trotzdem funktionieren Olsen-Mode und Werbekampagne weltweit: Das Unternehmen ist mittlerweile in 55 Ländern vertreten – nicht zuletzt deshalb, weil die kinderreiche Inhaberfamilie gerne reist, sich für fremde Kulturen und Märkte interessiert. Wolff: „Selbst Ludmilla Putin kleidet sich in einem unserer 20 Moskauer Stores ein. Und im Iran tragen viele Frauen Olsen-Mode unter dem Schleier“. Besonders angesagt ist die Marke außerdem in den USA, Kanada und Skandinavien, in London wurde Olsen sogar mit dem „Brand of the Year“ ausgezeichnet.

Sechs Kollektionen gehobener Preisklasse bringt das Unternehmen jährlich auf den Markt. Verantwortlich für das Aufspüren von Trends und die typische Olsen-Handschrift ist ein Designerteam aus Hamburg. „Wir produzieren ganz nah am Zeitgeschmack“, sagt Andrea Wolff. „Und wenn es schnelle Modeentwicklungen gibt, reagieren wir sofort mit einer textilen Sonderausgabe.“

Um besser auf Kundenwünsche eingehen zu können, hat Olsen das „Luna-Prinzip“ eingeführt, so auch im Hamburger Flagship-Store am Jungfernstieg: Neben der eigenen Kollektion sind hier auch andere Modemarken zu haben. „Olsen-Kundinnen tragen außerdem gerne Marc Aurel, Oui, Rossner und Bianca“, erklärt Wolff. „Wir haben uns mit diesen Firmen zusammengeschlossen, damit niemand mehr von Kaufhaus zu Kaufhaus laufen muss, um das perfekte Outfit in unserem Stil zusammenzustellen.“

Carola Hoffmeister
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 302

hamburger wirtschaft, Ausgabe Februar 2006