Handelskammer Hamburg 2006

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Albrecht & Dill

Riecht gut, schmeckt gut, läuft gut

Als Importeur von Rohkakao wurde das Handelshaus Albrecht & Dill weltweit bekannt und machte Hamburg zum bedeutendsten Umschlagplatz des „braunen Goldes“. Doch das Unternehmen, das in diesen Tagen 200 Jahre alt wird, hat noch wesentlich mehr im Programm.

Der genaue Tag der Gründung liegt im Dunkeln, aber fest steht, dass irgendwann im Laufe des Jahres 1806 ein 29-Jähriger Existenzgründer mit Namen Johann J. N. Albrecht Sitz am Meßberg nimmt und sich als Kaufmann für Kolonialwarenhandel bekannt macht. Seine Geschäftsverbindungen reichen bald bis ins russische Archangelsk und nach Amerika. Als „Merchant Banker“ kombiniert er seine Warengeschäfte mit Finanz- und Versicherungsgeschäften. Zeitweise unterhält er eigene Barkschiffe, die sogar in chinesischen Gewässern unterwegs sind.

1835 bekommt die Firma ihren heutigen Namen, als Theodor Dill ins Unternehmen einsteigt. Der neue Partner erwirbt sich schnell einen ganz besonderen Ruf: Als beim großen Brand von 1842 im gerade eingeweihten Börsengebäude, heute Sitz der Handelskammer, das Feuer wütet, organisiert er die Löschaktion und geht als „Retter der Börse“ in die Stadtgeschichte ein. Später engagierte sich Theodor Dill auch in der Commerzdeputation, der Vorläuferin der Handelskammer. In der Deichstraße/Ecke Kajen ist zum Gedenken an Dill eine Bronzestatue errichtet worden, in Rotherbaum trägt seit 1890 eine Straße seinen Namen.

Eine entscheidende Wende nimmt die Firmengeschichte um 1870. Weil die Deutschen immer mehr Geschmack an Schokolade finden, steigt Albrecht & Dill ins Geschäft mit Kakaobohnen ein und gilt binnen kurzer Zeit als eine der führenden Firmen der Branche, ein Ruf, der zwei Weltkriege, Devisenbewirtschaftung und Importrestriktionen überstand. Der Erfolg des Unternehmens hat mit dazu beigetragen, dass sich Hamburg zum wichtigsten deutschen Umschlagplatz für Rohkakao entwickelte. Auch heute noch ist die Albrecht & Dill Trading auf dem Feld des Rohkakaoimports die Nummer eins in Deutschland.

„Mit unserer Kenntnis verlässlicher Lieferquellen hochwertiger Ware sind wir für die Süßwarenindustrie ein wichtiger Partner“, sagt Philipp Hoffmann, Krögers Partner in der Albrecht & Dill Trading. Seine Abnehmer sitzen in Deutschland, Europa und den USA. Neue Chancen sieht Hoffmann vor allem in Osteuropa. Ein weiteres Standbein hat sich Albrecht & Dill mit dem Kaffeehandel aufgebaut. Er wird durch die Firma Efico, Albrecht & Dill GmbH, gemeinsam mit einem belgischen Partnerunternehmen betrieben.

Neben der „Pflicht“ Kakao und Kaffee macht Christoph Kröger aber auch die Sparte seines Unternehmens großen Spaß, die er als „Kür“ betrachtet: Der Handel mit Luxuskosmetika und Parfums. Den Grundstein für diesen Zweig hatte Krögers Vater gelegt, als er die Generalvertretung für Chanel-Parfums übernahm. Inzwischen importiert die Albrecht & Dill Cosmetics GmbH als Alleinvertreter über 1000 Kosmetikprodukte von elf weltbekannten Parfummarken, darunter Penhaligon's aus London und Lalique.

Besonders stolz sind Kröger und sein Partner Philipp Sahling, Geschäftsleiter von Albrecht & Dill Cosmetics, auf ihre Verkaufstresen aus geschnitztem dunklem Holz, die ein Ambiente von Gediegenheit und Tradition ausstrahlen sollen. Zwölf dieser Tresen stehen an ausgesuchten Standorten, etwa in der Parfümerieabteilung des Alsterhauses.

Am heutigen Sitz des Unternehmens, am Brandstücken in Osdorf, werden die Luxuskosmetika auf rund 2000 Quadratmetern Hallenfläche gelagert und bewacht wie in einem Hochsicherheitstrakt. Vertrieb und Werbung für die edlen Düfte und Cremes sind aufwändig – 50 Angestellte arbeiten für die Kosmetiksparte, im Kakaohandel sind es nur 12 – aber die Margen bestechend hoch. Und noch etwas erfreut Kröger und Sahling: Die Absatzkurve dieser Sparte kennt keine großen Ausschläge, die Liebhaber der edlen Marken bleiben ihren Produkten auch in schlechten Zeiten treu.

Cornelia Kahl
cornelia.kahl@hk24.de
Telefon 36 13 8 283

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2006