Handelskammer Hamburg 2006

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Hamburg Süd

Goldene Fracht in roten Containern

Seit 1871 ziehen die Schiffe der Reederei Hamburg Süd ihre Bahnen über die Weltmeere. Aus dem Spezialisten für die Südamerika-Fahrt ist heute ein weltweit operierender Logistikkonzern geworden, der zu den großen Namen in der Branche gehört.

Fast 3000 Jahre alt war die Ladung, die die „Cap Lobos“ in diesem Frühjahr in Alexandria an Bord nahm: Das Schiff, das die Reederei Hamburg Süd gechartert hatte, transportierte einen Großteil der Exponate der Ausstellung „Ägyptens versunkene Schätze“. Die Ausstellungsstücke gingen im März in Kairo auf die Reise nach Berlin, wo sie noch bis 4. September zu sehen sind. Solche logistischen Komplettlösungen gehören zum Angebot der Hamburg Süd, die sich seit ihrer Gründung von einer konventionellen Reederei zu einem international operierenden Transport- und Logistikunternehmen entwickelt hat.

Ihre Geschichte begann 1871, als das rasch wachsende Handelsvolumen zwischen Europa und Südamerika elf Hamburger Kaufleute dazu veranlasste, die „Hamburg-Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft“ zu gründen. Das Geschäft entwickelte sich sehr dynamisch, immer mehr Schiffe wurden eingesetzt, seit 1906 auch Schnelldampfer.

Anfang des 20. Jahrhunderts stand der Name Hamburg Süd aber nicht nur für Zuverlässigkeit in der Linienschifffahrt, sondern insbesondere für glanzvolle Kreuzfahrten. Diese 1922 eingeläutete Ära währte aber nur zwei Dekaden: Im Zweiten Weltkrieg ging die gesamte Flotte verloren, fortan konzentrierte sich das Unternehmen auf die Linienschifffahrt. Seitdem konnte die Hamburg Süd ihr Fahrtgebiet immer weiter ausdehnen.

Heute betreibt die zur Oetker-Gruppe gehörende Reederei mit etwa 90 Schiffen rund 40 Liniendienste, die die ganze Erde umspannen. Damit zählt das Unternehmen zu den 20 größten Containerreedereien der Welt und zu den führenden Anbietern in den Nord-Süd-Verkehren. Weltweit beschäftigt die Hamburg Süd mehr als 4000 Mitarbeiter, davon knapp 600 in Hamburg und Bremen.

Ihre gute Marktposition ist vor allem auf eine konsequente Expansion und die Übernahme zahlreicher namhafter Liniendienste zurückzuführen – unter anderem der renommierten brasilianischen Reederei Aliança oder der Linienaktivitäten der taiwanesischen Reederei Kien Hung.

In ihrem klassischen Fahrtgebiet zwischen Europa und Südamerika gehört die Reederei zu den Marktführern. Das Investitionsvolumen der Hamburg Süd erreichte 2005 mit 387 Millionen Euro das höchste Niveau in der Geschichte der Reedereigruppe. In den Jahren 2006 bis 2008 soll dieses Volumen beibehalten werden, um vor allem den Eigenanteil an Schiffen und Containern weiter auszubauen. Klaus Meves, Sprecher der Geschäftsführung, beschreibt die Strategie so: „Wir werden die Dienst- und Flottenoptimierung in allen Fahrtgebieten gezielt vorantreiben, um unsere Kostenpositionen weiter zu verbessern, so wie uns das Mitte 2005 durch die Einfädelung der neuen ‚Monte’-Schiffe in den Europa-Südamerika-Ostküsten-Dienst gelungen ist.“

Die Reederei profitiert vom anhaltenden Boom der Containerschifffahrt. Dieser positiven Entwicklung steht allerdings ein erheblicher Ausbau der Transportkapazitäten gegenüber. Zudem haben die Reedereien mit anhaltend hohen Treibstoffpreisen zu kämpfen. Schwer absehbar ist, wie sich der Konsolidierungsprozess bei den Liniendiensten auswirken wird: Erst jüngst hat sich mit der Übernahme von P&O Nedlloyd durch die dänische Reederei Mærsk sowie von CP Ships durch Hapag-Lloyd die Konzentration in der Schifffahrt erheblich verstärkt.

Die Hamburg Süd musste sich daraufhin für mehrere Linien neue Partner suchen oder dazu entscheiden, Liniendienste in Eigenregie zu betreiben. So bietet das Unternehmen seit Februar den eigenständigen „Trident-Service“ zwischen Nordeuropa, der US-Ostküste und Australien/Neuseeland an, der den bisher mit Partnern betriebenen „Round The World Service“ ersetzt.

Heiner Schote
heiner.schote@hk24.de
Telefon 36 13 8 275
hamburger wirtschaft, Ausgabe August 2006