Handelskammer Hamburg 2006

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Familienfreundliche Personalpolitik

Nützt den Eltern, nützt der Firma

Ob sich Nachwuchs ankündigt oder ein Angehöriger zum Pflegefall wird: Wer qualifizierte Mitarbeiter motivieren und halten will, tut gut daran, sie auch bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familie zu unterstützen. Bei der Gestaltung einer familienfreundlichen Personalpolitik, die sich auch betriebswirtschaftlich rechnet, hilft seit einem Jahr die „Hamburger Allianz für Familien“.

„Ausgerechnet jetzt!“, dachte Hermann Weiler, als einer seiner Mitarbeiter anrief: Es gebe Probleme bei der Kinderbetreuung, vermutlich könne er nicht zur Arbeit kommen. Ausgerechnet jetzt, in der Urlaubszeit. Für den Geschäftsführer der Weiland und Kuck Metallwerkstatt GmbH in Altona ein harter Schlag – denn wie viele kleinere Unternehmen ist auch sein Betrieb auf jeden Mitarbeiter angewiesen.

Zum Glück war unkomplizierte Hilfe nur einen Anruf entfernt: Seit einem Jahr können sich Hamburger Unternehmen in allen Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie an eine Telefon-Hotline wenden. Sie ist eines der Projekte der „Hamburger Allianz für Familien“, die die Behörde für Familie und Soziales und unsere Handelskammer ins Leben gerufen haben. Betrieben wird die Hotline von der pme Familienservice GmbH. Unternehmen erhalten hier eine kostenlose Erstberatung zu Themen wie Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle oder Programme zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Wie bei der Firma Weiland und Kuck werden im Notfall auch schnell individuelle Problemlösungen erarbeitet: Ein Berater von pme besuchte den betroffenen Mitarbeiter zu Hause und fand im persönlichen Gespräch schnell eine Lösung. Das Kind konnte bei „Company Kids“ untergebracht werden, einer pme-Einrichtung, die vor allem für Notsituationen gedacht ist.

Insgesamt haben 2005 rund 50 Unternehmen und Institutionen verschiedener Größe die Dienstleistung der Hotline in Anspruch genommen. Neben der Firma Weiland und Kuck gehört auch die DG Hyp AG zu diesen Unternehmen. Die Firma engagiert sich bereits seit Jahren für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und unterstützt seine Mitarbeiter seit kurzem auch im Bereich Kinder- und Notfallbetreuung. Man wolle Eltern Orientierung im Betreuungsdschungel geben und pragmatische Lösungen für den Einzelnen finden, sagt Christina Theopold von der Personalentwicklung der DG HYP: „Hierbei ist uns der pme Familienservice eine große Hilfe. Unsere Mitarbeiter wurden umfassend informiert und werden persönlich beraten. Die Resonanz ist sehr gut.“

Auch die PPI Financial Systems GmbH zeichnet sich seit langem durch Familienfreundlichkeit aus. Um das Angebot an die Mitarbeiter noch zu verbessern, hat das Unternehmen Kontakt mit pme aufgenommen. Die vereinbarten Maßnahmen richten sich dabei nicht nur an Eltern, sondern auch an Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen, berichtet Alexandra Barandat, Familienbeauftragte der PPI. „Wir stellen immer wieder fest, dass diese Art der Unterstützung die Loyalität der Mitarbeiter extrem steigert. Sie fühlen sich besonders wahrgenommen und verstanden“, sagt pme-Berater Nils Hofert. „Pflegefälle in der Familie sind eine starke Belastung für den Mitarbeiter. Dass es in diesem Bereich von Seiten der Unternehmen immer mehr Unterstützung gibt, schätzen die Beschäftigten sehr.“

Ein weiteres Projekt der Allianz für Familien ist der „Hamburger Familienpass“, den es seit April 2005 gibt. Er enthält viele vergünstigte und kostenlose Angebote für Familien aus den Bereichen Freizeit, Kultur und Sport, die von rund 190 Anbietern in und um Hamburg zur Verfügung gestellt werden. Zahlreiche Partner aus der Hamburger Wirtschaft unterstützen den Familienpass finanziell und ideell, bislang sind mehr als 20 000 Exemplare verkauft worden.

Auf große Resonanz bei den Unternehmen stoßen auch die Informationsveranstaltungen der Allianz für Familien, hier informieren sich Geschäftsführer, Personalverantwortliche und Betriebsräte über Möglichkeiten der familienfreundlichen Personalpolitik. Für die Zukunft des Standorts Hamburg ist die rege Teilnahme ein gutes Zeichen, lässt sich doch wirtschaftliches Wachstum ohne Kinder nicht langfristig sichern. Familienfreundlichkeit wird zum wichtigen Faktor im Wettbewerb mit anderen Städten.

Aber Unternehmen profitieren auch ganz unmittelbar von familienfreundlichen Maßnahmen: Den Kosten stehen wesentlich höhere Einsparungen gegenüber. Dazu gehören unter anderem niedrigere Krankenstände, geringere Einarbeitungskosten bei familienbedingtem Personalwechsel, eine höhere Motivation der Beschäftigten und bessere Arbeitsergebnisse. Nach einer Studie der Prognos AG erbringen Investitionen in Familienfreundlichkeit in einem Modellbetrieb mit 1 500 Beschäftigten einen „Return on Investment“ von 25 Prozent. Das heißt: Für 100 investierte Euro fließen 125 Euro zurück. Bei kleineren Handwerksbetrieben wurden Einspareffekte zwischen 10 000 und 100 000 Euro im Jahr ermittelt.

Britta Heegardt
britta.heegardt@hk24.de
Telefon 36 13 8 317

Infos und Kontakte

Die Familienhotline ist erreichbar unter Tel. 432 14 50 (Mo. bis Mi. und Fr. 10 bis 14 Uhr, Do. 10 bis 18 Uhr)

Umfassende Hilfestellungen und kostenlose Beratung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bietet das Internet-Portal www.mittelstand-und-familie.de. Das Gemeinschaftsprojekt von Bundesfamilienministerium, Bertelsmann-Stiftung und DIHK richtet sich an Entscheider und Personalverantwortliche in mittelständischen Unternehmen. Auch Mitarbeiter finden hier wertvolle Informationen.

Informationen rund um den Familienpass: www.familienpass-hamburg.de

hamburger wirtschaft, Ausgabe Februar 2006