Handelskammer Hamburg 2006

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Schiffsverkehr

Günstige Lage

Der Seehandel boomt nicht nur zwischen Europa und Ostasien. Auch der Ostseeraum verzeichnet beeindruckende Zuwachsraten. Davon profitiert der Hafen Hamburg als zentraler Verkehrsknotenpunkt für beide Märkte.

Der Hamburger Hafen konnte im vergangenen Jahr wieder beeindruckende Wachstumsraten vorweisen. 8,1 Millionen Standardcontainer (TEU) wurden 2005 umgeschlagen, mehr als eine Million mehr als im Vorjahr. Dies ist maßgeblich auf die geostrategisch günstige Lage des Hafens zurückzuführen: Zum einen liegt er weit im Hinterland und ermöglicht dadurch den Reedern, auf dem kostengünstigen Wasserweg weit ins Landesinnere vorzudringen, zum anderen liegt er an der Schnittstelle zweier dynamisch wachsender Wirtschaftsregionen.

Als östlichster Nordsee-Hafen verbindet Hamburg die Wachstumsmärkte in Ostasien mit denen im baltischen Raum. Er ist der letzte und für den Ostseeraum am verkehrsgünstigsten gelegene Hub-Hafen für die im interkontinentalen Verkehr eingesetzten Megacarrier. Diese fassen mittlerweile fast 10000 TEU. Zubringerdienste (Feeder) verteilen rund 30 Prozent der einkommenden Ladung der Großschiffe in den Ostseeraum und speisen wiederum die Ozeanriesen in Richtung Ostasien mit Ladung. Der Hamburger Hafen ist damit für interkontinentale Warenströme der zentrale Verkehrsknotenpunkt in Nordeuropa.

Die Bedeutung dieser beiden Wachstumsregionen vermitteln folgende eindrucksvolle Zahlen: Im Jahr 2005 ist die Zahl der Standardcontainer im Ostasien-Verkehr um über 491000 auf 2,9 Millionen TEU gestiegen – ein Plus von 20,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist auch der Verkehr in den Ostseeraum hinein um 350000 TEU angewachsen. Dies entspricht einem ebenfalls überdurchschnittlichen Wachstum von 19,7 Prozent. Zusammengerechnet sind diese beiden Regionen damit für mehr als drei Viertel des gesamten Umschlagwachstums im Hafen Hamburg verantwortlich – Landverkehre in den Ostseeraum nicht einmal eingerechnet.

Der Ostseeraum entwickelt sich dabei sehr heterogen. Wenn von der Verbindung zweier dynamisch wachsender Wirtschaftsregionen die Rede ist, dann muss im Ostseeraum vor allem auf Osteuropa verwiesen werden. Seit dem Fall der Mauer und dem Beitritt der meisten osteuropäischen Anrainer zur EU haben diese Staaten im Vergleich zu den skandinavischen Ländern massiv an Bedeutung für die ein- und ausgehenden Verkehre in Hamburg gewonnen.

Aber auch der Warenverkehr nach Skandinavien nimmt zu: Im Verkehr nach Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark wurde über die letzten zehn Jahre ein Wachstum von jährlich durchschnittlich 10 Prozent erzielt. Damit wächst der Skandinavienumschlag nur unwesentlich langsamer als der Container-Umschlag des gesamten Hamburger Hafens.

Im gleichen Zeitraum ist der Schiffsverkehr in Richtung Osteuropa rasant gewachsen. Durchschnittlich nahm der Verkehr in Richtung Baltische Staaten, Russland und Polen in den betrachteten zehn Jahren um 30,8 Prozent zu. Diese Spitzenwerte sind nicht nur in einem niedrigen Ausgangsniveau begründet: Seit dem Jahr 2000 fällt das Durchschnittswachstum mit 31,8 Prozent sogar noch um ein Prozent höher aus.

In der Folge dieser Entwicklung stieg der Anteil der osteuropäischen Staaten am gesamten Ostseeverkehr von unter 10 Prozent im Jahr 1995 über 23,3 Prozent im Jahr 2000 auf mittlerweile fast 40 Prozent. Hält diese Entwicklung an, wird in fünf Jahren schätzungsweise jeder zweite Container mit Ziel Ostsee nach Osteuropa gehen. Zum Vorteil der Reedereien sind die Verkehre in Richtung Ostsee weitgehend paarig, das heißt: Es gehen in etwa gleich viele Container aus Hamburg in Richtung Ostseeanrainerstaaten, wie aus diesen Staaten Container nach Hamburg kommen. Darin unterscheidet sich der Verkehr deutlich vom Asienverkehr, bei dem regelmäßig deutlich mehr Container in Hamburg eingehen als ausgehen.

Am stärksten hat sich der Containerverkehr zwischen Hamburg und Russland entwickelt. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der TEU auf dieser Strecke fast verdoppelt. Russland ist mittlerweile nach Finnland das bedeutendste Ziel- und Herkunftsgebiet der im Hafen Hamburg umgeschlagenen Container. Angesichts der beschriebenen Entwicklung ist es nicht verwunderlich, wenn der Hafen Hamburg nicht nur als östlichster Nordsee-Hafen, sondern auch als westlichster Ostsee-Hafen bezeichnet wird. Dabei erweist sich die Hafenkooperation zwischen Hamburg und Lübeck als Vorteil. Der Vorstandsvorsitzende der HHLA, Klaus-Dieter Peters, konnte auf der letzten Bilanzpressekonferenz verkünden, dass sich die Landbrücke in die Ostsee sehr erfreulich entwickelt. Die HHLA-Tochter Combisped, die ein Container-Terminal in Lübeck unterhält, konnte ihr Umschlagvolumen um 40 Prozent auf 59000 Standardcontainer steigern. Mittlerweile verkehren täglich auch zwei Shuttlezüge zwischen Hamburg und Lübeck. Die Hafenexperten sind sich allerdings einig, dass diese Verbindung den regen Feederverkehr im Hafen Hamburg nicht verdrängen kann.

Von zentraler Bedeutung für die Sicherung der für Hamburg so wichtigen Ostseeverkehre ist der anforderungsgerechte Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals. Feederschiffe mit einer Kapazität von 1200 und mehr TEU können derzeit den Nord-Ostsee-Kanal, die meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt, noch nicht passieren. Da die Zahl dieser Schiffe jedoch stetig steigt, wäre ein Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals auch der langfristigen Entwicklung des Hafen Hamburgs zuträglich.

Jörg Märkt
joerg.maerkt@hk24.de
Telefon 36 13 8 382

Handelskammer

Absage an staatlich gelenkte Hafenplanung

Die deutsche Wirtschaft erteilt allen Überlegungen aus der Politik eine klare Absage, durch eine staatliche Verkehrslenkung Reeder in der freien Hafen-Auswahl zu beschränken. Dies machten Vertreter des Deutschen Industrie- und andelskammertages (DIHK) sowie sechs weiterer Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft am 28. Juni auf einem Hafenpolitischen Symposium in Berlin deutlich. Der internationale Seeverkehr und der gesamte Logistik-Sektor gehörten zu den Wachstumsbranchen in Deutschland, so die Experten. Damit die hiesige Wirtschaft und ihre Beschäftigten von der Globalisierung profitieren können, sei die Bundesregierung aufgefordert, die Rahmenbedingungen für die Häfen nachhaltig zu verbessern. Dazu gehörten vor allem der Ausbau der seewärtigen Zufahrten und die landseitige Anbindung mit Straße, Schiene und Binnenwasserstraße. Die Forderungen der Wirtschaft an die Politik wurden in einer gemeinsamen Resolution aller Veranstalter veröffentlicht. Sie fasst die wesentlichen „Knackpunkte“ aus der Sicht der Hafenwirtschaft und der Hafenkunden zusammen und verdeutlicht, dass auch Industrie und Handel sich für einen hochwertigen Zugang zum internationalen Seeverkehr einsetzen. Die Resolution ist unter www.hk24.de/hafen abzurufen. Weitere Informationen zum Thema unter www.zukunftelbe.de.

hamburger wirtschaft, Ausgabe August 2006