Handelskammer Hamburg 2006

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Existenzgründung

Kleine Häuser ganz groß

Zwar fing Katharina Füllenbach nicht wie viele andere Gründer bei Null an: Sie übernahm einen eingeführten Hotelbetrieb und brachte die notwendige Branchenerfahrung mit. Trotzdem stellte die Existenzgründung auch sie vor anspruchsvolle Herausforderungen.

Es war Liebe auf den ersten Blick, als Katharina Füllenbach das Dammtorpalais vor vier Jahren zum ersten Mal betrat. „Hier würde ich gern einmal ein Hotel führen“, dachte sie sich. Reiner Zufall, dass ihr kurze Zeit später ausgerechnet ein Objekt in eben jenem Dammtorpalais angeboten wurde. Eines der dort ansässigen fünf Etagenhotels stand zum Verkauf. Füllenbach überlegte nicht lang und griff zu. „Dann ging alles recht schnell“, erinnert sie sich. „Bereits fünf Monate nach meiner Entscheidung, das Hotel Fresena zu übernehmen, erfolgte die Schlüsselübergabe.“

Eigentlich hatte sie sich vorgenommen, nie in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten, die in vierter Generation ein Hotel betreiben. Aber nach mehreren Jahren als Marketingchefin einer Opern- und Ballettbühne in Frankfurt wollte sich Füllenbach selbstständig machen. „Und dann lag es doch nahe, ein Hotel zu leiten, weil ich mich darin ja auskannte“, sagt die 46-Jährige.

Das nötige Fachwissen war also vorhanden – das nötige Kapital zunächst nicht. Wie viele Existenzgründer habe auch sie Absagen von einigen Banken hinnehmen müssen, sagt Füllenbach: „Trotzdem hatte ich großes Glück und die Finanzierung war schnell geklärt. Entscheidend war die Einbindung der Bürgschaftsgemeinschaft und die Unterstützung der Handelskammer, die das Gutachten für mein Vorhaben abgegeben hat. Leider wird es immer schwerer, eine finanzierungsbereite Bank zu finden.“ Die Finanzierung war nicht die einzige Hürde, die die Existenzgründerin nehmen musste: Der Wettbewerb unter den Hamburger Herbergen ist schärfer geworden. Seit 2004 sind neue Hotels mit über 1500 Betten hinzugekommen, weitere 2000 Betten sind bereits für dieses Jahr geplant. „Der Preiskrieg macht hauptsächlich den kleinen Hotels zu schaffen“, sagt Füllenbach. „Das spüren wir in diesem Jahr besonders stark. Auf den Erfolgen meiner Vorgänger kann ich mich also nicht ausruhen“. Statt auf Einzelkämpfertum setzte Füllenbach auf Vernetzung: Nach der Renovierung gründete sie gemeinsam mit anderen kleinen, inhabergeführten Hotels die Marketing-Plattform www.hamburg-kleinehotels.de. Noch im Aufbau ist www.einfach-hamburg.de, ein Portal, das Informationen und Buchungen zu individuell geführten Hotels und Veranstaltungen bietet. Zum Selbstverständnis der Jung-Unternehmerin gehört auch, das Potenzial ihres Hauses für kulturelle und soziale Zwecke zu nutzen. So kümmert sich Füllenbach um junge Künstler und unterstützt sie unter anderem durch regelmäßige Ausstellungen in ihrem Hotel. Außerdem schaffte sie mit technischen Vorrichtungen und besonderen Arbeitsabläufen die Voraussetzungen dafür, Menschen mit Behinderungen einzustellen und ihnen somit zum Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu verhelfen.

Fünf ihrer sechs Mitarbeiter sind behindert. „Ein entsprechendes Servicekonzept und spezielle Technik ermöglichen uns einen reibungslosen Betriebsablauf, so dass sich für den Gast keine Einschränkungen ergeben“, sagt Füllenbach. Selbst die Betreuung der Gäste durch eine gehörlose Mitarbeiterin sei kein Problem: „Ich mache sehr gute Erfahrungen mit meinen Mitarbeitern, sie sind motiviert und zuverlässig. “ Eine große Hilfe bei der Einstellung sei auch die Beratung durch die Agentur für Arbeit gewesen, sagt Füllenbach: „Schön wäre es, wenn auch in anderen Unternehmen mehr Möglichkeiten für Behinderte geschaffen würden“.

Britta Heegardt
britta.heegardt@hk24.de
Telefon 36 13 8 317
hamburger wirtschaft, Ausgabe Februar 2006