Handelskammer Hamburg 2006

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Im Gespräch: Sicherheit im Unternehmen

„Es muss klare Spielregeln für alle geben“

Sicherheitsaspekte berühren fast alle Unternehmens-Prozesse und Aufgaben. Trotzdem werden Sicherheitsbelange nicht immer genügend berücksichtigt – auch aus Kostengründen. Über diese bedenkliche Entwicklung sprach die hamburger wirtschaft mit Rolf-Wilhelm Dau, Sicherheitsmanager der Philips GmbH und Vorsitzender des Verbands für Sicherheit in der Wirtschaft Norddeutschland (VSWN).

hamburger wirtschaft: Wo liegen die typischen Gefahrenquellen für die Sicherheit in einem Unternehmen?

Rolf-Wilhelm Dau: Die Sollbruchstelle der Sicherheitskette liegt meist beim schwächsten Glied – dem Menschen. Mitarbeiterkriminalität hat dabei viele Gesichter: Korruption, Vorteilsnahme, Untreue, Unterschlagung, Diebstahl, Betrug, Wirtschafts- und Betriebsspionage, Verrat von Betriebsgeheimnissen, Erpressung oder auch Computer-Missbrauch. Gerade in jüngster Zeit beobachten wir, dass Firmeneigentum immer großzügiger interpretiert wird.

hw: Worin liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen dafür?

Dau: Die liegen eindeutig in den gesellschaftlichen Prozessen der letzten Jahre. Mit der wachsenden Distanz zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber sinkt die Hemmschwelle, den eigenen Vorteil vor die Belange des Unternehmens zu setzen. Und mit dem Abbau bestimmter sozialer Errungenschaften in der Gesellschaft oder den Betrieben steigt auch die „Mitnahme-Mentalität“ einzelner Mitarbeiter.

hw: Was können Unternehmen dagegen tun?

Dau: Das erfolgreichste Instrumentarium sind präventive Maßnahme. Es muss klare Spielregeln für alle geben. Kontinuierliche Kontrolle und Transparenz über die Ahndung von Verstößen führen dazu, dass die Regeln auch ernst genommen werden. Und das Wichtigste: Das Management muss die Standards nicht nur vorgeben, sondern auch vorleben!

hw: Welche Rolle hat ein Sicherheitsverantwortlicher dabei?

Dau: Er muss die sicherheitsrelevanten Schwachstellen im Unternehmen identifizieren. Hier geht es genauso um Einzelpersonen wie um Strukturen und Prozesse. Der Sicherheitsverantwortliche ist dabei wachsames Auge für den gesamten Betrieb, Berater der Unternehmensleitung, Kummerkasten der Mitarbeiter. Das funktioniert nur, wenn er über ein gutes Netzwerk im Unternehmen verfügt und Vertrauen zu allen Hierarchiestufen aufbauen kann. Als bloßer Spion oder Kettenhund des Vorstands wird er erfolglos bleiben.

hw: Wie gefährlich und aktuell ist die Bedrohung von Außen für die Unternehmen?

Dau: Hier hat es ausgelöst durch die Anschläge vom 11. September 2001 einen fundamentalen Paradigmenwandel für unsere Arbeit gegeben. Vorher war die Aufgabenstellung: Schütz das Unternehmen davor, dass etwas unbefugt hinausgeht, also vor Diebstahl etc. Heute lautet die Aufgabenstellung: Schütz das Unternehmen davor, dass etwas unbefugt hineingelangt. Eine Bombendrohung, die einen Produktionsbetrieb lahm legt, kann fatale Folgen haben.

hw: Bislang richteten sich terroristische Anschläge eher gegen öffentliche Infrastrukturen wie den Personennahverkehr.

Dau: Das stimmt so nicht. Es sind auch Unternehmen gefährdet, die mit bestimmten Regionen in wirtschaftlicher Verbindung stehen oder sich am Wiederaufbau von Ländern beteiligen, die unter Kriegsfolgen leiden.

hw: Wie kann ein wirksamer Schutz aussehen?

Dau: Der fängt mit der richtigen Auswahl des Personals an. Eine erhöhte Aufmerksamkeit in Bezug auf Herkunft, Lebensläufe, Gewohnheiten von Mitarbeitern ist heutzutage Pflicht. Auch sollte die Unternehmenssicherheit besonderes Augenmerk auf bestimmte Gewohnheiten von Mitarbeitern haben und auffälliges Verhalten registrieren. Rechtzeitiges Ansprechen dieser Personen oder ihres Umfeldes ist die beste Prävention.

hw: Wie viel Aufmerksamkeit schenken die Unternehmen Sicherheitsaspekten bei ihren Entscheidungen?

Dau: Viel zu wenig, wenn Sie mich fragen – und das ist ein großes Problem, gerade im Mittelstand. Der Sicherheitsverantwortliche hat dabei einen besonders schweren Stand: Seine Vorschläge kosten Geld, schmälern zumindest kurzfristig den Gewinn und wenn der Erfolg steigt, wird dies nur selten den getroffenen Sicherheitsvorkehrungen zugeordnet.

hw: Was also sollen die Unternehmen tun?

Dau: Die Themen, die die Entscheider in den Unternehmen heute zu bewegen haben, sind viel zu komplex, als das sie alle beherrscht werden können. Daher ist guter Rat wichtig, der aber im ersten Schritt nicht teuer sein muss. Ein Verband wie der VSWN zum Beispiel berät seine Mitglieder auf hohem professionellen Niveau, so dass die notwendigen unternehmenseigenen Entscheidungen gut vorbereitet getroffen werden können. Das spart Geld und schafft Sicherheit!

Ulrich Brehmer
ulrich.brehmer@hk24.de
Telefon 36 13 8 508
hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2006