Handelskammer Hamburg 2006

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Netzwerke

Von Frau zu Frau

Ob Existenzgründerin, Führungskraft oder Unternehmerin – Frauen haben nach wie vor nicht die gleichen Chancen wie Männer. Dies belegen zahlreiche Statistiken. Darum nutzen zunehmend mehr Frauen Netzwerke zum Aufbau ihrer Karriere.

Wirtschaft ist in Deutschland heute noch überwiegend Männersache. Zwar ist der Frauenanteil in Unternehmen in den vergangenen Jahren gestiegen, er liegt aber immer noch deutlich unter dem Anteil der Männer.

Bei Einzelfirmen, Personen- und Kapitalgesellschaften sind Frauen in Führungspersonen Mangelware: Von zusammen 47 658 Hamburger Geschäftsführern und Gesellschaftern waren Ende 2005 nur 5981 Frauen, das sind 14,5 Prozent. Von 2168 Vorstandsmitgliedern waren nur 124 weiblich, also gerade mal 5,7 Prozent. Lediglich bei den Einzelfirmen sieht es mit einem Anteil von 24 Prozent etwas besser aus. Umso wichtiger ist es für Frauen, sich nicht nur als Einzelkämpferin in der Wirtschaftswelt zu bewegen.

Es gibt heute zahlreiche Karriere-Netzwerke, Mentoring-Projekte und Coaching-Angebote für weibliche Führungskräfte oder Unternehmerinnen. Eine große Rolle spielen dabei Verbände und Vereine. Dazu zählen beispielsweise der bundesweit tätige Deutsche Juristinnenverbund, der Verband deutscher Unternehmerinnen, der sich inzwischen auch international ausgerichtet hat, die Hamburger Initiative für Existenzgründungen und Innovationen (H.E.I.) sowie unsere Handelskammer mit ihrem Netzwerk „e trifft u“ (Existenzgründerin trifft Unternehmerin), initiiert von der Personal- und Unternehmensberatung kontor5. Ein weiteres Netzwerk für Existenzgründerinnen, gestandene Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen mit inzwischen über 650 Mitgliedern nennt sich „Schöne Aussichten – Verband selbstständiger Frauen“. Die Vereinigung soll unter anderem den Erfahrungsaustausches zwischen jungen und älteren Unternehmerinnen fördern. „Wir sind ein Verband zum Mitmachen und Anfassen. Wer mit Spaß und Engagement mitarbeiten möchte, ist herzlich willkommen“, sagt Vorstandsmitglied Annegret Beiber.

Auch der Landesfrauenrat Hamburg setzt sich dafür ein, Frauen mehr Einfluss zu verschaffen. Die unabhängige und überparteiliche Dachorganisation von rund 50 Frauenverbänden repräsentiert
300 000 Hamburgerinnen, die unter anderem in den Bereichen Gesellschaft, Kirche, Bildung, Politik, Sport, Gewerkschaft, Kultur sowie in Interessens- und Wohlfahrtsverbänden organisiert sind. Damit ist der Landesfrauenrat der größte Lobbyist für Frauen in Hamburg. Wie Netzwerke auch dem persönlichen wirtschaftlichen Erfolg nutzen können, zeigt das Beispiel der selbständigen Kommunikationstrainerin Esther Schweizer. Bei einem Vortrag, den sie auf einer Veranstaltung des Landesfrauenrates hielt, wurde der Bundesverband Sekretariat und Büromanagement auf sie aufmerksam. „Ich wurde eingeladen, den Vortrag auch auf einer großen Veranstaltung des Verbandes zu halten“, berichtet Schweizer. „Das führte zu einer Zusammenarbeit mit dem Accor Business-Club. Darüber wiederum entstand ein Kontakt zur Dorint-Gruppe, mit der ich heute nicht nur als Unternehmerin zusammen arbeite, sondern auch in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit für den BFBM.“

BFBM steht für „Bundesverband der Frau im freien Beruf und Management“ und ist ein Netzwerk mit derzeit rund 450 Mitgliedern, in dem sich selbstständig tätige Frauen und Frauen in Führungspositionen aus unterschiedlichen Berufen und Branchen zusammengeschlossen haben. Mit seiner in Hamburg neu gewählten Regionalgruppe engagiert sich der gemeinnützige Verein bei verschiedenen Projekten.

Britta Heegardt
britta.heegardt@hk24.de
Telefon 36 13 8 317

Infos und Kontakte

Zum 95. internationalen Frauentag am 9. März organisiert der BFBM gemeinsam mit dem Landesfrauenrat, „Schöne Aussichten“ und der Handelskammer ein Netzwerk-Treffen. Weitere Informationen: www.frauen-im-blick.de

Koordinierungsstellen Frau und Beruf Frauen, die wieder ins Berufsleben einsteigen möchten, können sich in einer von drei Koordinierungsstellen zu allen Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beraten und in einen Bewerber-pool aufnehmen lassen. Tel. 63 78 55 44, Mo. bis Fr. 9 - 17 Uhr

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2006