Handelskammer Hamburg 2006

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Existenzgründungen

Guter Ruf bestätigt

Hamburgs Gründungsbilanz kann sich sehen lassen: Die Zahl der Gewerbeanmeldungen bleibt gegen den Bundestrend konstant hoch, die Zahl der Abmeldungen sinkt. Dennoch bleibt viel zu tun. Insbesondere in Schulen und Universitäten muss eine neue Kultur der Selbstständigkeit vermittelt werden.

Auch im vergangenen Jahr hat Hamburg seinen Ruf als Gründungshochburg gefestigt: Die Zahl der Unternehmenszugänge erreichte fast das Niveau des Rekordjahrs 2004. Insgesamt verzeichneten Handels- und Handwerkskammer 22066 Gewerbeanmeldungen. Das sind lediglich 161 Unternehmen oder 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Dagegen sind auf Bundesebene die Gewerbeanmeldungen um 5,2 Prozent zurückgegangen, schätzt die Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung.

Die Zahl der Abmeldungen in Hamburg ist im gleichen Zeitraum um rund 13 Prozent auf 14047 gesunken. Der Saldo aus Zu- und Abgängen ist entsprechend stark um fast 32 Prozent von 5893 auf 8019 angestiegen. Darin bereits einen Trend zu einer höheren Bestandsfestigkeit der Unternehmen zu sehen, erscheint allerdings noch verfrüht. Denn es gibt derzeit kaum Anreize, ein ruhendes Gewerbe abzumelden.

Im Bereich unserer Handelskammer meldeten 12947 Unternehmer ihr Gewerbe ab, dies bedeutet gegenüber den 14714 Betrieben im Vorjahr einen Rückgang um 12 Prozent. Insgesamt verzeichnete unsere Handelskammer damit einen Rekordsaldo von 7269 Betrieben (Vorjahr: 5667). Gleichzeitig verzeichnetn wir 20216 neue Mitglieds-Betriebe. Bemerkenswert ist, dass sich wesentlich mehr Unternehmen in das Handelsregister haben eingetragen lassen als im Vorjahr. Während die Zahl der Kleingewerbetreibenden, die sich lediglich beim Gewerbeamt anmelden müssen, um 4,5 Prozent gesunken ist (bundesweit: minus 6,4 Prozent), sind die Handelsregistereintragungen kräftig gestiegen, nämlich um fast 12 Prozent im Vergleich zu bundesweit lediglich 5,7 Prozent. Der Rückgang bei den Kleingewerbetreibenden steht in Zusammenhang damit, dass weniger Arbeitslose neue Gewerbe gründen als zuvor. Aufgrund der Hartz-IV-Regelungen können seit dem 1. Januar 2005 nur noch die Bezieher von Arbeitslosengeld I Überbrückungsgeld oder einen Existenzgründungszuschuss beantragen. Die Zahl der Hamburger Gründer, die von der Arbeitsagentur finanziell gefördert wurden, ist im letzten Jahr von 8800 auf rund 6600 zurückgegangen. Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus haben jedoch offensichtlich gegen Ende 2005 noch einmal zugenommen, da die Förderung der so genannten Ich-AGs ursprünglich bereits zum 31. Dezember 2005 auslaufen sollte. Später beschloss die Bundesregierung jedoch, den Existenzgründungszuschuss noch bis zum 30. Juni 2006 zu verlängern.

Der erhebliche Zuwachs bei den neuen Unternehmen, die sich in das Handelsregister eintragen lassen, ist als äußerst positiv zu bewerten, spiegelt er doch die Zunahme von Gründungen vergleichsweise großer Unternehmen wider. Der Gründungsmonitor 2005 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bestätigt, dass diese Gründungen vor allem von Menschen vorgenommen werden, die vor ihrem Wechsel in die Selbstständigkeit eine relativ hohe berufliche Stellung innehatten. Tendenziell kann sich diese Entwicklung positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken, während bei kleineren Gründungen von deutlich geringeren Auswirkungen auf die Beschäftigungszahlen auszugehen ist. Wie in den Vorjahren lag der Dienstleistungssektor mit rund 65 Prozent bei den Gründungen auf Platz eins, gefolgt vom Einzelhandel mit knapp 17 Prozent und dem Verkehrsbereich mit rund 8 Prozent. Der Anteil des produzierenden Gewerbes stieg erfreulicherweise von 6 auf über 7 Prozent, die Zahl der neu anmeldeten Betriebe lag mit 1441 um rund 200 höher als 2004.

Zwar haben sich die Rahmenbedingungen für Gründer in Deutschland in den vergangenen Jahren laut einer Studie der Weltbank verbessert, dennoch bleibt viel zu tun. Der Untersuchung zufolge müssen Gründer in Deutschland neun Schritte durchlaufen, in Neuseeland hingegen lediglich zwei. Und während in Kanada zur Firmengründung durchschnittlich nur drei Tage benötigt werden, sind es hier zu Lande immer noch 24.

Die große Koalition hat sich vorgenommen, Existenzgründungen zu erleichtern. So ist laut Koalitionsvertrag neben der Befreiung von Statistikpflichten und der Anhebung der Buchführungsgrenzen von 350000 auf 500000 Euro Umsatz auch die Schaffung von so genannten One-Stop-Anlaufstellen geplant. Als ein solcher „One-Stop-Shop“ soll das neue Existenzgründungszentrum unserer Handelskammer fungieren, das im September eröffnet wird. Dort werden alle Existenzgründungsaktivitäten gebündelt und unter anderem ein weitreichender Service zur An-, Um- und Abmeldung von Gewerben angeboten. Derzeit laufen Gespräche mit den zuständigen Behörden.

Neben einer Verbesserung der Rahmenbedingungen ist es wichtig, im Bildungssystem den Nährboden für ein nachhaltiges Gründerklima zu schaffen. Ein entscheidender Punkt dabei sind hohe berufliche Qualifikationen, die eine wichtige Grundlage für erfolgreiche Unternehmensgründungen bilden. Um eine Kultur der Selbstständigkeit zu schaffen, fordert die IHK-Organisation im Gründerreport 2005 daher, das Thema Selbstständigkeit in die Lehrprogramme aller Bildungsstätten aufzunehmen – von der Grundschule bis hin zur Universität. Unsere Handelskammer ist daher bereits im vergangenen Jahr in Schulen und Universitäten aufgetreten, um mit Vorträgen und Diskussionen verstärkt über die Berufsalternative Selbstständigkeit zu informieren.

Jürgen Mehnert
juergen.mehnert@hk24.de
Telefon 36 13 8 388
hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2006