Handelskammer Hamburg 2006

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Stiftung

Kunstvoller Einsatz

Sie brachte Paul Gauguin und Andy Warhol nach Hamburg: Die Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen ermöglicht der Kunsthalle und dem Museum für Kunst und Gewerbe den Ankauf begehrter Stücke. In diesem Jahr feiert die Stiftung ihr 50-Jähriges Jubiläum.

Heute würde man es „Public Private Partnership“ nennen. 1956 sprach man vermutlich schlicht von Hanseatentum, als der damalige Handelskammer-Präses Alwin Münchmeyer die Stiftung zur Förderung der Hamburger Kunstsammlungen ins Leben rief, gemeinsam mit den Senatoren für Finanzen und Kultur sowie den Direktoren der Kunsthalle und des Museums für Kunst und Gewerbe. Die Stiftung ermöglichte den beiden Museen den Erwerb von mitunter spektakulären Sammlungsstücken. Andy Warhols Klassiker „Campbell’s Soup“ gehört ebenso dazu wie „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich, die berühmte Chaise longue von Le Corbusier und ein einzigartiger Vitrinenschrank, den Paul Gauguin für seinen Pariser Haushalt fertigte. Rund 100 Millionen Euro dürften die bisher angekauften Werke mittlerweile wert sein, mit ihnen ließe sich ohne Schwierigkeiten ein eigenes Museum bestücken.

Früher wie heute hilft die Stiftung, die sich zu ihrem diesjährigen 50-Jährigen Bestehen in „Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen“ umbenannt hat, den Hamburger Museen, den Anschluss an nationale und internationale Sammlungen zu halten.

Ging es 1956 darum, Verluste aus der NS- und Kriegszeit auszugleichen, kämpfen die Museen im Jahr 2006 mit Etat-Kürzungen für Ankäufe. „Die Stiftung ist für die Museen ein verlässlicher Partner, der regelmäßig namhafte Summen zur Verfügung stellt“, sagt Klaus Driessen, Geschäftsführer der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen. Im Jubiläumsjahr sind es rund 750000 Euro, die an die Kunsthalle und das Museum für Kunst und Gewerbe ausgeschüttet werden. 400000 Euro stammen von privaten Spendern, die Kulturbehörde stockt den eingeworbenen Betrag traditionsgemäß noch einmal auf. Gab in den Anfangsjahren die Behörde den überwiegenden Teil der Gelder, sind es heute Privatleute. Darauf ist man stolz, auch darauf, dass das Zusammenwirken von Staat und Spendern über 50 Jahre hinweg aufrecht erhalten wurde.

Alle Kaufentscheidungen trifft das Stiftungskuratorium, jedoch in enger Abstimmung mit den Museumsdirektoren, die verschiedene Werke vorschlagen. Neben Kultursenatorin Karin von Welck gehören dem Kuratorium derzeit zwölf Mitglieder an, die von der Bürgerschaft, der Kulturdeputation und der Handelskammer benannt werden. Eine Koalition aus Bürgern, Wirtschaft und Politik, die reibungslos funktioniert, jedoch nicht immer ohne kontroverse Diskussionen auskommt. Als Hanne Darbovens Frühwerk zum Verkauf stand, konnten sich einige Kuratoriumsmitglieder zunächst nicht damit anfreunden. „Manche fanden keinen Zugang zu dieser außergewöhnlichen Künstlerin“, berichtet Driessen. „Der Vorsitzende sprach mit jedem einzelnen und leistete echte Überzeugungsarbeit.“ Mit Erfolg: Die Werke wurden gekauft. Wie alle Erwerbungen bleiben sie Eigentum der Stiftung und werden den Museen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Getragen wird die Stiftung von einem Förderkreis, dem derzeit über 180 Mitglieder angehören. 1000 Euro beträgt die jährliche Mindestspende, größere Beträge sind die Regel. Zugangsbeschränkungen gibt es keine, als Massenorganisation sieht man sich allerdings nicht. „Unsere Mitglieder legen Wert auf die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, Sammlern und Kunstfreunden. Eine gewisse Exklusivität ergibt sich da fast von allein“, so Driessen. Nach Gegenleistungen fragt hier niemand, Vorabbesichtigungen, Empfänge, Besuche bei privaten Sammlern und Reisen sind jedoch gern genutzte Angebote.

Einige Familien und Unternehmen sind der Stiftung bereits seit Jahrzehnten verbunden. Damit dies so bleibt, arbeitet die Stiftung bereits daran, die nächste Generation von Förderern ins Boot zu holen und neue Zielgruppen anzusprechen. Ende Oktober trat sie deshalb ganz gegen ihre Gewohnheit ins Licht der Öffentlichkeit. Bei einem Empfang im Rathaus und mit einer großen Sonderausstellung: „Kunst für Hamburg – von laut bis leise“. Dabei werden rund 120 ausgewählte Exponate ausgestellt. So im Museum für Kunst und Gewerbe unter anderem das „Trinkspiel“ von Leodegar Grimaldo aus dem Jahre 1626 und in der Kunsthalle bedeutende Werke der Malerei der französischen Moderne, von Henry Rousseaus „Eva“ über Picassos frühes Portrait des Kunsthändlers Clovis Sagot bis hin zu Robert Delaunays berühmtem Fensterbild.

Sabine Lurtz
sabine.lurtz@hk24.de
Telefon 36 13 8 547

Infos und Kontakte

Die Doppel-Ausstellung zum 50-Jährigen Jubiläum „Kunst für Hamburg – Von laut bis leise" läuft noch bis zum 1. Januar 2007 in der Hamburger Kunsthalle und bis zum 14. Januar 2007 im Museum für Kunst und Gewerbe. Die Stiftung im Internet: www.shk-museum.de

hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2006