Handelskammer Hamburg 2006

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KulturMerkur

Gut gefördert

Ob Stoffe für Theaterkostüme oder Profiberatung für junge Fotografen - Hamburger Unternehmer fördern auf vielfältigste Weise Kulturprojekte. Zum achten Mal werden je zwei von ihnen für ihr Engagement mit dem KulturMerkur ausgezeichnet

Der Ring des Nibelungen in 90 Minuten, der Freischütz als Wild-West-Abenteuer, Hänsel und Gretel mit Popsong zum Mitsingen – bei den Operninszenierungen des Jungen Musiktheaters Hamburg kommt garantiert keine Langeweile auf. Kleine Eingriffe genügen, um die klassische Opernliteratur für Kinder zugänglich zu machen: Ein Erzähler sorgt für Klarheit im Libretto, Handlungsstränge werden gestrafft, biedere Charaktere aufgepeppt. Mit Witz, Charme und jugendlichen Stimmen hat sich das Junge Musiktheater Hamburg eine Fangemeinde in ganz Deutschland erobert. Dabei kommt das Theater seit seiner Gründung vor vier Jahren ohne institutionelle Förderung aus – dank des Engagements der Wirtschaft.

An zwei Hamburger Unternehmen, die in besonderer und nachahmenswerter Weise Kultur fördern, vergeben die Handelskammer und die Hamburgische Kulturstiftung seit 1999 jährlich den „KulturMerkur“. Mit diesem Preis sollen Wege und Möglichkeiten der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Kultur und Wirtschaft aufgezeigt werden. In der Kategorie „Kleines Unternehmen“ wird dieses Jahr „Monika Rahardt Pelze“ ausgezeichnet. Inhaberin Monika Rahardt unterstützte von Anfang an das Junge Musiktheater Hamburg mit einem Förderkonzept, das auf die Möglichkeiten ihres kleinen Handwerksbetriebs abgestimmt ist. Für verschiedene Inszenierungen stellt sie Pelze leihweise zur Verfügung, Stoffe gehen als Sachspende in die Kostümschneiderei des Theaters oder werden gleich in der Pelzwerkstatt zugeschnitten und genäht. Von der Kooperation profitieren beide Seiten, denn das Junge Musiktheater revanchiert sich für die Unterstützung. Für eine Modenschau stellte das Theater nicht nur die Probebühne zur Verfügung, sondern die Ensemble-Mitglieder gingen auch selbst als Models auf den Laufsteg – natürlich singend, was die Modenschau zu einem besonderen Erlebnis machte. „Das Junge Musiktheater arbeitet mit hochtalentierten jungen Sängern, die hier den Grundstein ihrer Karriere legen“, sagt Monika Rahardt. „Sie möchte ich auf ihrem Weg unterstützen.“ Kinder und Enkel von Mitarbeitern versorgt Rahardt mit Freikarten, Kunden weist sie in ihrem Newsletter auf die Aufführungen des Jungen Musiktheaters hin. Dieses persönliche Engagement überzeugte die Jury.

In der Kategorie „Großes Unternehmen“ heißt der Preisträger 2006 Gruner+Jahr. Photographieausstellungen gehörten von Anfang an zum Konzept des Verlagshauses, mit der Galerie 11 gibt es seit acht Jahren zusätzlich eine Plattform für experimentelle Photokunst. Neue Impulse brachte die Kooperation mit dem Internationalen Haus der Photographie. Der Nachwuchsförderung gilt das besondere Augenmerk. Junge Fotografen können beispielsweise ihr Portfolio von Experten sichten und sich von diesen beraten lassen. Daneben spielen Projekte zur Leseförderung eine wichtige Rolle. Gruner+Jahr unterstützt unter anderem den Leseclub im Stadtteilzentrum Kölibri auf St. Pauli. Als Förderer der Opera Piccola macht Gruner+Jahr außerdem die Welt der Oper für Kinder zugänglich.

Die KulturMerkur-Jury überzeugte das klare Förderkonzept des Medienunternehmens: „Durch sein breites, aber stets strategisch ausgerichtetes Engagement am Standort Hamburg erweist sich Gruner+Jahr als Corporate Citizen im besten Sinne.“

Auch die Projekte der 20 letztendlich nicht ausgezeichneten Bewerber waren beeindruckend. So ermöglicht etwa die Capitalberatungsgesellschaft HCI Kindern den freien Eintritt in Hamburger Museen, dank Frosta geht die Hamburger Camerata auf Konzertreise, B3K gestaltet Einladungen für den Kunstverein Harburger Bahnhof und in der City Nord schufen die dort ansässigen Unternehmen gemeinsam einen Skulpturenpark.

Sabine Lurtz
sabine.lurtz@hk24.de
Telefon 36 13 8 547

Infos und Kontakte

Zur KulturMerkur-Jury gehörten 2006:

  • Handelskammer-Präses Dr. Karl-Joachim Dreyer
  • Kultursenatorin Karin von Welck
  • Handwerkskammer-Präsident Peter Becker
  • Hubertus Gaßner, Direktor der Hamburger Kunsthalle
  • Lisa Kosok, Direktorin des Museums der Arbeit
  • die Vorjahressieger Michael Behrendt, Vorstandsvorsitzender von Hapag-Lloyd,
    sowie Olav Jünke und Francalma Nieddu, Geschäftsführer des Design-Studios Ondesign

Weitere Informationen unter www.hk24.de, Dokumenten-Nr. 25818

hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2006