Handelskammer Hamburg 2006

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Verein Ausbildungsförderung

Die Brückenbauer

Einstiegsqualifizierungen können noch nicht ausbildungsfähigen Jugendlichen eine Brücke zur ersehnten Lehrstelle bauen. Gemeinsam unterstützen unsere Handelskammer, die Handwerkskammer und der Unternehmensverbände Nord (UV Nord) junge Menschen und Betriebe.

Karim wollte auf der berufsvorbereitenden Schule seinen Realschulabschluss nachholen, doch wegen seiner vielen Fehlzeiten, stehen seine Chancen schlecht. Nun hat sein eigener Lehrer ihm eine Entschuldigung geschrieben. Er hat den 16-Jährigen beurlaubt, damit er sich beim Verein „Ausbildungsförderung der Hamburger Wirtschaft“ vorstellt.

Hierhin gehen viele Jugendliche wie Karim, die aufgrund schlechter Schulnoten, lückenhafter Deutschkenntnisse oder geringer Sozialkompetenzen derzeit schlechte Aussichten auf einen Ausbildungsplatz haben. Um jungen Menschen wie Karim dennoch eine Chance zu geben, haben die Partner des nationalen Ausbildungspaktes im Jahr 2004 die Einstiegsqualifizierungen ins Leben gerufen: In sechs- bis zwölfmonatigen Praktika lernen Jugendliche Teile anerkannter Ausbildungsberufe in einem Betrieb kennen. In der Praxis sollen sie ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen und sich für eine Ausbildung empfehlen.

Seit Ende vergangenen Jahres ist dafür der Verein „Ausbildungsförderung der Hamburger Wirtschaft“ zuständig. Er wird gefördert durch Mittel des Europäischen Sozialfonds.

Im Idealfall werden die Jugendlichen direkt im Anschluss an die Qualifizierung vom Praktikumsbetrieb in ein Ausbildungsverhältnis übernommen. So lief es in 60 Prozent aller Betriebe, die in den Jahren 2004 und 2005 erstmalig Plätze für Einstiegsqualifizierungen zur Verfügung stellten. Die Vorteile: Die Einstiegsqualifizierungen können auf das anschließende Lehrverhältnis anteilig angerechnet werden. Gefördert werden die Praktika durch die Bundesagentur für Arbeit: Sie trägt die Vergütung von 192 Euro monatlich sowie 102 Euro für Sozialabgaben.

Ein scheinbar verlockendes Angebot – trotzdem wurden nur rund zehn Prozent der über 500 Plätze besetzt, die Hamburger Unternehmen im ersten Durchgang zur Verfügung stellten. „Viele Jugendliche konnten mit dem neuen Instrument noch nichts anfangen und hatten Probleme, die richtige Stelle zu finden“, sagt Jesco Tonne von der Ausbildungsförderung. Hier hilft der Verein. Um die 562 Plätze in diesem Jahr passgenauer besetzen zu können, haben die Bildungsbegleiter seit der Gründung bereits mehr als 300 Gespräche mit interessierten Jugendlichen geführt. Aktionen mit der Arbeitsagentur und der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) kamen hinzu.

Doch den letzten Schritt, sich bei den Betrieben mit ihren Bewerbungsunterlagen vorzustellen, kann den Jugendlichen keiner abnehmen. Noch immer seien etwa 300 Stellen frei, berichtet die Bildungsbegleiterin Beate Walter. Die Zeit wird knapp, denn die Einstiegsqualifizierungen müssen spätestens im Frühjahr beginnen, damit sie zum Start des kommenden Ausbildungsjahres am 1. August abgeschlossen sind. Denn dann können die Jugendlichen im Idealfall unmittelbar mit einer regulären Ausbildung beginnen.

Verdrängungseffekte ergäben sich dadurch nicht, sagt Jesco Tonne: „Seit Einführung der Einstiegsqualifizierungen haben wir nicht weniger betriebliche Ausbildungsplätze in Hamburg, sondern mehr.“ Etliche Betriebe, die bislang nicht ausgebildet hatten, weil sie den damit vermeintlich verbundenen Aufwand scheuten, seien inzwischen zu begeisterten Ausbildungsbetrieben geworden. „Nicht wenige Unternehmen nutzen die Praktika als Kennenlernphase, in der sie den schwächeren Schülern etwas genauer auf den Zahn fühlen und sie fit für eine Ausbildung machen können. “ Rund 90 Prozent aller Plätze würden von Haupt- oder schwachen Realschülern genutzt, jeder Dritte stamme aus einer Einwandererfamilie „Gerade diesen Jugendlichen wollen wir helfen, denn sie haben meist nur wenig Unterstützung von ihren Eltern oder Bekannte,“ sagt Bildungsbegleiterin Walter. Dennoch seien viele von Ihnen sehr motiviert und leistungsfähig, insbesondere junge Frauen, „Von denen darf uns keiner verloren gehen.“

Beate Walter wird bis zu 60 junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren bei der Arbeit besuchen, dabei kleinere Hürden aus dem Weg räumen sowie moralische und pädagogische Unterstützung leisten. Vielleicht trifft sie dann auch Karim. Ihn hatte sie mit Adressen von Kfz-Betrieben versorgt.

Infos und Kontakte

Unternehmen, die Plätze für Einstiegsqualifzierungen bereitstellen oder den Betreuungsservice der Handelskammer in Anspruch nehmen wollen, wenden sich an: Ausbildungsförderung der Hamburger Wirtschaft e.V., Schauenburger Straße 49, 20095 Hamburg, Telefon 36 13 8-798

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2006