Handelskammer Hamburg 2006

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Ausbildung

Schlichten statt klagen

Ein klärendes Gespräch kann viele Probleme zwischen Auszubildenden und ihrem Betrieb lösen. Aber auch, wenn Reden nicht mehr hilft, bedeutet das nicht zwangsläufig den Weg zum Arbeitsgericht: Die Ausbildungsberater unserer Handelskammer und der Schlichtungsausschuss können die Probleme oft schneller und günstiger lösen.

Während der Probezeit lief alles nach Plan. Auszubildender und Ausbilder verstanden sich prächtig, der Neue war motiviert und an seinen Aufgaben sehr interessiert. Doch schon im Verlauf des ersten Ausbildungsjahres zeichneten sich Probleme ab: Verspätungen, Fehlzeiten und schlechte Noten. Solche Situationen sind die Ausnahme bei den 8183 Ausbildungsverhältnissen, die im Dezember 2005 bei der Handelskammer eingetragen waren. Doch sie kommen vor und sind Alarmsignale, die das Unternehmen von Anfang an ernst nehmen sollte. Gerade zu Beginn der Ausbildung sind vielen Lehrlingen die Regeln im Betrieb nicht klar. Aussitzen hilft nicht weiter, stattdessen sollten die Vorgesetzten diese Punkte schnellstmöglich in einem Gespräch mit dem Azubi klären.

Oft können Probleme sehr einfach behoben werden: Verspätungen des Auszubildenden wegen Straßenbauarbeiten auf seinem Anfahrtsweg können beispielsweise durch flexiblere Arbeitszeiten vermieden werden. Nimmt es der Auszubildende hingegen mit seinen Pflichten einfach nicht so genau, sollten für die Zukunft Verhaltensregeln verbindlich vereinbart und konsequent überprüft werden – beispielsweise das rechtzeitige Abmelden bei Krankheit.

Die Mitarbeiter der Handelskammer stehen bei Fragen zur Ausbildung sowohl den Unternehmen als auch den Auszubildenden zur Verfügung und können meist kurzfristig helfen. Im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter unserer Abteilung Aus- und Weiterbildungsberatung in ihren Sprechstunden rund 1000 Auszubildende beraten und rund 780 Betrieben, die bereits ausbilden oder dies noch vorhaben, telefonische Auskünfte gegeben. Darüber hinaus hat die Handelskammer etwa 30 Unternehmen vor Ort Lösungen für Probleme in Ausbildungsfragen aufgezeigt.

Greift der Ausbildungsbetrieb nicht durch oder bleibt der Auszubildende trotz Ermahnungen gleichgültig, hilft häufig nur noch eine Abmahnung. Kommt es nach weiterem Fehlverhalten schließlich zur Kündigung, ist das Frustpotenzial meist schon sehr groß. Die Mehrheit der Fälle vor dem Schlichtungsausschuss haben einen solchen Hintergrund. Das Arbeitsgerichtsgesetz schreibt vor, dass der Ausschuss angerufen werden muss, bevor Klage vor dem Arbeitsgericht erhoben werden kann. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Beziehung zwischen den Parteien. Denn wenn diese einmal vor Gericht gezogen sind, werden sie nur noch schwer miteinander auskommen, wenn der Ausbildungsbetrieb unterliegt und der Auszubildende zurückkehren kann.

Unser Schlichtungsausschuss kann die Probleme dagegen bereits im Vorfeld schnell und unbürokratisch lösen. Er setzt sich aus je einem Arbeitgeber- und einem Arbeitnehmervertreter sowie einem beratenden Juristen der Handelskammer zusammen. Verfahrenskosten entstehen nicht, sie sind durch die Betreuungsgebühren abgedeckt, die die Unternehmen für die Eintragung der Ausbildungsverhältnisse zahlen.

Im vergangenen Jahr wurden 81 Schlichtungsanträge gestellt, mehr als 90 Prozent davon von gekündigten Auszubildenden. Elf Anträge hatten sich bereits vor der Sitzung erledigt. Die Hälfte der 70 verhandelten Fälle endeten mit einem Vergleich, der Streit war damit erledigt. In den meisten Fällen konnte der Auszubildende in den Betrieb zurückkehren. Das wäre ohne das große Engagement und die Erfahrung der rund 25 ehrenamtlich tätigen Schlichter nicht möglich gewesen. Lediglich in 29 Fällen konnten sich die Parteien nicht einigen, so dass der Schlichtungsausschuss einen Spruch fällen musste. In sechs Fällen kam es zu keiner Einigung im Ausschuss oder der Antrag wurde zurückgezogen.

Auch der Schlichtungsausschuss muss sich bei seinen Entscheidungen an das Arbeitsrecht halten. Deshalb wird der Spruch, auch nur noch selten vor Gericht angefochten. Dies, obwohl er nur einen unverbindlichen Vorschlag darstellt, solange er nicht von beiden Seiten angenommen wird. Denn meistens kommt es dann auch in einem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht zu einem Vergleich. Wenn nicht, lässt der eigentliche Gerichtstermin häufig mehrere Monate auf sich warten – Zeit, in der beide Seiten nicht wissen, ob das Ausbildungsverhältnis fortbe-steht oder nicht. Und das kostet nicht nur Zeit und Geld, sondern auch Nerven.

Petra Sandvoß
petra.sandvoss@hk24.de
Telefon 36 13 8 343

Infos und Kontakte

Weitere Informationen zum Schlichtungsausschuss: www.hk24.de/schlichtung

Unsere Ausbildungsberater erreichen Sie unter: ausbildungsberatung@hk24.de

Den „Rechtsratgeber Berufsbildung – Handbuch für die Praxis“ erhalten Sie in unserem Online-Shop unter www.hk24.de oder in unserem Service-Center für 17,60 Euro.

hamburger wirtschaft, Ausgabe April 2006