Handelskammer Hamburg 2006

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Serie: Reaktivierte Ausbildungsbetriebe

Ausbilden statt einkaufen

Nach teuren Erfahrungen mit externen Fachkräften setzt das Hamburger Planungsbüro Masur & Partner wieder erfolgreich auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen

Sarah Berger ist hoch konzentriert: An ihrem Bildschirm überarbeitet sie mit Hilfe eines Konstruktionsprogramms Pläne für den Neubau eines Krankenhaustrakts. Die angehende Bauzeichnerin mit Schwerpunkt Architektur arbeitet dabei schon weitestgehend selbstständig. „Seit der Einführung der Konstruktions-Software haben sich die Anforderungen an unsere Auszubildenden sehr verändert“, sagt ihre Ausbildungsleiterin, Larissa Maier. Konnte man früher noch jeden Bleistiftstrich seines Schützlings am Zeichentisch überwachen, wird seit der Einführung des „elektronischen Zeichenbretts“ nur noch über komplett fertig gestellte und ausgedruckte Abschnitte diskutiert, erklärt Larissa Maier: „Frau Berger konstruiert also schon richtig mit.“

Seit Mitte Februar gehört Sarah Berger fest zum 13-köpfigen Team der Planungsgesellschaft Masur & Partner. Das Unternehmen ist überwiegend im Krankenhaus- und Hotelbau tätig, zählt aber auch eine große Hamburger Bank zu seinen Kunden, denen es von der Planung bis zur Bauüberwachung sämtliche Serviceleistungen aus einer Hand anbietet.

Die Gesellschaft war schon kurz nach ihrer Gründung in die Ausbildung eingestiegen. „Unsere heutige Ausbildungsleiterin, Larissa Maier, hat 1998 bei uns ihren Abschluss als Bauzeichnerin gemacht“, sagt Geschäftsführer Hani Kokali. Obwohl damals schon das Konstruieren mit CAD-Programmen gang und gäbe war, musste Maier einen Großteil ihrer Lehre noch mit Bleistift und Lineal bestreiten. „Die Ausbildungsordnung für Bauzeichner und die entsprechende Ausstattung der Berufsschulen hing damals leider noch ziemlich hinter der Realität zurück“, erinnert sich Kokali. Die Konsequenz: Als Larissa Maier ihre Lehre erfolgreich abgeschlossen hatte, zog sich das Unternehmen aus der Ausbildung zurück.

Die acht Folgejahre waren für Masur & Partner äußerst erfolgreich. „Wir haben viele gut bezahlte Ingenieure angestellt, die den technischen Anforderungen an unsere computergestützte Arbeitsweise und der damit einhergehenden Verantwortung gewachsen waren“, berichtet der Geschäftsführer. Auf lange Sicht zahlte sich die externe Personalrekrutierung aber nicht aus: „Wir haben viel Zeit darauf verwenden müssen, externe Neuzugänge in unsere Prozesse und unsere Denk- und Arbeitsweise einzuführen“, sagt Kokali. Hohe Anfangsinvestitionen, die sich nicht immer bezahlt machten: Einige der mit viel Aufwand eingearbeiteten Ingenieure zogen nach relativ kurzer Zeit weiter.

Dann bewarb sich Sarah Berger bei Masur & Partner. „Sie hatte bereits bei einem anderen Planungsbüro eine Lehrstelle in Aussicht, aber dort hätte man sich aufgrund eines kurzfristigen Großprojektes nicht ausreichend um sie kümmern können“, sagt Larissa Maier. Aufgrund der guten Erfahrung mit der Lehre der heutigen Ausbildungsleiterin entschied man sich kurzfristig, wieder selbst auszubilden. „Im Unterschied zu externen Fachkräften kann man seine Auszubildenden von Anfang an im Sinne der eigenen Firmenphilosophie unterrichten“, sagt Hani Kokali. Das sei insbesondere wichtig, wenn man, wie bei Masur & Partner der Fall, seine Auszubildenden nach der Prüfung übernehmen wolle. Kokali: „Auf lange Sicht rechnet sich das natürlich.“

Neben dem Fachkräftebedarf sieht der Architekt in der Ausbildung von Jugendlichen auch eine soziale Verpflichtung: „Wir verdanken unseren Geschäftserfolg dem Vertrauen und der Treue unserer Kunden. Davon möchten wir der Gesellschaft im Wege der Ausbildung gern wieder etwas zurückgeben.“ Aus diesem Grund bietet Masur & Partner auch jedes Jahr drei bis vier Schülern die Möglichkeit, ihr dreiwöchiges Betriebspraktikum bei der Planungsgesellschaft zu absolvieren. Und auch Studenten erhalten die Chance, ihr theoretisches Wissen im Praktikum anzuwenden. Mit der aktualisierten Ausbildungsordnung und dem technischen Stand der Berufsschule ist man bei Masur & Partner mittlerweile sehr zufrieden. „Dennoch sollte noch mehr Gewicht auf das Bau- und das Baunebenrecht sowie auf die einschlägigen DIN-Vorschriften gelegt werden“, findet der Geschäftsführer. Anderen Ausbildungsbetrieben und solchen, die es noch werden wollen, rät Kokali, vor der Einstellung eines Lehrlings ein Konzept zu erarbeiten: „Die moralische Verpflichtung allein reicht nicht. Man muss sich im Klaren darüber sein, welchen Beitrag jeder einzelne Mitarbeiter zur Ausbildung leisten kann und welche Arbeitsschritte und Aufgaben sinnvoll übertragen werden können.“ Bei Sarah Berger scheint das Konzept bereits zu fruchten, denn sie gehört schon fest zum Team.

Thorsten Koletschka
thorsten.koletschka@hk24.de
Telefon 36 13 8 789
hamburger wirtschaft, Ausgabe August 2006