Handelskammer Hamburg 2006

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Serie: Reaktivierte Ausbildungsbetriebe

Auf Zukunft eingerichtet

In Zeiten immer schnellerer Produktionsabläufe und erhöhter Fluktuation im Personalbereich setzt der Hamburger Büroeinrichter Kirsch und Lütjohann bewusst auf langfristige Personalplanung – und bildet nach fünfjähriger Pause erstmalig wieder aus.

Kirsch und Lütjohann Büroeinrichtungen, Sie sprechen mit Sarah Ostheimer. Wie kann ich Ihnen helfen?“ In freundlichem Tonfall nimmt die junge Frau die Kundenanfrage entgegen. „Ja gern, da verbinde ich Sie direkt mit unserem Architekturbüro“, sagt Sarah Ostheimer und leitet den Anruf weiter, so, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätte. Das professionelle Auftreten lässt nicht vermuten, dass die 21-Jährige erst seit gut zwei Monaten im Betrieb beschäftigt ist. Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. August hat sie ihre Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau, Fachrichtung Großhandel, bei Kirsch & Lütjohann im Stilwerk aufgenommen.

Fünf Jahre lang blieb dort der Schreibtisch für Auszubildende leer, nachdem Sarahs Vorgänger seine Lehre im Jahr 2001 erfolgreich beendet hatte und übernommen worden war. „In der Zwischenzeit haben wir vielen Praktikanten die Möglichkeit gegeben, bei uns einen Einblick in die betriebliche Praxis zu gewinnen und erste Erfahrungen im Berufsleben zu sammeln“, sagt der kaufmännische Leiter von Kirsch & Lütjohann, Henning Köppchen: „Dies geschah vor allem in den Bereichen, in denen wir nicht ausbilden, zum Beispiel unser Architekturbüro.“ Darum habe sich aus den Praktika bislang auch noch kein Ausbildungsverhältnis ergeben. „Im Großhandel sind wir ein klassischer Ausbildungsbetrieb“, erklärt Köppchen. „Da wir hierbei allerdings sehr vertriebsorientiert arbeiten, können wir Ausbildungen mitunter nur turnusgemäß anbieten.“ Angesichts der eigenen Expansion habe man sich bei Kirsch & Lütjohann aber nun wieder für die Ausbildung von eigenem Nachwuchs entschieden. „Das ist die beste Art der Mitarbeiterbindung und schafft in unserer schnelllebigen Zeit ein gutes Gegengewicht zum steten Wandel.“

Der 37-Jährige hat daher gern wieder die Herausforderung des Ausbilders übernommen, begreift das Schaffen von Lehrstellen aber zugleich als Chance für sein Unternehmen: „Junge Menschen sind grundsätzlich eine Bereichung für jedes Unternehmen und bringen oft gute Impulse, um eingefahrene Abläufe zu verbessern." Am Beginn einer Ausbildung sollten jedoch nicht ausschließlich die wirtschaftlichen Erwägungen eines Betriebs im Vordergrund stehen, meint Köppchen: „Positive Auswirkungen auf die Ertragslage stellen sich natürlich erst nach einer gewissen Einarbeitungsphase ein. Aber genau deswegen zielen wir ja auf eine langfristige Personalplanung ab.“

Um sich möglichst schnell und umfangreich in den Betriebsablauf und die verschiedenen Teilbereiche des Unternehmens einarbeiten zu können und ein Gefühl für den Umgang mit Kunden und Lieferanten zu gewinnen, ist Sarah Ostheimers erste Ausbildungsstation daher zunächst das Zentralbüro. Hier laufen sämtliche Kontakte zusammen. „Danach geht es für Frau Ostheimer dann Schritt für Schritt weiter zu den Kernprozessen unserer Arbeit, wie zum Beispiel Fachberatung, Angebotserstellung und Auftragsabwicklung“, erläutert Köppchen.

Aufmerksam auf Sarah Ostheimer wurde er in der Online-Lehrstellenbörse unserer Handelskammer. Den entscheidenden Tipp habe ein Ausbildungsberater der Handelskammer gegeben, sagt Köppchen: „Die Suche über das Online-Portal war sehr unbürokratisch und effizient.“ Aus 40 Bewerbungen hätten sich vier Gespräche ergeben, aus denen Sarah Ostheimer als Wunschkandidatin hervorgegangen sei. „Wir hatten sehr genaue Vorstellung vom Profil unseres zukünftigen Azubis“, sagt Köppchen, „uns war wichtig, dass er schon ein gewisses Maß an Lebenserfahrung mitbringt. Ohne die geht es einfach nicht bei dem hohen Niveau, auf dem unsere Lehrlinge im späteren Abschnitt der Ausbildung die Fachberatungen begleiten.“

Aus Köppchens Sicht dürfen Politik, Arbeitgeberverbände und Industrie- und Handelskammern nicht müde werden, weiterhin Betriebe zur Ausbildung von Jugendlichen zu ermuntern. „Den Unternehmen muss klar gemacht werden, dass es hierbei um vorausschauende Personalplanung im eigenen Sinne geht.“ Wenn jeder seinen Teil dazu beitragen würde, würde er auch seinem Anteil an der Gesamtverantwortung für den Fortbestand des Standortes gerecht.

Kirsch & Lütjohann sichert seine nähere Zukunft dank der neu aufgenommenen Ausbildung auf jeden Fall erst einmal ab. „Wir bauen dabei fest auf und mit Frau Ostheimer“, sagt Köppchen.

Thorsten Koletschka
thorsten.koletschka@hk24.de
Telefon 36 13 8 789
hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2006