Handelskammer Hamburg 2006

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Schulen

Mathe, Deutsch, Sozialkompetenz

Schulen in freier Trägerschaft leisten einen wichtigen Beitrag dazu, Qualität und Leistungsfähigkeit im Schulsystem voranzutreiben. Den mit Abstand größten Verbund in Hamburg bilden dabei die katholischen Schulen. Auf ihren Stundenplänen stehen neben Fremdsprachen und Naturwissenschaften auch Sozialkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung.

Rund 9000 Schüler vom Vorschulalter bis zum Abiturienten besuchen derzeit eine der 21 katholischen Schulen in Hamburg. Sie sind die einzigen schulgeldfreien Privatschulen in der Hansestadt und stehen allen Schülern offen, deren Eltern eine christlich geprägte schulische Erziehung ihrer Kinder wünschen. Die katholischen Schulen tragen nicht nur zur Integration junger Menschen aus Einwandererfamilien aus katholisch geprägten Ländern wie Polen bei. Sie sind auch ein wichtiger Standortfaktor für Hamburg bei der Bindung von Unternehmern und Fachkräften aus katholischen Ländern oder Regionen, wie etwa aus Süddeutschland. Drei Viertel der Schüler sind katholisch, aber auch Eltern und Schüler anderer christlicher Konfessionen schätzen, dass hier versucht wird, junge Menschen nicht nur als Lernende wahrzunehmen, sondern sie in ihrer gesamten Persönlichkeit und ihrem sozialen Umfeld zu erfassen.

In einem Klima der Geborgenheit und Solidarität sollen Schüler zudem ihren Blick für die Bedürfnisse und die Not anderer Menschen weiten. Und sie lernen, ihre soziale Kompetenz zu verbessern, beispielsweise durch obligatorische Sozialpraktika. Nadine Beecken etwa kümmerte sich als Schülerin der katholischen Sophie-Barat-Schule in einem solchen Praktikum um geistig behinderte Menschen: „Das war zwar ziemlich anstrengend, aber auch eine lehrreiche Erfahrung, die mich persönlich weiterentwickelt hat und mir einen Blick über den Tellerrand hinaus ermöglichte“, erzählt die Abiturientin. Solche Erfahrungen sind heutzutage auch im Arbeitsleben wichtig, insbesondere im Dienstleistungssektor: Nadine Beecken ist inzwischen Auszubildende bei der RSA Reisen & Service Agentur. „An der Sophie-Barat-Schule genießen Pünktlichkeit, Eigenständigkeit, Zuverlässigkeit und Aufgeschlossenheit einen hohen Rang“, ergänzt Nadines ehemalige Mitschülerin Carolin Pehmüller, „das sind Werte, die mir nun im Berufsleben sehr weiterhelfen.“

Ein Indiz für die Attraktivität und Qualität katholischer Schulen ist der bundesweit steigende Zulauf an Schülern. In Hamburg müssen regelmäßig Anmeldungen abgelehnt werden, weil die Nachfrage das Angebot an Plätzen übersteigt. Dies belegt, dass katholische Schulen im Wettbewerb mit den staatlichen und anderen freien Schulen gut aufgestellt sind. Dabei sind Schulen in freier Trägerschaft gegenüber den staatlichen finanziell benachteiligt. In diesem Jahr erhalten Privatschulen gemäß dem Hamburgischen „Gesetz über Schulen in freier Trägerschaft“ pro Schüler lediglich staatliche Fördermittel in Höhe von maximal 72,5 Prozent der „staatlichen Schülerjahreskosten“ – das sind jene Kosten, die im Vorjahr durchschnittlich für Schüler an allgemeinbildenden staatlichen Schulen angefallen sind. Bis zum Jahr 2011 werden die Fördermittel immerhin auf 85 Prozent der Schülerjahreskosten erhöht; auch die Handelskammer hatte sich für diese Aufstockung stark gemacht hat.

Um das Angebot der katholischen Schulen finanziell langfristig abzusichern, wurde am 19. August 2002 die Stiftung katholische Schulen in Hamburg gegründet. Dies geschah aus der Erkenntnis heraus, dass die Schlüsselaufgabe Bildung mehr erfordert als nur eine Grundausstattung. „Katholische Schulen stehen im Spannungsverhältnis zwischen dem ideell Gewollten und dem wirtschaftlich Notwendigen“, sagt Georg Thun-Hohenstein, Vorsitzender des Stiftungsrates und Seniorpartner der Hamburger Treuhand Gesellschaft Schomerus & Partner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das Erzbistum und die Stadt sollen aber nicht aus ihren Verpflichtungen entlassen werden.

Die Stiftung hat vier Förderschwerpunkte: die besondere Befähigung der Lehrkräfte, die soziale Ausrichtung der Schulen, die Festigung von Werten und Glaube sowie die materielle Ausstattung der Schulen. Zum letztgenannten gehören beispielsweise Investitionen im Bereich der neuen Medien oder in naturwissenschaftliche Sammlungen, aber auch die Beschaffung von Erstausstattungen für besondere Schulprofile. Ebenfalls aus Stiftungsmitteln stammen die Preisgelder für einen jährlichen Wettbewerb zwischen den verschiedenen katholischen Schulen. Prämiert wurden bisher die unterschiedlichsten Projekte wie „Konfliktbewältigung an Grundschulen“, „Wer liest, steckt alle in die Tasche“ oder die schulische Arbeitsgemeinschaft „Debating Society“.

Das Selbstverständnis der katholischen Schulen basiert auf einem besonderen Leistungsanspruch, einem gemeinsamen Verantwortungsbewusstsein der Lehrerschaft und einer hohen Erwartungshaltung und Unterstützungsbereitschaft durch die Eltern, das auch Hamburger Unternehmen fördern können, wie Georg Thun-Hohenstein betont: „Die vielen Befürworter eines starken Privatschulwesens sind herzlich eingeladen, unsere Stiftung zu unterstützen und damit einen Beitrag zur Zukunftssicherung der freien Schulen zu leisten."

Torsten König
torsten.koenig@hk24.de
Telefon 36 13 8 214

Infos und Kontakte

Nähere Informationen unter: www.kshh.de

Ansprechpartner für finanzielle Zuwendungen an die Stiftung katholische Schulen in Hamburg ist Georg Thun-Hohenstein, Telefon: 376 01 21 82.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2006