Handelskammer Hamburg 2006

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Berufsschulreform

Alle an einem Tisch

Die Berufsschulreform nimmt Gestalt an. In den vergangenen Wochen trafen sich erstmals die „Lernortkooperationen“: In diesen Gremien entwickeln Lehrer, Ausbilder und Berufsverbände gemeinsam Ideen und Projekte, um die Qualität der Berufsschulen zu verbessern. Das Interesse an der Mitarbeit ist groß.

Viele ausbildende Betriebe haben in den letzten Wochen Post von ihrer Berufsschule bekommen. Darin enthalten: die Einladung zu einer Sitzung der „Lernortkooperation“. Lernortkooperationen sind eines der neuen Gremien an den seit dem 1. August dieses Jahres bestehenden „selbstverantworteten beruflichen Schulen“. Im Schulgesetz wurde verankert, dass Wirtschaft und Schule enger zusammenarbeiten sollen, um eine gute Ausbildung zu gewährleisten. Beide Partner der dualen Ausbildung arbeiten deshalb künftig zusammen, vereinbaren gemeinsame Projekte und entwickeln Ausbildungsinhalte weiter. Mitglieder dieser Lernortkooperationen sind die ausbildenden Betriebe, sowie Lehrer und die zuständigen Innungen beziehungsweise Berufsverbände.

„Die Betriebe werden künftig zweimal im Jahr zu einer Sitzung der Lernortkooperation eingeladen werden. Sie sollten dieses neue Gremium für ihre Interessen als ausbildender Betrieb und ihre Anliegen an die Berufsschule nutzen“, sagt Uve Samuels, Leiter des Handelskammer-Geschäftsbereichs Berufsbildung. Ein weiteres zentrales Gremium an den beruflichen Schulen ist der Schulvorstand. Hier agieren je Schule vier gewählte Wirtschaftsvertreter aus ausbildenden Betrieben zusammen mit drei Lehrern und dem Schulleiter, um grundsätzliche und strategische Entscheidungen zum Berufsschulalltag zu treffen. Dazu gehören beispielsweise die Abstimmung über die Ziel- und Leistungsvereinbarungen oder den Wirtschaftsplan – auch hier mit dem Ziel einer Qualitätsverbesserung der Ausbildung auf beiden Seiten. „Eine echte Herausforderung und eine anspruchsvolle Aufgabe“, meint André Bagehorn, verantwortlich für die Ausbildung beim Frachtcontor Junge. Er hat bereits seit einem Jahr Erfahrung mit der Schulvorstandstätigkeit, denn die Berufsschule für die Schifffahrtskaufleute ist eine von vier Erprobungsschulen, die bereits seit August 2005 die Zusammenarbeit im Schulvorstand testen. „Schule und Ausbildungsbetrieb müssen aufeinander zugehen und ihre Interessen und Möglichkeiten miteinander abklären. Dies ist ein zum Teil mühsamer Prozess, doch es lohnt sich, daran weiterzuarbeiten“, resümiert Bagehorn seine Erfahrungen der vergangenen zwölf Monate. Auch Uta Keuchen, Ausbildungsleiterin bei der Iwan Budnikowsky GmbH & Co. KG, hat sich für die Tätigkeit im Schulvorstand gemeldet. „Ich habe die Verantwortung für die Ausbildung in unserem Betrieb“, sagt sie, „und so ist es für mich nur logisch und konsequent, diese Verantwortung auch ein Stück weit auf die Schule zu übertragen“. Das Interesse der Betriebe, die Schulen aktiv bei der Qualitätsentwicklung zu begleiten, ist groß. Auf allen Lernortkooperationen, die sich in den vergangenen Wochen an den Schulen trafen, wurden Vertreter aus den ausbildenden Betrieben für eine Tätigkeit gewählt. An vielen Schulen meldeten sich mehr Wirtschaftsvertreter, als deren Schulvorstand aufnehmen konnte – ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie groß der Wunsch zur Mitarbeit auf Seiten der Wirtschaft ist. Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Reform der Beruflichen Schulen notwendig gewesen ist.

„Wir haben jahrelang für mehr Rechte der Wirtschaft an den Beruflichen Schulen gekämpft. Mit den im Schulgesetz verankerten neuen Gremien sind wir einen großen Schritt weitergekommen“, sagt Uve Samuels. „Natürlich werden wir die Schulen auf dem Weg der kontinuierlichen Qualitätsentwicklung weiterhin begleiten und unterstützen. Wenn sich der Prozess so positiv weiterentwickelt wie bisher, können wir sehr zufrieden sein.“

Angela Hellberg
angela.hellberg@hk24.de
Telefon 36 13 8 587
hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2006