Handelskammer Hamburg 2006

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Going Public

Finanzierungsalternative Börsengang

Für Sicherung und Ausbau des unternehmerischen Erfolges sind Investitionen beispielsweise in Produktentwicklung oder die Erschließung neuer Märkte unverzichtbar. Die Finanzmittel für derartige Investitionen werden gerade von mittelständischen Unternehmen nach wie vor meist über den klassischen Bankkredit beschafft. Doch dieser Weg ist in den letzten Jahren zunehmend schwieriger geworden und erlegt den Unternehmen oftmals Restriktionen auf. Eine Alternative zum Bankkredit ist der Gang an die Börse (IPO, Initial Public Offering).

Nachdem in den Jahren 2002 bis 2004 Börsengänge nur sehr zurückhaltend durchgeführt wurden, ist verbunden mit der allgemeinen Erholung der Börsen wieder Bewegung in das IPO-Geschehen gekommen: Im vergangenen Jahr gingen in Deutschland 42 Unternehmen an die Börse, darunter auch Hamburger Unternehmen wie HCI, Lloyd Fonds, das Finanzhaus Rothmann oder der Anbieter von Online-Glücksspielen Tipp 24. Im laufenden Jahr wagten bislang sogar über 100 Unternehmen den Schritt aufs Börsenparkett.

Neben der Wachstumsfinanzierung und der Stärkung des Eigenkapitals gibt es zahlreiche weitere Gründe für einen Börsengang: So bietet das „Going Public“ beispielsweise die Möglichkeit zur Sicherung des Unternehmensfortbestandes, wenn Inhaber keinen passenden Nachfolger finden. Zudem bietet ein Börsengang die Möglichkeit, Mitarbeiter durch Belegschaftsaktien am unternehmerischen Erfolg zu beteiligen. So identifizieren sie sich meist stärker mit dem Unternehmen. Auch eine Steigerung des Bekanntheitsgrades sowie des Firmenimages sind wichtige Faktoren, die viele Unternehmen mit einem Börsengang verknüpfen.

Ungeachtet aller Chancen bringt die Öffnung des Unternehmens grundlegende Veränderungen in der Unternehmensführung mit sich. Die Aktionäre erwarten ein Mitspracherecht bei unternehmerischen Entscheidungen und eine Beteiligung am Gewinn. Zudem unterliegen Aktiengesellschaften zum Schutz der Investoren besonders strengen Anforderungen hinsichtlich Transparenz und Berichterstattung; dies gilt insbesondere beim Gang an die Börse, aber teilweise auch bei der späteren Börsennotierung. Die strengsten Auflagen gelten dabei für eine Zulassung im Amtlichen Markt sowie – mit Abschwächungen – im Geregelten Markt.

Mit einer Notierung in diesen Segmenten sind zum Teil Kosten in Millionenhöhe verbunden. Daher wählen viele kleinere und mittlere Unternehmen die deutlich günstigere Möglichkeit eines Listings im privatrechtlich organisierten Freiverkehr. Auch hier wird ein ordnungsgemäßer Börsenhandel gefordert, doch es bestehen nur geringere Zulassungskriterien und Berichtspflichten. Nachteil ist, dass vielen Investoren die Transparenzanforderungen nicht ausreichen und sie sich daher nicht an Unternehmen im Freiverkehr beteiligen.

Hier setzt das jüngste Angebot der BÖAG Börsen AG an, die die Wertpapierbörsen in Hamburg und Hannover betreibt. Ihr „Capital Premium Port“ ist ein neues Segment des Freiverkehrs und soll insbesondere mittelständischen Unternehmen eine geeignete Plattform zur Eigenkapitalbeschaffung anbieten. Besonders die Transparenz steht dabei im Vordergrund: Emittenten müssen einen nach den relevanten gesetzlichen Bestimmungen genehmigten Wertpapierprospekt vorweisen und nach der Notierungsaufnahme umfassend und zeitnah über ihre Geschäftsentwicklung informieren.

„Durch die gegenüber den gesetzlichen Anforderungen erhöhten Transparenzvorschriften wollen wir Anlegern die für eine Beurteilung der jeweiligen Emittenten erforderlichen Informationen zur Verfügung stellen und die Unternehmen damit stärker in den Anlegerfokus rücken“, erläutert Thomas Ledermann, Vorstandsmitglied der Börsen AG. Für die Liquidität im Handel sorgen designierte „Market Maker“, die während der Börsenzeit laufend verbindliche Ankaufs- und Verkaufskurse stellen. Damit sind maßgebliche Voraussetzungen für die Akzeptanz durch Investoren erfüllt. Die IC Immobilien Holding AG hat das neue Angebot der Börsen AG als erstes Unternehmen genutzt und ihre Aktien erfolgreich platziert.

Jörn Le Cerf
joern.lecerf@hk24.de
Telefon 36 13 8 360

Infos und Kontakte

Going Public – der Weg an die Börse

Die grundlegenden Aspekte eines Börsenganges stehen im Mittelpunkt des Seminars „Going Public“ am Donnerstag, 12. Oktober, von 11 bis 14 Uhr in der Handelskammer Hamburg. Weitere Informationen gibt es unter Tel. 36 13 8 643 oder unter www.hk24.de.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2006