Handelskammer Hamburg 2006

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Innovation & Umwelt

Wären Sie bereit, sich finanziell für mehr Qualität an Hamburgs Hochschulen zu engagieren?

Ab dem Sommer 2007 erheben Hamburgs staatliche Hochschulen eine Studiengebühr von 500 Euro pro Semester. Erfahrungen aus Ländern wie den USA zeigen, dass Gebühren keine soziale Hürde darstellen müssen – vor allem dank eines großen Angebots an Stipendien für junge Talente. Auch die exzellenten Studienbedingungen an amerikanischen Spitzenuniversitäten werden im Wesentlichen durch freiwillige Spenden und Stiftungen ermöglicht.

„Aus dem Bauch heraus müsste ich sagen: da liegen unsere Schwerpunkte anders. Die Ausbildung geht bei uns stärker in Richtung Systemgastronomie. In der Zentrale sind wir 20 Leute, davon sind die Hälfte Akademiker. Um uns aber finanziell für eine Hochschule zu engagieren, müssten wir in der Zentrale deutlich größer werden. Ein weiterer Aspekt ist auch die Tatsache, dass wir eine sehr heterogene Qualifikationslandschaft haben. Wir haben daher auch viel mit Führungsarbeit zu tun. Deshalb haben wir seit 2005 die ‚Joey’s Akademie’ in Hamburg eingerichtet. Dafür kaufen wir Referenten ein, die unsere Franchisenehmer schulen.“
Christian Niemax (50), Geschäftsführer von Joey’s Pizza Service

„Studiengebühren zu erheben – auch durch Darlehen finanzierte – halte ich für richtig, wenn dadurch die Qualität der Lehre verbessert wird. Sicherlich wird dadurch der Leistungswille der Studenten erhöht. Die Körber-Gruppe fördert – oft gemeinsam mit ihrer Inhaberin, der Körber-Stiftung, seit vielen Jahren Hochschulen in vielfältiger Weise. Zudem vergibt sie Stipendien, zum Beispiel für Studenten an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften, am Northern Institute of Technology und an der Nordakademie in Elmshorn.“
Werner Redeker (58), Vorstandsvorsitzender Körber AG

„Wir fördern bereits talentierte Studenten der Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Rahmen unseres Programms ‚Technics Students’. Studierende der Fachbereiche Flugzeugbau und Elektrotechnik erhalten die Möglichkeit, ihre Kenntnisse in verschiedenen Bereichen der Lufthansa Technik in Hamburg anzuwenden. Neben der Organisation interessanter Einsätze bieten wir den ‚Technics Students’ eine finanzielle Förderung, die sich maximal über fünfeinhalb Jahre erstreckt. Zusätzlich werden die Semesterbeiträge übernommen. Derzeit finden Überlegungen statt, zukünftig auch einen Teil der Studiengebühren zu übernehmen.“
Elke Niemann (46), Referentin im Bereich Zentrale Ausbildungskoordination der Lufthansa Technik AG

„Wir sind auf eine gute Zusammenarbeit mit den lokalen Hochschulen angewiesen. Sie sichert uns gut ausgebildete und engagierte Mitarbeiter und einen indirekten Einfluss auf den Inhalt der Studiengänge durch Gespräche und Kooperationen. Sicher sind wir bereit, uns auch finanziell im Bereich des Hochschulwesens zu engagieren, wenn die in Deutschland sehr hohe Steuer- und Abgabenlast für Unternehmen so abgebaut würde, dass ein gewisser Spielraum hier wieder vorhanden wäre, denn so funktioniert das Zusammenspiel in den USA.“
Ansgar Kaupp (45), Geschäftsführer EyeC

„Für mehr Qualität und Praxisorientierung an unseren Hochschulen wäre die Raike Kommunikation GmbH bereit, finanziell und inhaltlich einzelne Studiengänge zu unterstützen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Hochschulpolitik noch enger mit den Institutionen und Verbänden der Wirtschaft kooperiert. Dazu zählt auch der ständige Dialog zwischen den Hochschulen und den Unternehmen am Standort Hamburg mit dem Ziel, Lehrinhalte und Praxisanforderungen mit den Unternehmen abzugleichen.“
Wolfgang Raike (50), Geschäftsführender Gesellschafter der Raike Kommunikation GmbH

„Um die Effizienz US-amerikanischer Universitäten zu erreichen, ist ein erheblicher Strukturwandel nötig. Unsere Massenuniversitäten mit wenig Gestaltungsfreiraum taugen wenig, um ‚Alma mater’- Verbundenheit zu erzeugen. Das immer noch weit verbreitete universitäre Elfenbeinturmdenken, bei dem die Wirtschaft, wenn, dann als Zahlungsquelle wahrgenommen wird, ist ein weiteres Problem unseres Systems. In unserer guten Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen am UKE und der Universität Hamburg bemerken wir aber einen Wandel. Diesen finanziell zu unterstützen kann ich mir vorstellen.“
Hartmut Juhl (46), Geschäftsführender Gesellschafter der Indivumed GmbH

Die veröffentlichten Aussagen sind privater Natur und ihre Auswahl Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage.
hamburger wirtschaft, Ausgabe Juli 2006