Handelskammer Hamburg 2006

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Fondshandel

Profitable Teile

Fondsanteile sind eine beliebte Investitionsform. Mit der „Fondsbörse Deutschland“ steht Anlegern eine Handelsplattform zur Verfügung, die den Handel mit Anteilen offener und geschlossener Fonds wesentlich erleichtert – und profitabler macht.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres investierten deutsche Anleger insgesamt 18,6 Milliarden Euro an neuem Anlagekapital in Wertpapier-Publikumsfonds – sicherlich ein nennenswerter Betrag, der für die Beliebtheit dieser Anlageklasse spricht. Der Kauf eines Investmentfonds bietet dem Anleger die Möglichkeit, die Wertpapierauswahl an ein Fondsmanagement zu delegieren. Er kann zudem gerade bei kleineren Investitionen sein Risiko stärker streuen, da ein Fonds üblicherweise eine deutlich größere Zahl von Wertpapieren enthält als das Portfolio eines einzelnen Anlegers.

Der typische Weg zum Kauf und Verkauf von Fondsanteilen lief bis vor einiger Zeit über Kreditinstitute oder freie Berater. Seit Ende 2002 gibt es jedoch zusätzlich die Möglichkeit, Fonds über die Börse zu handeln. „Unter dem Dach unseres staatlich überwachten, transparenten Handelssegments ‚Fondsbörse Deutschland’ werden derzeit rund 2700 offene Fonds gehandelt“, berichtet Thomas Ledermann, Vorstandsmitglied der BÖAG, die die Wertpapierbörsen in Hamburg und Hannover betreibt.

Den Handel übernehmen die Börsenmakler der Fairtrade Finance AG sowie der DKM Wertpapierhandelsbank AG. „Statt des üblichen Ausgabeaufschlags fällt beim Kauf über die Börse nur ein geringer ‚Spread’ – eine Differenz zwischen An- und Verkaufskurs – an“, fasst Fairtrade-Vorstand Christian Kalischer die Vorteile der Deutschen Fondsbörse Hamburg für den Anleger zusammen: Der maximale Spread beträgt an der Fondsbörse derzeit 1 bis 1,5 Prozent, je nach Anlageschwerpunkt des Fonds. Für die am häufigsten gehandelten Fonds liegt er bei unter 0,5 Prozent.

Zudem können Anleger ähnlich wie beim Aktienhandel mit Orderzusätzen wie beispielsweise Stop-Loss- oder Stop-buy-Limits arbeiten und während der gesamten Börsenzeit von 9 bis 20 Uhr handeln. „Sie haben dadurch die Möglichkeit, unmittelbar auf sich ändernde Börsensituationen zu reagieren,“ erläutert Kalischer. „Und diese Möglichkeiten werden intensiv genutzt, dies ist insbesondere in den letzten Woche mit fallenden Notierungen deutlich geworden.“

Betrug der Umsatz offener Fonds an der Fondsbörse Deutschland 2003 noch knapp 170 Millionen Euro, stiegt er 2004 bereits auf 442 Millionen und 2005 auf 1565 Millionen Euro. „Bis zum 15. Juni 2006 haben wir bereits über 2,5 Milliarden Euro im Investmentfondshandel umgesetzt“, berichtet Börsenvorstand Ledermann. „Damit haben wir schon vor Ablauf des ersten Halbjahres den gesamten Vorjahresumsatz deutlich übertroffen und unsere Position als Marktführer im Fondshandel an der Börse untermauert.“ Mit der stetigen Ausweitung der Zahl gehandelter Fonds stehen die Chancen auf eine Fortsetzung des Wachstums gut. „Mit neu aufgenommenen Themenfonds – beispielsweise einem Ökologie Branchenfonds, aber auch Rohstofffonds – handeln wir bereits eine Fondspalette, die das Anlagespektrum weitgehend abdeckt“, erklärt Kalischer.

Unter dem Dach der Fondsbörse Deutschland können jedoch auch Anteile geschlossener Fonds gehandelt werden. Anders als offene Fonds bieten diese keine unbegrenzte Ausgabe neuer Fondsanteile an, sondern werden nach Ende des „Platzierungszeitraumes“ geschlossen. Innerhalb dieses Zeitraumes werden die für den Erwerb eines Objektes – überwiegend Schiffe und Immobilien, aber auch beispielsweise Windkraftanlagen – benötigten Finanzmittel eingesammelt. Der Käufer von Anteilen geschlossener Fonds wird als Mitunternehmer an den Erträgen des Objektes sowie einem späteren Verkaufserlös beteiligt.

Typischerweise sind die von geschlossenen Fonds getätigten Investments über mehr als zehn Jahre angelegt. Wer vorher aussteigen musste, etwa weil er aus unvorhersehbaren Gründen liquide Mittel brauchte, konnte seine Anteile bisher meist nur mit einem deutlichen Abschlag verkaufen. Auch die Suche nach einem Käufer gestaltete sich meist schwierig, als einzige Hilfe stand das Emissionshaus zur Verfügung.

„Mit der Fondsbörse Deutschland bieten wir eine zentrale Plattform, die Kaufs- und Verkaufsaufträge für Fonds verschiedener Initiatoren bündelt“, erläutert Alex Gadeberg, Vorstand der Deutsche Fondsbörse Beteiligungsmakler AG, die den Handel geschlossener Fonds durchführt. Das Geschäft unterscheidet sich allerdings deutlich vom Handel offener Fonds: „Da der Anleger mit einem geschlossenen Fonds eine unternehmerische Beteiligung in Form einer Kommanditgesellschaft erwirbt, ist eine Umschreibung im Gesellschafterverzeichnis erforderlich“, erklärt Gadeberg. „Für den Geschäftsabschluss wird daher ein schriftlicher Vertrag zwischen Käufer und Verkäufer erstellt.“

Die Bündelung und Veröffentlichung von Kauf- und Verkaufskursen sorgt für Liquidität und macht es wesentlich leichter, Anteile geschlossener Fonds zu Geld zu machen. Dies gilt insbesondere im Premiumsegment, in dem rund 300 geschlossene Fonds gelistet sind. „Hier bieten die Makler laufend verbindliche Kurse, zu denen sie die Fondsanteile zurücknehmen“, sagt Gadeberg. Dadurch fungieren sie als „Market Maker“: Die Veröffentlichung der Referenzkurse ermuntert viele Interessenten, ihrerseits in den Markt einzutreten und Gebote abzugeben.

Gemeinsam mit den rund 1700 im Standardsegment gehandelten Fonds – hier erfolgt die Kursbildung ausschließlich durch die Gebote der Käufer und Verkäufer – wurden im Jahr 2005 Anteile im Nominalwert von 42 Millionen Euro vermittelt. „Diese Zahl werden wir 2006 sehr deutlich übertreffen“, so Gadeberg. „Wir sind auf gutem Kurs.“

Jörn Le Cerf
joern.lecerf@hk24.de
Telefon 36 13 8 360

Internet

Die Fondsbörse Deutschland: www.fondsboerse.de

hamburger wirtschaft, Ausgabe Juli 2006