Handelskammer Hamburg 2007

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Hafenwirtschaft

Wichtige Ladung

Hamburgs Herz schlägt vernehmbar schneller. Hamburgs Herz ist der Hafen, und nur selten in seiner Geschichte kamen so viele Herausforderungen gleichzeitig auf ihn zu wie heute. Sie zu meistern, fordern Stadt und Wirtschaft vieles ab, auch Überzeugungskraft in den jeweils eigenen Reihen. Hafen gut = alles gut? Vielleicht nicht ganz, aber der Hafen und die gesamte Logistikwirtschaft sind ein Schlüsselfaktor für die langfristige Entwicklung des Standortes Hamburg. Nicht umsonst feiern wir alljährlich unseren Hafengeburtstag und nicht die Stadtgründung – und das in diesem Jahr zum 818. Mal!

Das Umschlagwachstum fiel im Jahr 2006 im direkten Vergleich zu den Vorjahren zwar etwas geringer aus. Angesichts des hohen absoluten Volumens und einer Zunahme von knapp zehn Prozent im besonders dynamisch wachsenden Containerverkehr kann von Schwächeln aber keine Rede sein. Und eines ist gewiss: Globalisierung und Wachstum im Seeverkehr werden weitergehen. Die internationale Arbeitsteilung setzt sich durch die Öffnung vieler Volkswirtschaften und den Wegfall von Handelsbeschränkungen unverändert fort.

Doch des einen Leid ist des anderen Freud: Je intensiver die internationale Arbeitsteilung wird, umso stärker wachsen die Transportmengen über See. Stimmen die Rahmenbedingungen im Hamburger Hafen, kann unsere Stadt hiervon überdurchschnittlich profitieren.

Die Anpassung der Fahrrinne der Unter- und Außenelbe an die größer werdenden Schiffe ist dabei das unbestreitbar wichtigste Infrastrukturprojekt für die gesamte Region, das mit Beginn des Planfeststellungsverfahrens jetzt in eine entscheidende Phase kommt. Wichtig dabei ist insbesondere, dass der nahende Wahlkampf in Niedersachsen sich nicht lähmend auf den Verfahrensablauf auswirkt. Die Bedenken und Einwendungen gilt es ernst zu nehmen und konstruktiv abzuarbeiten, die Maßnahme darf aber nicht politisch instrumentalisiert werden. Nicht zuletzt mit Hinweis auf den hohen Anteil niedersächsischer Arbeitnehmer im Hafen sollte der Hamburger Senat fair, aber deutlich die Kooperation im Interesse der gesamten Region einfordern. Ebenso aktuell wie bedeutsam ist die Teil-Privatisierung der HHLA. Die Frage der Beteiligung am größten Hamburger Umschlagunternehmen erfordert klare Zielvorgaben: Die unternehmerische Führung dieses strategisch wichtigen Unternehmens und damit 51 Prozent der Anteile müssen im Besitz Hamburgs verbleiben. Gemäß der Devise „Hafen finanziert Hafen“ sollten die Verkaufserlöse vollständig in den Ausbau des Hafens investiert werden – und zwar zusätzlich zu den vorgesehenen Haushaltsmitteln! Der neue Anteilseigner sollte zudem einen strategischen Beitrag zur Entwicklung der HHLA leisten können. Grundsätzlich gleiche Anforderungen wie bei der HHLA-Privatisierung sind auch an die Vergabe des geplanten Terminals im mittleren Freihafen zu stellen. Hier wäre zu prüfen, ob ein weiterer Anbieter die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens international noch weiter verbessern kann.

Im Bereich der sogenannten nutzerspezifischen, vom Staat vorzuhaltenden Infrastruktur, das heißt insbesondere der Kaimauern, sind vor dem Hintergrund einer zukünftig strengeren EU-Beihilfekontrolle auch andere Finanzierungsmodelle denkbar. So könnte den Unternehmen die Option eingeräumt werden, die Infrastruktur bei Wahrung aller technischen Vorgaben selbst zu schaffen, um dadurch möglicherweise Baukostenreduzierungen zu realisieren. Dazu sind dann eventuell längere Nutzungsverträge erforderlich.

Im Zusammenhang mit den Entwicklungsoptionen des Hamburger Hafens sollte stets beachtet werden, dass knapp ein Drittel des Hafens aus Industrieflächen besteht. Auch diese gilt es zu sichern und in den Masterplan Industrie zu integrieren. Um Konflikte in der Stadtentwicklungspolitik zu verhindern, müssen hafenfremde Nutzungen am östlichen Reiherstiegufer und auf dem Kleinen Grasbrook vermieden werden. Wohnen und Hafen passen nicht unmittelbar zusammen, so sehr der Wasserblick auch verlocken mag. Einzige Ausnahme für den Kleinen Grasbrook wäre, wenn Hamburg den Zuschlag für Olympische Sommerspiele bekäme – dies würde sicherlich die Herzen auch in der Hafenwirtschaft noch höher schlagen lassen.

Michael Behrendt
Vizepräses der Handelskammer Hamburg

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2007