Handelskammer Hamburg 2007

Nichtraucherschutz

Frischer Wind am Arbeitsplatz

In wenigen Wochen ist das Rauchen an öffentlichen Orten gänzlich verboten. Auch am Arbeitsplatz wird es verstärkt Einschränkungen geben. Denn selbst Passivrauchen ist gesundheitsschädigend und mindert die Leistungsfähigkeit. Was Unternehmen für den Nichtraucherschutz tun können.

Am 1. Januar 2008 ist es so weit: Das Hamburgische Passivraucherschutzgesetz tritt in Kraft. Es verbietet das Rauchen in öffentlichen Gebäuden, in Kneipen und Restaurants. Viele Unternehmen werden das zum Anlass nehmen, ihre Büroräume ebenfalls zur rauchfreien Zone zu erklären. Denn der Wunsch nach rauchfreier Luft am Arbeitsplatz ist aktueller denn je. Viele Nichtraucher fühlen sich durch qualmende Kollegen belästigt und in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Und um ihre Mitarbeiter zu motivieren, achten mittlerweile viele Betriebe auf ein gesundheitsbewusstes Verhalten am Arbeitsplatz.

Schon heute dürfen Raucher in Hamburger Unternehmen ihrer Leidenschaft nur eingeschränkt frönen. Knapp zwei Drittel aller Firmen haben ausgewiesene Raucherbereiche. Rauchfreie Betriebe sind in Deutschland dennoch eher die Ausnahme. Doch auch das wird sich ändern. Denn viele Firmen achten nicht nur auf ein gesundheitsbewusstes Verhalten, sondern betreiben sogar ein aktives Gesundheitsmanagement. Ein wichtiger Baustein ist der konsequente Schutz von Nichtrauchern. Rechtlich untermauert wird das Engagement durch die neue Arbeitsstättenverordnung. Sie gewährt den Nichtrauchern vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch mehr Schutz, für den der Arbeitgeber verantwortlich ist. Die Mehrheit der Firmen setzt in der Frage des Nichtraucherschutzes eher auf interne Absprachen und weniger auf Verbote. Wichtig ist, dass die Unternehmensführung die Regeln klar kommuniziert und diese für alle gelten – Mitarbeiter und Führungskräfte. „Betriebe mit einem vorbildlichen Gesundheitsmanagement sprechen auch nicht einfach nur Rauchverbote aus, sondern gewähren Unterstützung“, sagt Gabriele Hager von der Barmer Hamburg.

Es geht dabei aber nicht nur um die Motivation der Mitarbeiter, sondern auch ums Geld. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Tabakkonsums werden in Deutschland auf etwa 17 Milliarden Euro geschätzt. Viele Erkrankungen stehen im Zusammenhang mit dem Konsum von Tabakprodukten. Doch nicht nur aktiv rauchen ist schädlich. Fakt ist, dass Passivrauchen mehr Menschen tötet als illegale Drogen, Asbest und BSE zusammen. „Nachdem in Irland das Rauchen in Gebäuden konsequent verboten wurde, fiel die Rate an tödlichen Herzinfarkten schon nach einem Jahr um 13 Prozent, viel mehr als selbst Optimisten gehofft hätten“, sagt Gerald E. Müller, beratender Arzt der Regulamed GmbH.

Die negativen Begleiterscheinungen des Passivrauchens lassen sich schnell aufzählen. „Hals- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Augenbindehautreizungen und Konzentrationsschwächen beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit der nichtrauchenden Arbeitnehmer, sodass eigentlich jeder Betrieb ein großes Interesse daran haben müsste, derartige Störfaktoren zu beseitigen“, sagt Gabriele Hager. Auch die Bereitstellung angemessener Rauchgelegenheiten stellt Aufwand dar. Es hat sich in der Praxis nämlich als wenig praktikabel erwiesen, die Raucher einfach vor die Tür zu schicken. Die Folge sind Erkältungskrankheiten und Rauchertrauben vor dem Eingang, was dem Firmenimage schadet. Mittlerweile gibt es Outdoorsysteme wie beispielsweise das Smoke-Area der Firma Green Line, die Raucher auch im Freien vor Witterungseinflüssen schützen. Sie können ohne kostspielige bauliche Maßnahmen schnell installiert werden. Es gibt aber auch Systeme, die sich für drinnen eignen. Die Raucherkabine „smoke & talk“ der asecos GmbH beispielsweise wurde dieses Jahr mit dem iF design award ausgezeichnet. Das ausgeklügelte System ersetzt die traditionellen Raucherecken. Auch der Spezialist für Raumlufttechnik, die GRT Wuttke GmbH, bietet mit ihren erprobten Smoke-Room-Systemen steckerfertige Luftbehandlungssysteme. So bekommt man die stinkende Luft in Raucherräumen problemlos in den Griff.

Andrea Rebensburg
andrea.rebensburg@hk24.de
Telefon 36 13 8 274

Informationen

Wege zum Nichtraucher

Die Erfolgsquote professioneller Nichtraucherprogramme ist beachtlich. „Fit in Hamburg“ unterstützt Unternehmer, Führungskräfte und Angestellte bei dem erfolgreichen Abschied vom Glimmstängel. Weitere Infos unter www.fit-in-hamburg.info

Wie viele der gesetzlichen Krankenkassen bietet die Barmer Hamburg ein strukturiertes Programm an: „Rauchfrei in 10 Schritten“. „Sich selbst beweisen, von der Zigarette loskommen zu können, dazu möchte die Barmer alle ehrgeizigen Hamburger anspornen“, sagt Gabriele Hager. Mit diesem erfolgreichen Konzept und einem möglichen Auffrischungskurs bei drohender Rückfälligkeit können die Unternehmen ihren Verpflichtungen beim Gesundheitsschutz für Nichtraucher nachkommen und gleichzeitig Akzente zur Gesundheitsförderung für Raucher setzen. Weitere Infos unter www.barmer.de

Auch Gerald Müller von der Regulamed GmbH kennt eine ganze Reihe von Hilfen bei der Nikotinentwöhnung, beispielsweise Nikotinpflaster und Akupunktur. „Die höchste Erfolgsrate erzielen wir jedoch mit unserem Hypnosekonzept der Raucherentwöhnung“, sagt Müller. „Hier liegen die Erfolgsraten bei rund 80 Prozent.“

hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2007