Handelskammer Hamburg 2007

< zurück

Innovation & Umwelt

Wie muss der Medienstandort Hamburg nach dem Wegzug von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ gestärkt werden?

Die Massenblätter der Axel Springer AG ziehen in die Hauptstadt um. Unternehmer erklären, warum die Bedeutung der Medienmetropole Hamburg dennoch weiter zunehmen wird.

„Hamburg ist und bleibt eine Medienmetropole. Schauen Sie zum Beispiel auf den boomenden Markt der Neuen Medien – Hamburg ist mittlerweile zu einer der bedeutendsten Städte Deutschlands für die Computer- und Videospiele-Industrie herangewachsen. Die Firma dtp ist Deutschlands zweitgrößter konzernunabhängiger Games-Verlag, und in Hamburg mit Abstand größter Arbeitgeber in diesem Bereich. Als Hamburger Unternehmen kennen wir den hiesigen Standort sehr genau, wir sind hier seit mehr als zwölf Jahren ansässig. Noch immer gibt es Nachholbedarf. Hamburg muss sich dessen bewusst werden, das Wachstum dieser Bereiche unterstützen und somit die Attraktivität des Standortes auch für die Zukunft sichern.“
Thomas Baur (52), CEO, dtp entertainment AG

„Der Berlin-Umzug ist zwar bedauerlich, bedeutet für den Medienstandort Hamburg aber keine wesentliche Schwächung. Dafür sorgen renommierte Medienhäuser wie Gruner + Jahr, Studio Hamburg, der Spiegel oder der Bauer Verlag. Zukünftig wird sicherlich die Unterstützung von Unternehmen in den Neuen Medien, insbesondere während der Gründungsphase, ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Außerdem ist für eine Medienmetropole die Förderung von hoch qualifiziertem Nachwuchs wichtig. Denn wer hier eine exzellente Ausbildung genossen hat und zusätzlich beste Berufsbedingungen vorfindet, wählt Hamburg auch eher als Standort für eine Medienkarriere.“
Eckbrecht von Grone (42), Geschäftsführer der Hamburg Media School

„Erstens: Mit einem professionell geleiteten ,Good-News-Pool‘, mit positiven Meldungen aus der Medienstadt, lässt sich Hamburg auch in die Schlagzeilen bringen. Dann mit guten Nachrichten, die das betonen, was hier passiert und was der Hamburger Medienstandort zu bieten hat. Zweitens: Mit der Ansiedlung von neuen TV-Spartenkanälen wie das Deutsche Gesundheitsfernsehen. Das schafft für Journalisten und Cutter neue Arbeitsplätze und bietet gerade den kleineren und unabhängigen Film- und Fernsehproduktionsfirmen neues Kundenpotenzial.“
Heidrun Köhlert (48), Geschäftsführende Gesellschafterin der KS MEDIA Produktionsgesellschaft für Film & Content mbH

„Die Förderung des Medienstandortes ist mit der Zusammenlegung der Landesmedienanstalten und der Filmförderung mit Schleswig-Holstein, der Bündelung von Ausbildung unter dem Dach der Hamburg Media School oder durch die Clusterverantwortung der Wirtschaftsbehörde wesentlich vorangeschritten. Standortentscheidungen wie die der Kabel Deutschland oder des Bezahlsenders Arena/Unity werden bislang jedoch noch ohne eine echte Berücksichtigung Hamburgs getroffen. Gerade im Wettbewerb mit Regionen wie Nordrhein-Westfalen und Bayern sollten Hamburg und Berlin ihre Stärken bündeln anstatt zu konkurrieren. Gerade hier können Unternehmen wie Axel Springer oder auch Studio Hamburg, die an beiden Standorten aktiv sind, zukünftig eine Schlüsselrolle einnehmen.“
Robin Houcken (35), Geschäftsführer der Studio Hamburg GmbH

„Die Bild-Zeitung gehört als Deutschlands Yellowpress Nr. 1 in die Hauptstadt. Der Wegzug ist geradezu notwendig und macht Platz für Neues. Im globalen Trend der Humanisierung des weltweiten Kapitalismus sollte Hamburg seinen Charakter als ehrwürdige Hansestadt und Tor zur Welt dadurch weiter stärken, dass unsere Stadt die globale Führungsrolle im Kampf für den Karma-Kapitalismus übernimmt. Sozialtätige Großveranstaltungen wie der HSH Nordbank Run zeigen, dass Hamburg mit der alten tief verwurzelten hanseatischen Tradition das Potenzial für diese Führungsrolle hat. Wenn heute schon 20000 Hanseaten für sozial schwache Kinder laufen, dann tragen morgen 500000 Hanseaten die Botschaft für einen menschen- und umweltfreundlichen Kapitalismus mit in die weite Welt hinaus.“
Martin Schneider-Hillen (53), Geschäftsführer der AVM moving pictures gmbh

„Die Medien der Zukunft sind nicht Printblätter wie ,Bild‘ und ,Bild am Sonntag‘, sondern Internetpublikationen, die auf dem sogenannten Web 2.0 basieren, bei dem die Nutzer selbst die Inhalte bereitstellen. Wenn es Hamburg gelingt, im Bereich dieser zukunftsweisenden Medien eine Spitzenposition in der Entwicklung und Produktion einzunehmen, wird der Medienstandort trotz des Wegzugs der alten Massenblätter nicht nur gefestigt, sondern deutlich gestärkt.“
Torsten Schubert (41), Geschäftsführer der meri:t medien GmbH

Die veröffentlichten Aussagen sind privater Natur und ihre Auswahl Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage.
hamburger wirtschaft, Ausgabe Juli 2007