Handelskammer Hamburg 2007

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Recht & Fair Play

Was hat sich durch die Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes in Ihrem Betrieb verändert?

Hamburgs Unternehmer ziehen eine Zwischenbilanz, wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das im August 2006 in Kraft getreten ist, ihre laufenden Geschäfte beeinflusst hat.

„Die Schulungswelle ist vorbei, interne Beschwerdestellen sind eingerichtet – das aufgebaute Angstszenario von Juristen und Versicherungen ist nicht eingetreten. Allerdings ist deutlich zu spüren, dass gerade Mittelständler noch Handlungsbedarf haben. Hier fehlen Sensibilisierung und neue Konzepte für die Personalsuche. Viele Unternehmen sind vorsichtig geworden: Attraktive Arbeitgeber können es sich nicht leisten, ihr Image mit Verstößen gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz zu gefährden. Ein Zukunftsthema wird die Vermeidung der Altersdiskriminierung sein: Wie rekrutieren wir Senior Professionals? Wie kann eine alter(n)sgerechte Belegschaft trotz AGG aufgebaut werden? Gibt es eine Altersgrenze für Mitarbeitergespräche?”
Ben Krischausky (54), KIC Krischausky Interimsmanagement Coaching

„Bei orangemedia hat die Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes keine besonderen Veränderungen nach sich gezogen. Wir haben natürlich unseren Text für Personalanzeigen in die juristische Prüfung gegeben, um keinen Formfehler zu begehen. Unsere Personalpolitik hat sich durch das Gleichbehandlungsgesetz aber nicht geändert. Wir haben schon immer versucht, für die jeweilige Aufgabe die richtige Kandidatin beziehungsweise den richtigen Kandidaten zu finden. Dabei haben Geschlecht, Herkunft, Religion et cetera für uns noch nie eine Rolle gespielt.“
Rasmus Giese (37), Geschäftsführer orangemedia.de GmbH

„Das neue Gesetz hat bei uns hinsichtlich der Art und Weise, wie wir mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen umgehen, zu keinen Veränderungen geführt. Wir sind ein internationales Unternehmen, das sich aus eigener Überzeugung dem ,Diversity‘-Grundsatz verpflichtet fühlt. Allerdings haben wir unsere Beschäftigten hinsichtlich des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes geschult und den Bewerbungsprozess angepasst. So verlangen wir von den Bewerbern kein Foto mehr, und wir führen die Bewerbungsgespräche ausschließlich zu zweit mit den Bewerbern durch.“
Thomas Piehler (48), Leiter Arbeit und Soziales, Philips GmbH

„Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz hat das Beratungsspektrum unserer Kanzlei erweitert. Unsere Mandanten – mittelständische Unternehmen – zeigen ein großes Interesse daran, wie sie sich auf das neue Gesetz einstimmen können und sollen. Im Augenblick liegt der Schwerpunkt unserer Tätigkeit noch im Bereich der Beratung zum AGG, es mehren sich jedoch Fälle, in denen Fragen des Gleichbehandlungsgesetzes auch gerichtlich erörtert werden. Ferner bedeutet die Spezialisierung auf das AGG für uns, dass wir die Rechtsfortbildung wissenschaftlich begleiten. Kurz: Für unseren Betrieb hat sich ein weiteres Tätigkeitsfeld entwickelt, das zum wirtschaftlichen Erfolg unserer Kanzlei beiträgt.“
Christian Oberwetter (41), Fachanwalt für Arbeitsrecht; Partner der Kanzlei Oberwetter & Olfen

„Seit der Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes ist die Rekrutierung komplizierter geworden, da sehr >stark auf Details geachtet werden muss und der organisatorische Aufwand höher geworden ist.“
Ulrike Nöth (35), Hamburger Niederlassungsleiterin der Manpower Professional Finance Personaldienstleistungen GmbH

Die veröffentlichten Aussagen sind privater Natur und ihre Auswahl Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage.

Umfrage

Ergebnisse einer Online-Umfrage unter Hamburger Unternehmern zum AGG im August 2007

Gab es Schulungen für Mitarbeiter der Personalabteilung und Führungskräfte zum AGG?
Ja 43,8 %   Nein 56,3 %

Gibt es bei Ihnen eine Betriebsvereinbarung zum Thema Gleichstellung?
Ja 9,5 %     Nein 90,5 %

Lassen Sie Ihre Stellenanzeigen juristisch überprüfen?
Ja 32,8 %   Nein 67,2 %

Ist seit dem Inkrafttreten jemand auf Grundlage des AGG juristisch gegen Ihr Unternehmen vorgegangen?
Ja 0 %        Nein 100 %

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2007