Handelskammer Hamburg 2008

< zurück

Berufskraftfahrerschulung

Besseres Image für harten Job

Ab 10. September müssen gewerblich tätige Fahrer im Omnibusverkehr eine Qualifikation nachweisen. Damit wird eine EU-Richtlinie von 2003 umgesetzt.

Der zunehmende Güterverkehr auf der Straße hat eine Schattenseite: „Mehr Lkw-Unfälle mit verletzten Fahrern“, hieß es erst vor Kurzem in einer deutschen Verkehrsfachzeitschrift. Die Zunahme des Güterverkehrs auf der Straße verstärkt aber nur den Aspekt, dass der Beruf des Lkw-Fahrers, den – nach einer Umfrage des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers Scania von 2007 – neun von zehn deutschen Autofahrern für anstrengend und stressig halten, mit einem erhöhten Unfallrisiko behaftet ist. Im Personenverkehr gibt es zwar weit weniger Unfälle, aber es sind vor allem die Busunfälle, die für Schlagzeilen sorgen, weil dabei viele Personen betroffen sind. Die Busfahrer tragen deshalb ein besonders hohes Maß an Verantwortung. An diesem Punkt setzt auch die Berufskraftfahrerschulung an, die als vorrangiges Ziel die Erhöhung der Sicherheit verfolgt. Gestiegen sind aber auch die Anforderungen an die Fahrer. Dies gilt vor allem hinsichtlich der erforderlichen technischen, fachtheoretischen und rechtlichen Kenntnisse. Die Berufskraftfahrerschulung greift diese Entwicklung auf, um die Fahrer an die wachsenden Anforderungen heranzuführen.

Eine Ausbildung für Berufskraftfahrer ist eine der Kernausbildungen, die die Fahrer auf ihr anspruchvolles Berufsleben vorbereiten. Daher stellt sich die Frage: weshalb die Einführung der obligatorischen Berufskraftfahrerschulung? Die Antwort liefert schlicht die Quote der Berufskraftfahrer, die so eine Ausbildung abschließen. Ihr Anteil an den insgesamt beschäftigten Fahrern im gewerblichen Straßenverkehr liegt seit Jahren unverändert im unteren einstelligen Prozentbereich. Auch dafür gibt es Gründe. Zum einen sind es die Betriebsgrößen, die oftmals die Bereitstellung eines Ausbildungsplatzes erschweren. Andererseits ist es aber auch das mangelnde Interesse auf der Bewerberseite, weil das Berufsbild bis hin zur Bezahlung zu wenig attraktiv ist. Ein Teufelskreis – der mit dazu geführt hat, dass die Güterkraftverkehrsbranche verstärkt über Fahrermangel klagt.

Betroffen von der Schulung sind nicht alle Fahrer, die gewerblich tätig sein wollen. Die Verpflichtung zur Schulung betrifft Fahrer von Fahrzeugen mit mehr als acht Sitzplätzen (Führerscheinklassen D1, D1E, D und DE) und Fahrer von Lkw mit über 3,5 Tonnen zugelassenem Gesamtgewicht (Führerscheinklassen C1, C1E, C und CE). Besitzstandsschutz wird allen Fahrern gewährt, die bis zum 10. September 2008 einen Führerschein der D-Klassen oder bis zum 10. September 2009 einen Führerschein der C-Klassen erwerben. Sie bleiben von der Verpflichtung einer Grundqualifikation befreit. Allerdings besteht auch für diese Fahrer die Pflicht, alle fünf Jahre eine Weiterbildung zu absolvieren. Dabei wird die erste Weiterbildungsperiode so flexibel gehandhabt, dass der Weiterbildungsabschluss der Gültigkeit der Fahrerlaubnis angepasst werden kann.

Die Grundqualifikation kann auf verschiedene Weise erbracht werden. Dies ist von Alter und Fahrzeuggröße abhängig. Am umfassendsten gültig ist der Abschluss der Ausbildung „Berufskraftfahrer und Fachkraft im Fahrbetrieb“. Die Alternative dazu ist der Erwerb der Grundqualifikation. Dabei wird vorausgesetzt, dass der Bewerber nach dem Erwerb der Fahrerlaubnis in einer Prüfung mit theoretischen und praktischen Inhalten vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer ausreichende Fachkenntnisse nachweist. Eine weitere Alternative ist die Absolvierung eines Lehrgangs bei einem anerkannten Veranstalter von insgesamt 140 Stunden mit anschließender theoretischer Prüfung vor der zuständigen IHK – der Besitz der Fahrerlaubnis wird nicht vorausgesetzt. Diese Variante, die sogenannte beschleunigte Grundqualifikation, wird nach Einschätzung der Experten am häufigsten nachgefragt werden. Bei Quereinsteigern, die bereits den Fachkundenachweis im Güterkraftverkehr oder Personenverkehr haben, oder bei qualifizierten Fahrern, die zwischen diesen beiden Bereichen wechseln, werden die bereits erworbenen Kenntnisse bei den Lehrgängen und Prüfungen angerechnet.

In Hamburg sind die Vorbereitungen für die Berufskraftfahrerschulung in vollem Gang. Kürzlich verabschiedete die Handelskammer das Rechtsstatut zur Abnahme der Prüfungen. Allerdings werden nicht vor September die ersten Kandidaten eine Prüfung ablegen. Die gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation wird den Status des Berufskraftfahrers aufwerten – eine wünschenswerte Entwicklung.

Kontraproduktiv wäre allerdings, wenn die künftig höhere Einstiegshürde eine abschreckende Wirkung auf die Arbeitsplatzsuchenden hätte. Diese Befürchtung ist nicht unbegründet, sieht man sich die Zahl der abgeschlossenen Berufskraftfahrerausbildungen in den vergangenen Jahren an. Sie hat sich fast halbiert. Die Folge wäre, dass sich der heute schon vorhandene Fahrermangel noch weiter ausdehnen würde. Kommt durch die Aufwertung des Berufs das Lohngefüge in Bewegung, könnte allerdings das Interesse an diesem Beruf von Ausbildungsplatzsuchenden wachsen, für die dieser Job derzeit noch zweite Wahl ist.

Günter Dorigoni
guenter.dorigoni@hk24.de
Telefon 36 13 8 310

Infos und Kontakte

Mehr zur Berufskraftfahrerschulung finden Sie unter www.hk24.de. Am 24. April 2008 findet von 15 bis 18 Uhr in der Handelskammer eine Informationsveranstaltung statt, die sich an Unternehmen, Fahrer und Lehrgangsveranstalter richtet.

hamburger wirtschaft, Ausgabe April 2008