Handelskammer Hamburg 2008

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Straßengüterverkehr

Förderprogramm geht in zweite Runde

Die Europäische Union will bis 2013 im Straßengüterverkehr mehrere Milliarden Kilogramm Kohlendioxid einsparen. Mit dem Förderprogramm Marco Polo II werden Projekte finanziert. Jährlich sollen bis zu 57 Millionen Euro vergeben werden.

Der Straßengüterverkehr hängt innerhalb der Europäischen Union (EU) weitgehend von fossilen Energieträgern ab. Darüber hinaus hat die Branche mit der Überlastung der Infrastrukturen zu kämpfen. Die EU hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, bis 2013 140 Milliarden Tonnenkilometer von der Straße auf alternative Verkehrsträger zu verlagern. Das entspricht sieben Millionen Lkw-Fahrten à 1000 Kilometern und vermindert die CO2-Emissionen um 8,4 Milliarden Kilogramm. In diesem Zusammenhang geht das EU-Förderprogramm Marco Polo jetzt in seine zweite Phase. Mit Marco Polo II soll der internationale Straßengüterverkehr auf die alternativen Verkehrsträger Schiene, Binnenwasserstraße und Kurzstreckenseeverkehr verlagert werden. Mit dem Programm werden fünf Arten von Projekten gefördert.

Dazu gehören die sogenannten Modal-shift-Aktionen. Darunter sind neue oder effizienzsteigernde Maßnahmen zur Verlagerung von Frachtmengen weg von der Straße auf Wasser und Schiene zu verstehen. Gefördert werden außerdem „katalytische Aktionen“. Das sind Projekte, die strukturelle Hemmnisse im Schienengüter- oder Kurzstreckenseeverkehr verringern oder beseitigen und so die Attraktivität dieser Verkehrsträger steigern. Zum Förderprogramm gehören auch Meeresautobahnen-Aktionen, die eine Verlagerung von Long-Distance-Straßentransporten auf eine Kombination aus Kurzseestrecken und anderen Verkehrsträgern bewirken. Außerdem werden Aktionen zur Integration von verkehrsvermeidenden Maßnahmen gefördert. Der fünfte förderfähige Projekttyp sind „gemeinsame Lernaktionen“. Dabei sollen die Zusammenarbeit und der Austausch von Fachwissen zwischen Akteuren der Güterlogistik-Märkte unterstützt werden. Die Zielgruppe umfasst die Transport- und die sogenannte verladende Wirtschaft. Antragsberechtigt sind Konsortien aus zwei oder mehr Unternehmen mit Sitz in mindestens zwei verschiedenen Mitgliedstaaten. Nationale Projekte sind nicht förderfähig. Unternehmen aus Nicht-EU-Staaten können an den Projekten beteiligt sein, aber nur Wirtschaftsunternehmen aus EU-Staaten können ihre Kosten geltend machen. Das Gesamt-Fördervolumen beträgt dabei 400 Millionen Euro. Bis 2013 werden jährlich durchschnittlich 57 Millionen Euro an erfolgreiche Projekte vergeben. Die Gelder werden im Projektverlauf in drei bis vier Raten an die Konsortien ausgezahlt, wobei die Fördersumme für einzelne Aktionen auf höchstens 35 Prozent des Gesamtbetrags beschränkt ist. Bei „gemeinsamen Lernaktionen“ liegt die Höchstgrenze bei 50 Prozent. Die Höhe der Förderung richtet sich nach der verlagerten oder vermiedenen Straßentransportleistung. Grundsätzlich werden Fördermittel auch zusätzlich zu anderen öffentlichen Fördergeldern bewilligt.

Die Europäische Kommission ruft einmal im Jahr – planmäßig im ersten Quartal – zur Antragseinreichung auf. Unternehmen können bis etwa Mitte des jeweiligen Jahres ihre Projektanträge abgeben. An den Stichtag schließt sich die etwa viermonatige Entscheidungsphase der EU an. Bei erfolgreichen Kandidaten beginnen dann die Vertragsverhandlungen, die maximal vier weitere Monate dauern können.

Malte Heyne
malte.heyne@hk24.de
Telefon 36 13 8 491

Infos und Kontakte

Die Europäische Kommission hat eine Kontaktstelle eingerichtet, an die sich Unternehmen direkt wenden können: Generaldirektion Energie und Verkehr, Marco Polo Helpdesk, 200, rue de la Loi, B-1049 Brüssel, Tel. (00 32 2) 299 64 48, Fax (00 32 2) 296 37 65, E-Mail: tren-marco-polo@ec.europa.eu. Weitere Informationen gibt es unter www.marcopolo-programm.de Sämtliche Formulare, Leitfäden und Checklisten zum Download unter http://ec.europa.eu/transport/marcopolo/index_en.htm

hamburger wirtschaft, Ausgabe Mai 2008