Handelskammer Hamburg 2007

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Luftfahrt

Höhenflug fortsetzen

Am Flughafen Fuhlsbüttel steigen die Passagierzahlen weiter. Die Lufthansa AG will die großen Chancen dieses expandierenden Standortes nutzen.

Hamburg Airport ist der bedeutendste Flughafen Norddeutschlands. Seine Strahlkraft ist enorm: Eine Fluggastbefragung von 2006 hat ergeben, dass fast drei von zehn Reisenden in Schleswig-Holstein wohnen, den Airport nutzen damit nur unwesentlich weniger Schleswig-Holsteiner als Hamburger. 40 Prozent der Passagiere sind Geschäftsreisende. Damit ist der Hamburger Flughafen das wichtigste norddeutsche Gateway und unterstützt die wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten der gesamten Metropolregion. Außerdem wird der Airport zunehmend von Passagieren aus Süddänemark genutzt, für die eine Anreise nach Hamburg interessanter ist als die Fahrt nach Kopenhagen. In den vergangenen Jahren hat sich der Wettbewerb zwischen den Airlines am Hamburger Flughafen verstärkt. Viele Anbieter aus dem günstigen Preissegment konnten sich am Standort Hamburg etablieren. Inzwischen verbinden 65 Airlines Hamburg direkt mit circa 130 Zielen. Die größten Airlines (nach Passagierzahlen) sind Lufthansa, Air Berlin, Tuifly, Germanwings, Condor und Emirates. Für die Zukunft verspricht dieser Wettbewerb gute Wachstumsperspektiven für den Flughafen.

„An diesem Wachstum wollen und werden wir teilhaben“, betont Karsten Zang, seit Dezember 2007 Direktor der Vertriebseinheit Norddeutschland, einer von bundesweit elf Vertriebseinheiten der Deutschen Lufthansa AG. In der Hansestadt hat der 40-Jährige, der aus Hannover stammt und seit über 20 Jahren bei Lufthansa beschäftigt ist, insgesamt 60 Mitarbeiter, um möglichst viele Passagiere am Hamburger Flughafen für Lufthansa-Flüge zu gewinnen. Auch wenn sich die Konjunktur irgendwann abkühlen sollte, erwartet Zang, dass seine Fluggesellschaft ihren Wachstumskurs am Standort Hamburg fortsetzen wird: „Mit dem vor gut drei Jahren gestarteten ‚Programm Hamburg’ haben wir die Anzahl der von Lufthansa bedienten Destinationen mehr als verdoppelt.“

37 Ziele in Europa fliegt die Airline inzwischen von der Elbmetropole aus an. „Dieses Angebot wird der Wichtigkeit des Standortes Hamburg für die Lufthansa endlich gerecht“, konstatiert Zang. „Die Hansestadt ist mit ihren vielfältigen internationalen Verflechtungen ein unglaublich attraktiver Standort für uns. Die stark mittelstandsgeprägte Wirtschaft erzeugt eine hohe Nachfrage nach Geschäftsreisen, worauf wir unsere Produkte abstimmen.“ Zang sieht genau deswegen auch Potenzial für die Eröffnung weiterer Strecken, vor allem innerhalb Europas. Auch die Option auf Interkontinentalverbindungen ab Hamburg behält man im Auge. „Natürlich“, so Zang, „haben wir mit Frankfurt und München unsere deutschen Drehkreuze im Interkontinentalverkehr, aber das Beispiel Düsseldorf hat gezeigt: Wenn sich eine direkte Interkontinentalverbindung rechnet, dann wird sie auch realisiert.“

Der Standort Hamburg hat eine zusätzliche Bedeutung für die Lufthansa. Mit der 100-prozentigen Konzerntochter Lufthansa Technik AG ist hier der weltweit führende Anbieter für die Instandhaltung und Wartung von Flugzeugen beheimatet. Insgesamt umfasst die Lufthansa Technik Group derzeit 28 Unternehmen mit über 25500 Mitarbeitern weltweit. Hamburg ist Firmensitz, Kompetenzzentrum und Steuerzentrale zugleich. Fast 7000 Menschen arbeiten auf dem über 750000 Quadratmeter großen Gelände im Westen des Flughafens. Lufthansa Technik ist damit einer der wichtigsten Arbeitgeber der Hansestadt. Für Zang ist klar: „Hamburg und Lufthansa – das gehört irgendwie zusammen!“ Der zweifache Familienvater bereitet sich und sein Team auf die politischen Herausforderungen im Luftverkehr vor. Die Europäische Kommission hat jüngst einen Vorschlag zur Ökologisierung des Transportsektors unterbreitet. Dieser möglichen „Internalisierung externer Kosten im Luftverkehr“ sieht Zang gelassen entgegen: „Die Lufthansa ist sich ihrer Verantwortung für den Klimaschutz und der des Luftverkehrs im Allgemeinen bewusst, schon heute versuchen wir, die Emissionen durch ein Vier-Säulen-Modell zu reduzieren. Wichtig ist, dass die Wettbewerbsbedingungen für alle Airlines gleich sind. Nationale Alleingänge in dieser Frage sind nicht zielführend.“

Die Bedeutung des Luftverkehrs wird weltweit noch zunehmen. Die Bundesregierung reagiert derzeit mit einem deutschlandweiten Flughafenkonzept auf diesen Trend. Damit soll der Ausbau der Infrastruktur beschleunigt und stärker an Kostenkriterien ausgerichtet sowie der Luftverkehrsmarkt weiter liberalisiert werden. Karsten Zang begrüßt diese Entwicklung: „Die stärkere Orientierung an Steuermitteleffizienz bei Infrastrukturvorhaben ist ein lobenswertes Ziel, und das Flughafenkonzept wird dazu beitragen, dass Großflughäfen wie Hamburg nachhaltigen Wachstumsperspektiven entgegensehen.“

Malte Heyne
malte.heyne@hk24.de
Telefon 36 13 8 491

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2008