Handelskammer Hamburg 2008

< zurück

Diversity Management

Wirtschaftsfaktor Vielfalt

Die Welt wird immer bunter und mit ihr auch die Belegschaften der Unternehmen. Sie reagieren damit auf den Markt und vor allem auf die immer ausgefalleneren Kundenwünsche.

Diversity Management ist in aller Munde. Mit dem Begriff verbindet sich der Anspruch, die Mannigfaltigkeit der Mitarbeiter nicht nur zu tolerieren, sondern die daraus resultierende Kreativität gezielt für den Erfolg des Unternehmens einzusetzen. Unsere Handelskammer wird daher alle ihre Aktivitäten in diesem Bereich mit dem Titel „Wirtschaftsfaktor Vielfalt“ überschreiben. Vielfalt ist dabei sehr umfassend zu verstehen. Es geht um alte und junge Mitarbeiter, um Männer und Frauen, um Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, aber auch um Behinderte, um Mitarbeiter verschiedener Religionen und um Homo- und Heterosexuelle.

Auch wenn Diversity Management als Instrument der Unternehmensführung noch re-lativ jung ist, wird es schon jetzt von vielen Unternehmen genutzt – allerdings meist nicht mit dieser Bezeichnung. Vor allem der Mittelstand entdeckt die Möglichkeiten des Diversity Managements, denn die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verändern sich: Mit dem demografischen Wandel wird der Anteil der alten Menschen in Unternehmen immer größer. Es liegt also nahe, sie im Betrieb zu halten, zumal immer weniger junge Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt kommen. Aus dem gleichen Grund bemühen sich die Unternehmen verstärkt darum, Frauen und Männer, die für die Kindererziehung eine Auszeit genommen haben, wieder in den Betrieb zu integrieren.

Zugleich nimmt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund auch in den Großstädten weiter zu. Schon jetzt haben knapp 20 Prozent der Jugendlichen, die eine Hamburger Schule verlassen, einen ausländischen Pass. Ihr Anteil wird vermutlich noch steigen. Zugleich wird die Zahl der Schulabgänger aus Ostdeutschland, die auf dem Hamburger Ausbildungsmarkt eine große Rolle spielen, in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen.

Der drohende Mangel an Fachkräften veranlasst viele Unternehmen, ihren Suchradius zu vergrößern. Denn wer sich in allen Bevölkerungsgruppen umschaut, hat mehr Auswahl als derjenige, der für eine neue Aufgabe nur verheiratete Männer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren mit weißer Hautfarbe, christlicher Religion und zwei Kindern sucht. Für viele Unternehmen werden Mitarbeiter mit unterschiedlichen Hintergründen zu einem wichtigen Thema, weil sie so den Wünschen ihrer Kunden besser gerecht werden.

Das gilt vor allem für den Einzelhandel und viele Dienstleister. So sprechen zum Beispiel türkische Frauen mit geringen Deutschkenntnissen am liebsten Verkäuferinnen an, die ebenfalls Türkisch sprechen. Ältere Bankkunden, die eine Vermögensberatung wünschen, werden einem älteren Bankmitarbeiter eher Vertrauen schenken als einem 25-Jährigen. Denn in aller Regel fällt die Abwägung zwischen Risiko und Sicherheit bei alten anders aus als bei jungen Menschen. Und in jedem Fall bringen ältere Mitarbeiter einen deutlich größeren Erfahrungsschatz mit als junge Menschen. Auch in der Industrie spielt der Faktor Vielfalt eine Rolle. Ein Auto, das von einem Team von Frauen und Männern aller Altersklassen entwickelt wird, sieht anders aus als ein Fahrzeug, das den Vorstellungen junger Männer entspricht. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Im Kern geht es beim Diversity Management darum, die immer komplexer werdenden Märkte in der Belegschaft abzubilden, wobei allerdings beispielsweise nicht jede ethnische Gruppe, die als Kunde auftritt, auch in der Belegschaft vertreten sein kann.

Aber allein die unterschiedlichen Perspektiven der verschiedenen Mitarbeiter machen ein Unternehmen auf die Bedürfnisse des Marktes aufmerksam. Freilich ist Vielfalt nicht zum Nulltarif zu haben. Eine bunt zusammengewürfelte Belegschaft kann auch zu Konflikten führen, die es in einer homogenen Gruppe nicht gäbe. Der Nutzen stellt sich nicht von heute auf morgen ein.

Die Unternehmensstrategie des Diversity Managements ist vor rund zehn Jahren aus Nordamerika nach Deutschland gekommen. Damals waren es vor allem die international agierenden Konzerne wie die Deutsche Bank oder Ford, die das Thema aufgegriffen haben. Aber auch mittelständische Unternehmen beginnen die Chancen, die eine vielfältige Mitarbeiterschaft bietet, zu nutzen. Aufgrund des demografischen Wandels und der Globalisierung der Märkte wird das Thema weiter an Bedeutung gewinnen. Die Handelskammer wird deshalb in diesem Jahr eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Motto „Wirtschaftsfaktor Vielfalt“ anbieten.

Heiner Schote
heiner.schote@hk24.de
Telefon 36 13 8 275

hamburger wirtschaft, Ausgabe Januar 2008