Handelskammer Hamburg 2008

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Einzelhandel

Engagement für ältere Menschen

Im Winterhuder Parkheim finden Einzelhändler im Alter ein neues Zuhause. Die Wohnungen, einst von der Detaillistenkammer gebaut, sind preiswert und sehr beliebt.

Viele Händler schreiben Erfolgsgeschichten. Doch andere kommen mit ihrem Geschäft gerade über die Runden. Ihnen bleibt oft nicht genügend Geld, um für das Alter vorzusorgen. Dies ist kein neues Phänomen. Mit dem Ersten Weltkrieg und der Inflation von 1923 hatten sogar viele erfolgreiche Kleinunternehmer, die mit Geld für den Ruhestand vorgesorgt hatten, ihr Vermögen verloren. Ihnen fehlte es im dritten Lebensabschnitt oft am Nötigsten.

Die Detaillistenkammer, die damalige Interessenvertretung des Einzelhandels, errichtete daraufhin am Stadtpark in Winterhude eine Wohnanlage, in der ältere Einzelhändler günstig wohnen konnten. Sie nutzte die kurze Phase des Aufschwungs Mitte der 20er-Jahre, um so viel Geld anzusparen, dass das Projekt rasch umgesetzt werden konnte. Auf zuvor städtischem Grund errichtete die Kammer ab 1925 einen Wohnkomplex mit rund 180 Wohnungen. Mit seinem roten Klinker ist das Parkheim noch heute ein würdiger Repräsentant für den Wohnungsbau im Hamburg der Weimarer Republik.

Im Juni 1927 bezogen die ersten Mieter ihre neuen Wohnungen am Stadtpark, die dem Standard der damaligen Zeit entsprachen: Die Eineinhalb- bis Zweieinhalbzimmerwohnungen verfügten über Toiletten, für die sonstige Hygiene mussten die Mieter jedoch Gemeinschaftsbäder nutzen. Allen Bewohnern stand, wie es in einer Publikation der Detaillistenkammer von 1929 hieß, „ein Lese- und Unterhaltungssaal mit umfangreicher Bibliothek und Radioanlage“ zur Verfügung.

Noch heute bietet die Stiftung Parkheim ihre aktuell 168 Wohnungen älteren Einzelhändlern zu günstigen Konditionen an. Die Nettokaltmiete liegt mit etwa 6,50 Euro pro Quadratmeter deutlich unter dem Hamburger Durchschnitt. Die meisten Wohnungen wurden inzwischen modernisiert; viele der kleineren sind zu größeren Wohnungen zusammengelegt worden.

Einer der Mieter ist Werner Speer, der jahrzehntelang als Uhrmachermeister ein Juweliergeschäft am Rothenbaum geführt hatte. Noch heute arbeitet er gelegentlich – „als Altgeselle“, wie er hanseatisch zurückhaltend sagt – in einem Geschäft in Winterhude. Daneben engagiert er sich im Verein der Freunde und Förderer der Stiftung Parkheim als erster Vorsitzender für den Zusammenhalt der Bewohner, die alle eines verbindet: Sie waren im Einzelhandel tätig.

Die Detaillistenkammer war 1904 als öffentlich-rechtliche Körperschaft gegründet worden. Sie folgte damit dem Vorbild der Handelskammer, die die Interessen vor allem des Groß- und Außenhandels, der Banken, der Schifffahrt und seit 1907 auch der Industrie vertrat. Neben Einzelhändlern gehörten der Detaillistenkammer Vertreter der Gastronomie, des Fuhrgewerbes und rund eines Dutzends anderer Branchen an. 1937 wurde sie in die damalige Industrie- und Handelskammer Hamburg eingegliedert. Das Grundvermögen des Parkheims wurde in eine Stiftung überführt, die noch heute existierende „Stiftung Parkheim der Detaillistenkammer Hamburg“.

Die Handelskammer, Rechtsnachfolgerin der Detaillistenkammer, begleitet die Stiftung. Die Mitglieder des Vorstands und des Kuratoriums werden von der Handelskammer berufen. Stets gehört ein Plenarmitglied dem Kuratorium der Stiftung an. Zurzeit nimmt Bernd Enge, Geschäftsführer des Einzelhandelsunternehmens Niemerszein & Co. KG, diese Aufgabe wahr.

Heiner Schote
heiner.schote@hk24.de
Telefon 36 13 8 275

Infos und Kontakte

Wer an der Stiftung Parkheim interessiert ist, wendet sich bitte an Werner Speer vom Verein der Freunde und Förderer der Stiftung Parkheim, Telefon 41 35 59 33, E-Mail: WernerSpeer@gmx.de, oder an den Geschäftsführer der Stiftung, Lothar Hänsch, Telefon 51 74 08, E-Mail: stiftung-parkheim@t-online.de. Wer in ein paar Jahren in das Parkheim ziehen möchte, kann sich eine unverbindliche Option sichern.

hamburger wirtschaft, Ausgabe April 2008