Handelskammer Hamburg 2009

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Fliesenhandel Konrad Schittek GmbH

Fliesen, die die Welt bedeuten

Es ist ein ungewöhnliches Gebiet, auf das sich die Konrad Schittek GmbH spezialisiert hat: Ersatzfliesen der letzten 50 Jahre aus aller Welt.

Die gute alte Plättli, wie die Fliese in der Schweiz heißt, gibt es fast überall – nicht nur in Bädern und in Küchen, sondern auch in Geschäftshäusern, Bahnhöfen und Entrees. Von Schachbrett-Optik über Jungendstilverzierungen bis hin zu Mosaiken: Trends kamen und gingen, doch die Fliese blieb. Woran aber kaum jemand denkt: Gehen alte Fliesen, die oft nur Einzelstücke sind, zu Bruch, ist die Not nicht selten groß. Mit Glück finden sich noch ein paar Exemplare im Revisionsschacht der Badewanne, in dem Handwerker zuweilen restliches Material verstauen. Ansonsten stellt sich die Frage: Woher kommen die Ersatzfliesen?

Genau diese Marktlücke hat Konrad Schittek für sich genutzt. Er handelt mit alten ­Industriefliesen, bietet über 25 000 verschiedene Modelle und Formate an. „Oft sind wir die letzte Rettung“, sagt er, „bei uns lagern viele der beliebtesten und meistverkauften Fliesen der letzten 50 Jahre.“ Komplett neu fliesen kostet oft mehrere Tausend Euro, dank des Computers können Schittek und sein Team sofort sehen, ob die passende Fliese vorhanden ist. In zwei Lagern gibt es von manchen Modellen ganze Paletten, manchmal nur 50 Stück oder auch nur einige wenige.

Begonnen hat die ungewöhnliche Unternehmensgeschichte 1978 in der Wohlersallee in Altona, als der ehemalige Musiker und Kunstmaler Schittek die Leinwand gegen die Fliese eintauschte. „Meine Eltern waren beide Künstler, die in den 1930er-Jahren als Ne­benverdienst Fliesen bemalten“, erzählt der 62-Jährige. „Da entflammte in mir die Idee, das ebenfalls zu probieren.“ Er brachte sich alles selbst bei und probierte vieles aus. In einer alten Brotfabrik betrieb er seine Fliesenmanufaktur und stellte traditionelle handgefertigte Fliesen wie auch Reproduktionen her. Nachdem immer mehr Handwerker und Versicherungen auf ihn aufmerksam wurden und nach im Handel nicht mehr erhältlichen Fliesen für Reparaturzwecke anfragten, wurde ihm schnell bewusst, dass er nicht alle Fliesen nachbrennen konnte. Schittek begann damit, nach Restbeständen der immer wieder gewünschten Modelle zu forschen.

Heute liegt der Fokus des Betriebes auf dem An- und Verkauf dieser Stücke, Reproduktionen fertigt Schittek nur noch im Ein­zelfall: „Eine gute Marktkenntnis und enge Kontakte zu Fliesenwerken, Fachgeschäften, Baumärkten und Verlegefirmen im In- und Ausland sind sehr wichtig – man muss wissen, wohin der Trend geht und was man einzukaufen hat.“ Mehr als 30 Jahre Erfahrung machen es ihm leicht: „Wir sind viel unterwegs, kaufen auch in Dänemark und in der Schweiz, viele Leute kennen uns.“ Da auch das Lager mit der Zeit gewachsen ist, war ein Umzug nach Hamburg-Sinsdorf nötig. Das Unternehmen zählt insgesamt 15 Mitarbeiter, ein neuer Auszubildender ist gerade erst im August hinzugekommen.

Konrad Schitteks neueste Idee ist ein Museum. „Auf Reisen haben wir bei denjenigen Betrieben, die aufgehört haben, auch immer etwas mitgenommen“, erzählt er. Neben alten Werkzeugen und Ausrüstungen, Lohnabrechnungen, Meisterbriefen und einem typischen Hamburger Badezimmer von 1930 natürlich auch die bekanntesten und schönsten Fliesen von 1900 bis in die 1980er-Jahre. Um einen Nachfolger braucht sich Schittek nicht zu sorgen. Seine beiden Söhne Felix und Jan sind schon voll in den Betrieb integriert: „So kann ich mich demnächst mehr dem künstlerischen Aspekt widmen und wieder selbst Fliesen entwerfen.“
Alexandra Daehne
alexandra.daehne@hk24.de
Telefon 36138-304

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2009