Handelskammer Hamburg 2009

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Beratungsangebote

Wege aus der Krise

Unternehmer müssen sich auf schwierige Zeiten einstellen - vielen Betrieben droht wegen der Wirtschaftskrise die Pleite. Professionelle Hilfe von außen ist dann meist unumgänglich. Externe Berater helfen weiter.

Für die einen ist es nur eine Konjunk­turschwankung, für die anderen die tiefste Rezession. Wenn auch die ge­genwärtige Wirtschaftskrise unterschiedlich interpretiert und mehr oder weniger bedrohlich empfunden wird, so löst sie doch bei vielen Unternehmern höchste Alarm­signale aus. Konnten sich Unternehmer vor einiger Zeit noch über wachsende Umsätze und volle Beschäftigung freuen, gilt es nun, sich schleunigst auf schwierige Zeiten einzustellen.

"Unternehmen mit einem vorsorgenden Risikomanagement ziehen jetzt ihren Plan B aus der Schublade. Sie haben in einem Worst-Case-Szenario mögliche Gefahren verifiziert und entsprechende Gegenmaßnahmen angedacht. So können die Hebel schnell umgelegt werden", sagt Unternehmens-berater Andreas G. Paetz, Inhaber der AGP Consulting. Doch was können kleine und mittelständische Betriebe tun, die ohne große Vorkehrungen auf dem falschen Bein erwischt werden? "Oberstes Gebot", rät Paetz, "ist eine nüchterne Schwachstellenanalyse, um möglichst schnell die notwendigen Kurskorrekturen einzuleiten." Denn die Erfahrungen zeigen: Je früher Defizite erkannt und Maßnahmen dagegen ergriffen werden, desto größer sind die Chancen, die Krise abzuwenden. Dabei können kleinere Eingriffe beizeiten meist selbst durchgeführt werden. Sind die Probleme aber komplexer und tun sich größere Liquiditätslöcher auf, dann ist professionelle Hilfe von außen meist unumgänglich. Dafür stehen wertvolle Beratungsangebote zur Verfügung, die den Einsatz externer Fachleute erheblich vergünstigen. Ein bewährtes Instrument ist das Beratungsprojekt "Runder Tisch" der KfW Mittelstandsbank, an dem auch die Handelskammer beteiligt ist. Seit dem Start vor rund zehn Jahren haben über 500 Hamburger Unternehmen diese Krisenberatung in Anspruch genommen. Dabei ging es nicht nur um die Rettung der Unternehmen, sondern auch um das Schicksal der daran hängenden Arbeitsplätze - über 3?200. Nach Sondierung der wichtigsten Probleme erhielten die Firmen einen erfahrenen Berater zur Seite gestellt, um die Situation näher zu analysieren und Lösungen zu entwickeln. So konnten rund 60 Prozent der angeschlagenen Unternehmen vorerst stabilisiert werden.

Fall Nummer 493 ist typisch. Eine alteingesessene Hamburger Großhandlung für Konsumgüter, zwölf Mitarbeiter, Umsatz rund sieben Millionen Euro im Jahr, hat noch vor kurzem kräftig in die Warenwirtschaft und Lager-haltung investiert. Entgegen bisheriger Erfahrung bricht die Nachfrage jedoch dras­tisch ein und die Kosten können nicht so schnell angepasst werden. So färben sich die schwarzen Zahlen plötzlich rot, zudem bekommt der inhabergeführte Betrieb auch noch ernste Liquiditätsprobleme. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, fordert der Unternehmer die Hilfe der Handelskammer an. Der eingeschaltete Krisenberater erstellt eine Ist-Analyse, zeigt Verbesserungspotenziale auf und entwickelt eine realistische Zukunftsplanung. Ergebnis: Der Betrieb ist konsolidierungsfähig. Die Hausbank fasst daraufhin neues Vertrauen und lockert vorübergehend ihr Kreditengagement. Dadurch hat das Unternehmen genügend Treibstoff, um die Krise durchzustehen.

Um staatlich vergünstigte Beratungshilfen in Anspruch zu nehmen, bedarf es allerdings nicht erst einer Krise. Schon in der Aufbauphase eines Unternehmens und auch in vielen anderen Situationen bieten sich weitere Beratungsförderprogramme an. So können junge Unternehmen, deren Gründung oder Übernahme nicht länger als fünf Jahre zurückliegt, einen Gründercoach hinzuziehen. Der Zuschuss beträgt 50 beziehungsweise 90 Prozent der Beratungskosten, maximal 3 000 beziehungsweise 5 400 Euro. Außerdem können Unternehmen und Freiberufler, die mindestens seit einem Jahr am Markt bestehen, einen Zuschuss vom Bund für Beratungen zu vielen verschiedenen Fragen der Unternehmensführung erhalten. Der Zuschuss beträgt 50 Prozent der Beratungskosten, maximal 1 500 Euro.

Das Merkblatt "Guter Rat - gar nicht teuer!" (www.hk24.de) informiert näher über diese und weitere Beratungsangebote. Darüber hinaus bietet die Handelskammer je nach Problemlage weitere Merkblätter, Broschüren und Informationsveranstaltungen an.

Gerhard Guder
gerhard.guder@hk24.de
Telefon 36 13 8 390

hamburger wirtschaft, Ausgabe Februar 2009