Handelskammer Hamburg 2009

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Nachfolgeregelung

Abschied vom Chef

Nur wenige Unternehmer haben vorgesorgt, wenn unvorhergesehen der Betrieb an die nächste Generation weitergegeben werden muss. Ein Beratungsangebot der Handelskammer hilft bei der Planung der Nachfolgeregelung.

Was wohl kommt, wenn der Chef geht? Nach einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung müssen sich jedes Jahr allein in Hamburg rund 2 000 Firmeninhaber mit der Frage nach einem Nachfolger befassen. Dabei verlaufen nur etwa 65 Prozent der Betriebsübernahmen planmäßig. Drei von zehn Unternehmen müssen aufgrund von unerwarteten Vorfällen wie Unfall, Krankheit oder Familientrennungen kurzfristig und unvorbereitet übertragen werden. Für diesen Fall haben nur wenige Unternehmer Vorsorge getroffen. Nur knapp 50 Prozent haben eine Stellvertreterregelung. Dabei kann bereits eine 14-tägige Abwesenheit schwerwiegende Folgen haben. Damit der Unternehmer und seine Familie im Falle eines Unglücks nicht unnötig Schaden nehmen, sollte ein Notfallkoffer gepackt sein. Neben einer Stellvertreterregelung gehören zur Vorsorge unter anderem Vollmachten für alle Konten, ein Unternehmertestament, Listen wichtigster Lieferanten und Kunden, Anweisungen für aktuelle Projekte, Passwörter für Computer und Online-Banking sowie wichtige Schlüssel.

Das Lebenswerk zu sichern und an einen Nachfolger zu übergeben, ist für Unternehmer in der Regel nicht leicht. Für den Seniorunternehmer gilt es, viele sensible Fragen zu klären und den Generationenwechsel sorgfältig vorzubereiten. In solch einer Situation ist eine fachlich kompetente Beratung in vertraulichem Rahmen sehr wichtig.

Für alle Unternehmer, die sich mit der Übergabe ihres Betriebes befassen, bietet die Handelskammer Hamburg das kostenlose Beratungsangebot "Stabwechsel - Expertendialog zur Unternehmensnachfolge" an. In einer einstündigen Erstberatung mit externen Fachleuten und Beratern der Handelskammer können alle grundlegenden Aspekte der Übergabe angesprochen werden. Ob Nachfolgersuche, Unternehmenswert oder Finanzierung - diese und andere wichtige Themen können eine Rolle spielen. Thilo Schirmer nutzte dieses Angebot bereits im Herbst 2007. In der Werbeagentur Rosenbauer Solbach GmbH stand der Generationswechsel an. Der Vorteil hier: Die "Neuen" arbeiten schon seit vielen Jahren im Betrieb mit. So eine Firmenübernahme durch eigene Angestellte, ein Management-Buy-Out, ist in der Regel einfacher als eine Übernahme durch Fremde (Management-Buy-In). In der Stabwechsel-Beratung lernte Thilo Schirmer Joachim Baumert kennen. Der Diplom-Kaufmann verfügt nicht nur über langjährige Erfahrungen als Berater und Mediator, sondern er hat auch sein eigenes Unternehmen an die Söhne übergeben. Vieles galt es für ihn zu beachten. "Gerade die verschiedenen Auffassungen der zwei Generationen auf einen Nenner zu bringen, war oft nicht leicht", erinnert sich Thilo Schirmer. Dann war der Weg frei: Im Herbst 2008 stieg der erste Senior aus.

Sven Gabriel
sven.gabriel@hk24.de
Telefon 36 13 8 433

Informationen

Weitere Informationen über die Angebote der Handelskammer zur Unternehmensnachfolge unter www.hk24.de.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Februar 2009