Handelskammer Hamburg 2009

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Qualifizierung

Jetzt erst recht

Gerade in schwierigen Zeiten kommt es auf berufliche Qualifikation an.
Trotz Weltwirtschaftskrise, Rezession und steigender Arbeitslosenzahlen
sollte das Thema „Weiterbildung“ eine wichtige Rolle spielen.
Unabhängig von der wirtschaftlichen Situation ist schon seit einigen Jahren zu beobachten, dass die Beteiligung an beruflicher Weiterbildung rückläufig ist. Betrug der Anteil der Personen im Alter von 19 bis 64 Jahren, die berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten nutzten, 1997 noch 30 Prozent, so fiel er bis 2006 kontinuierlich auf 26 Prozent. Doch gerade das sinkende Qualifizierungsniveau erforderte eigentlich mehr Weiterbildung: Prognosen zufolge wird die „PISA-Generation“ weniger gut ausgebildet sein als die heutige Erwerbsbevölkerung – womit der Weiterbildungsbedarf deutlich steigt. Zudem gilt wegen des demografischen Wandels: Je weniger wir werden, desto besser müssen wir sein. In der modernen Wissensgesellschaft ist das Lernen zu einem lebensbegleitenden Prozess geworden. Dies stellt wachsende Anforderungen an die Unternehmen ebenso wie an die arbeitenden Menschen. Mitarbeiter und Unternehmen bedürfen in diesem Prozess gleichermaßen der Motivation und der aktiven Förderung. Darum müssen folgende Leitlinien das wirtschaftspolitische Handeln bestimmen:

  • Eine plurale, vielseitige und freie Weiterbildungslandschaft muss erhalten bleiben: Der bestehende Markt der Weiterbildungsanbieter muss möglichst frei von staatlichen Eingriffen bleiben. Der Staat sollte daher auf dem Markt allenfalls unterstützend tätig werden und dafür sorgen, dass marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen erhalten bleiben. Dies sichert den Unternehmen Autonomie und garantiert effiziente und passgenaue Weiterbildung und Personalentwicklung.
  • Die Weiterbildung muss stärker mit der Personalentwicklung verbunden werden: Weiterbildungsmaßnahmen aller Anbieter sind stärker auf die Bedürfnisse der innerbetrieblichen Personalentwicklung auszurichten. Angebote sollten also betriebsspezifischer werden und somit die betriebliche Personalentwicklung unterstützen.
  • Eigenverantwortung stärken: Die Arbeitnehmer müssen in ihre Beschäftigungsfähigkeit und ihr berufliches Fortkommen investieren. Aufgrund wachsender Anforderungen sollten Arbeitnehmer regelmäßig auch Teile der Freizeit für Weiterbildungsmaßnahmen aufwenden.
  • Konzepte für Hochqualifizierte fördern: Künftig kommt es mehr denn je darauf an, Angebote für die Leistungselite zu entwickeln, denn sie ist es, die Arbeitsplätze schafft.

Die Weiterbildungseinrichtungen der deutschen Industrie- und Handelskammern sind für die berufliche Qualifikation der Mitarbeiter ihrer Mitgliedsunternehmen hervorragend aufgestellt. Jede Firma sollte diese Chance nutzen. Die Wertschätzung, die das Unternehmen seinen Mitarbeitern zukommen lässt, kann darüber entscheiden, ob diese bleiben oder wechseln.

Dabei besteht Wertschätzung natürlich keineswegs nur aus Weiterbildung. Aber das Maß, in dem ein Unternehmen für seine Mitarbeiter Weiterbildung betreibt, ist oft ein Indiz für die Wertschätzung insgesamt.
Bernd Glodek
bernd.glodek@hk24.de
Telefon 36 13 8 356

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2009