Handelskammer Hamburg 2009

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Finanzoptimierung

Mit Outsourcing durch die Krise

Um zu sparen, geben viele Unternehmen Arbeitsbereiche an externe Dienstleister ab. Eine Verlagerung, bei der es nur Gewinner gibt – solange nicht überstürzt gehandelt wird.
Es läuft gut im Chemie-Unternehmen Lehmann und Voss & Co. KG. In den vergangenen Jahren konnte es sein Sicherheitssystem verbessern, außerdem ist bei überraschenden Arbeitsausfällen heute sofort kompetenter Ersatz zur Stelle. Eine Entwicklung, die auch Heinz Plassmann, Leiter der Haustechnik, freut. Besonders, weil das Unternehmen gleichzeitig noch Geld spart. Der Schlüssel zu diesem Erfolg verbirgt sich hinter dem Schlagwort „Outsourcing“. Gemeint ist damit, dass ein Betrieb einen Arbeitsbereich komplett an ein anderes Unternehmen abgibt. Klassische Bereiche für eine solche Auslagerung sind zum Beispiel die Buchhaltung oder die Informa­tionstechnologie, kurz IT.

Im Fall des Chemie-Konzerns entschied man sich, die Sicherheitsorganisation an das Unternehmen Power Personen-Objekt-Werkschutz GmbH und damit an einen Spezialisten abzugeben. Mit seiner Entscheidung liegt das Traditionsunternehmen derzeit im Trend, denn die Gründe für das Outsourcing liegen gerade in Zeiten, in denen viele Firmen nach Einsparmöglichkeiten suchen, auf der Hand: Der Dienstleister, der den ausgelagerten Bereich übernimmt, bündelt meist mehrere Aufträge und kann so die Leistung zu günstigeren Konditionen anbieten.

Die Triumph-Adler GmbH übernimmt beispielsweise Verkauf und Wartung von Drucker- und Kopiersystemen und kann bei ihren Kunden die Betriebskosten in diesem Bereich um 10 bis 20 Prozent senken.

Außerdem kann der outsourcende Betrieb vom Know-how des Dienstleisters profitieren, der auf das entsprechende Gebiet spezialisiert und damit auf dem neuesten Stand der Technik ist. Lehmann und Voss konnte so beispielsweise die bessere und professionellere Videotechnik des Dienstleisters nutzen und damit den eigenen Sicherheitsstandard erhöhen. Wer sich von einem belastenden Arbeitsbereich trennt, der schafft zudem Zeit für das eigentliche Kerngeschäft des Unternehmens.

Vorteile, die vielen Firmen bei der Bewältigung der Krise helfen können, glaubt August-Wilhelm Scheer, Chef der Bitkom, die sich selbst als das Sprachrohr der IT-, Telekommunikations- und Neue-Medien-Branche sieht. „Laut Bitkom-Prognose wird der Umsatz mit IT- und Geschäftsprozess-Oursourcing 2009 in Deutschland um 7,2 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro steigen.“

Doch trotzdem sollte kein Unternehmen überstürzt oder wahllos Arbeitsbereiche outsourcen. Einige Vorüberlegungen sind zwingend erforderlich, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. Ausschlaggebend für den Erfolg der Auslagerung ist, dass zunächst der Ist-Zustand des Unternehmens gründlich analysiert wird. Nur so kann sichergestellt werden, dass nur wirklich geeignete Bereiche ausgegliedert werden. Außerdem sollte sich jedes Unternehmen vor Abschluss eines Vertrages über das Profil des Dienstleisters genau informieren und in einem präzisen Anforderungskatalog die eigenen Wünsche und Ziele festlegen. Stimmen aber Konzept und Partner, können beide Seiten nur profitieren.
Juliane Kmieciak
juliane.kmieciak@hk24.de
Telefon 36 13 8 563

Informationen

Unternehmen, die Outsourcing-Maßnah­men erwägen, können sich beim Themen­abed „Outsourcing: Tipps und Praxisbei­spiele“ informieren. Die kostenlose Ver­anstaltung findet am 21. April,18 bis 20 Uhr, in der Handelskammer statt. Anmeldung und Informationen bei Andrea Rebensburg, andrea.rebensburg@hk24.de. Informationen unter www.hk24.de.

Seit Oktober liegt zum Outsourcing eine Informationsbroschüre der Handelskammer vor (digital abrufbar unter der www.hk24.de). Sie enthält eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Chancen, Risiken und Konsequenzen des Outsourcings. Zwölf Beispiele zeigen, wie erfolgreich Outsourcing sein kann.

hamburger wirtschaft, Ausgabe April 2009