Handelskammer Hamburg 2009

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Berufskraftfahrerschulung

Ausweg aus dem Teufelskreis

Beginn einer neuen Ära: Ab dem 10. September müssen gewerblich tätige Fahrer im Güterkraftverkehr ihr Können nachweisen und sich der Prüfung zur
Grundqualifikation stellen. Pro Jahr werden etwa 1200 Absolventen erwartet.
Die Zunahme des Güterverkehrs auf der Straße hat eine Schattenseite: „Mehr Lkw-Unfälle mit verletzten Fahrern“, hieß es erst vor Kurzem in einer deutschen Verkehrsfachzeitschrift. Damit steigen die Ansprüche an die Fahrer weiter an. Dennoch: Der Anteil der Berufskraftfahrer mit abgeschlossener Ausbildung liegt im gewerb­lichen Straßenverkehr seit Jahren unver­ändert im unteren einstelligen Prozent­bereich.

Die Gründe sind vielfältig. Zum einen sind es die geringen Betriebsgrößen, die oft die Bereitstellung eines Ausbildungsplatzes erschweren. Zum anderen liegt es aber auch am mangelnden Interesse der Bewerber, weil das Berufsbild und auch die Bezahlung wenig attraktiv sind. Ein Teufelskreis, der mit dazu geführt hat, dass die Güterkraftverkehrsbranche verstärkt über Fahrermangel klagt.

An diesem Punkt setzt die neue obligatorische Berufskraftfahrer-Schulung an, mit der eine EU-Richtlinie von 2003 umgesetzt wird. Wie die 2008 erlassene Schulungspflicht im Personenverkehr (Führerscheinklassen D1, D1E, D und DE), verfolgt auch sie als vorrangiges Ziel die Erhöhung der Sicherheit. Da auch die Anforderungen an die technischen, fachtheoretischen und rechtlichen Kenntnisse gestiegen sind, will die Berufskraftfahrerschulung die Fahrer an die wachsenden Ansprüche heranführen.

Betroffen von der Schulung sind nicht ­alle, die gewerblich fahren wollen. Die Verpflichtung zur Schulung betrifft Fahrer von Lastkraftwagen mit über 3,5 Tonnen zu­gelassenem Gesamtgewicht (Führerscheinklassen C1, C1E, C und CE). Besitzstandsschutz wird allen Fahrern gewährt, die bis zum 10. September 2009 einen Führerschein der C-Klassen erwerben. Sie bleiben einerseits von der Grundqualifikation befreit. Andererseits besteht auch für diese Fahrer die Pflicht, alle fünf Jahre eine Weiterbildung zu absolvieren. Dabei wird die erste Weiterbildungsperiode so flexibel gehandhabt, dass der Weiterbildungsabschluss der Gültigkeit der Fahrerlaubnis angepasst werden kann.

Die Grundqualifikation kann auf verschiedene Weise nachgewiesen werden und ist abhängig von Alter und Fahrzeuggröße. Am umfassendsten gültig ist der Abschluss der Ausbildung „Berufskraftfahrer und Fachkraft im Fahrbetrieb“. Die Alternative dazu ist der Erwerb der Grundqualifikation. Die setzt voraus, dass der Bewerber nach dem Erwerb der Fahrerlaubnis in einer Prüfung mit theoretischen und praktischen Inhalten vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer ausreichende Fachkenntnisse nachweist.

Eine weitere Alternative ist die sogenannte beschleunigte Grundqualifikation, für die ein Lehrgang bei einem anerkannten Veranstalter zu absolvieren ist. Dieser umfasst insgesamt 140 Stunden mit anschließender theoretischer Prüfung vor der zuständigen IHK – der Besitz der Fahrerlaubnis wird nicht vorausgesetzt. Diese Variante wird nach Einschätzung der Experten am häufigsten nachgefragt werden. Bei Quereinsteigern, die bereits über den Fachkundenachweis im Güterkraftverkehr oder Personenverkehr verfügen, oder bei qualifizierten Fahrern, die zwischen diesen beiden Bereichen wechseln, werden die bereits erworbenen Kenntnisse bei den Lehrgängen und Prüfungen angerechnet.

In Hamburg sind die Vorbereitungen für die Berufskraftfahrerschulung abgeschlossen. Ab Herbst werden die ersten Kandidaten für die Prüfung zur Grundqualifikation erwartet. Schätzungen gehen davon aus, dass sich pro Jahr etwa 1 200 angehende Berufskraftfahrer anmelden. Für die Betroffenen mag es auf den ersten Blick unbequem erscheinen, doch die Neuregelung wird sicher dazu führen, dass der Status des Berufskraftfahrers aufgewertet wird.

Günter Dorigoni
guenter.dorigoni@hk24.de
Telefon 36138-310

Informationen


Mehr zur Berufskraftfahrerschulung finden Sie unter www.hk24.de.
Am 2. Juni findet in der Handelskammer von 14 bis 18 Uhr eine Informations­veranstaltung statt, die sich an Unternehmen, Fahrer und Lehrgangs­veranstalter richtet.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Mai 2009