Handelskammer Hamburg 2009

< zurück

Klimaschutz

Umweltfreundlich unterwegs

Intelligente Reisevermeidung, die Auswahl umweltfreundlicher
Verkehrsmittel und der finanzielle Ausgleich von Emissionen können
bei Dienstreisen zum Klimaschutz beitragen.
Unternehmer müssen reisen. Ohne Reisen gibt es keine Geschäfte, schon gar keine internationalen. Allerdings verursacht der Verkehr in Deutschland bereits heute rund 25 Prozent aller Kohlendioxid-Emissionen – mit steigender Tendenz. Nach einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden die Emissionen im Verkehrssektor bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 30 Prozent zunehmen, wenn keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Gleichzeitig belegen Studien, dass nur ein Drittel der Unternehmen über Richtlinien im Bereich des nachhaltigen und umweltfreundlichen Reisens verfügt. Weitere 30 Prozent planen zumindest die Einführung solcher Vorgaben. Nur durchschnittlich 20 Prozent der Betriebe fordern ihre Mitarbeiter aktiv dazu auf, Geschäftsreisen mit Verkehrsmitteln durchzuführen, die klimaschonend sind, oder sie bei Anbietern abzuschließen, die geringere Kohlendioxid-Emissionen ausweisen oder eine Umwelt-Charta vorweisen können. Vergleicht man die Kohlendioxid-Emissionen von Flugzeug, Bahn und Auto, wird schnell deutlich, welche Unterschiede bestehen. So verursacht ein einfacher Flug von Hamburg nach Shanghai pro Passagier rund 3,5 Tonnen Kohlendioxid (CO2). Das entspricht etwa 15 000 gefahrenen Kilometern in einem Mittelklassewagen, also der durchschnittlichen Jah­res­laufleistung eines Privatfahrzeugs. Legte man diese 15 000 Kilometer mit der Bahn zurück, fiele der Kohlendioxid-Ausstoß um zwei Drittel geringer aus.

Natürlich wird man weder mit dem Auto noch mit der Bahn von Hamburg nach Shanghai fahren, einige Ziele sind eben nur mit dem Flugzeug erreichbar. Doch gerade auf innerdeutschen Strecken und bei Geschäftsreisen ins nähere europäische Ausland sind alternative Verkehrsmittel denkbar. Allein aus Zeitaspekten bevorzugen jedoch heutzutage viele Unternehmen das Flugzeug, schließlich gilt:  „Zeit ist Geld“. Doch selbst bei Flugreisen ist es möglich, sein ökologisches Gewissen zu entlasten und tatsächlich etwas für den Klimaschutz zu tun. CO2-Kompensation ist dabei das Stichwort.

In diesem Segment tummeln sich inzwischen eine Vielzahl von Anbietern, die alle im Internet vertreten sind. Unternehmen wie zum Beispiel Atmosfair, Greenmiles, Myclimate und CO2OL bieten umweltbewussten Reisenden einen „Ablasshandel“ an: Sie können bei diesen Anbietern online ihre Reisestrecke eintragen und erhalten dann eine Information über die Menge an Kohlendioxid, die durch ihre Reise jeweils emittiert wird. Diese Menge wird umgerechnet in einen entsprechenden Geldwert. Bei einem einfachen Flug Hamburg-Shanghai wären dies rund 70 Euro. Das Kompensationsgeld wird dann unter anderem in Solar-, Wasserkraft-, Biomasse-, Aufforstungs- und Energiespar­projekte investiert, um dort eine Menge Treibhausgase einzusparen, die eine vergleichbare Klimawirkung haben wie die Emissionen des Flugzeugs. Natürlich ist es auch möglich, nur einen Teil der CO2-Kosten zu spenden.

Im Zeitalter des Internets verzichten immer mehr Unternehmen in bestimmten Fällen sogar ganz auf einzelne Geschäftsreisen. Statt den einen oder anderen Tag geschäftlich unterwegs zu sein, wird stattdessen eine Webkonferenz geschaltet. Die hat den Vorteil, dass mehrere Vertreter eines Unternehmens an Verhandlungen mit ihren Partnern teilnehmen können, ohne viel Zeit zu verschenken und Kosten zu verursachen. Via Monitor, Kamera und Freisprechanlage ist ein Austausch „Auge in Auge“ möglich. Solche Webkonferenzen haben zugleich den Vorteil, dass Besprechungen und Verhandlungen in der Regel deutlich kürzer sind als reale Treffen, da man unmittelbar am „Verhandlungstisch“ sitzt. Bedauerlich ist bei solchen virtuellen Treffen nur, dass man nach erfolgreichen Vertragsverhandlungen nicht zusammen anstoßen kann – klimafreundlicher ist es aber allemal. Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) hat bereits im  Herbst 2008 die Idee des klimaneutralen Austausches auf die Spitze getrieben. Mit der weltweit ersten rein internetbasierten wissenschaftlichen Klimakonferenz haben sich eine Vielzahl von Interessierten online getroffen und über die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Möglichkeiten im Kampf gegen den Klimawandel diskutiert. Vom 2. bis zum 6. November wird die HAW erneut zu einer solchen Online-Klimakonferenz einladen, die unter www.klima2009.net zu finden sein wird.
Adrian Ulrich
adrian.ulrich@hk24.de
Telefon 36138-267

hamburger wirtschaft, Ausgabe Juli 2009