Handelskammer Hamburg 2009

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Bioabfall

Warm duschen mit Biomüll

Was wird aus Hamburgs grünem Müll? Entweder wertvoller Kompost oder Energie in Form von Wärme oder Strom.
Täglich fallen in Hamburg Berge von Biomüll an: Küchen- und Gartenabfälle aus privaten Haushalten, Grünschnitt von Gärtnereien, Speisereste aus der Gastronomie und überlagerte Lebensmittel aus dem Handel. In die graue Restmülltonne schmeißen und über eine Müllverbrennungsanlage entsorgen, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Als wirtschaftliche und umweltgerechte Entsorgung des Biomülls bieten sich zwei wesentlich sinnvollere Wege an: Kompostieren oder Vergären.

Dieser Auffassung ist auch Rüdiger Siechau, Sprecher der Geschäftsführung der Stadt­reinigung: „Abfälle sollten, wenn dies ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist, möglichst getrennt gesammelt und verwertet werden. Kommunale Unternehmen wie die Stadtreinigung Hamburg bieten ihren privaten und gewerblichen Kunden dafür die unterschiedlichsten Sammelsysteme an.“

Das Kompostwerk Bützberg in Tangstedt vor den Toren Hamburgs verarbeitet Grünabfälle aus Gärtnereien und Baumschulen. Den weitaus größeren Anteil bilden jedoch die Küchen- und Gartenabfälle aus den knapp 50 000 grünen Biotonnen Hamburger Haushalte. Das von der Stadtreinigung betriebene Kompostwerk verarbeitet jährlich 30 000 Tonnen Bioabfall zu 12 000 Tonnen Kompost.

Der angelieferte Bioabfall wird gesiebt und von Fremdstoffen wie Plastikfolien und Steinen befreit. Über Förderbänder gelangen die Bioabfälle in eine fußballfeldgroße Rottehalle. Hier machen sich Mikroorganismen, Bakterien und Pilze über den Bioabfall her und erzeugen innerhalb von zehn Wochen Kompost. Der fertige Kompost wird verkauft: lose oder in Säcken an Landwirte und über die 15 Re­cy­clinghöfe der Stadtreinigung Hamburg an Hobbygärtner. Der Fertigkompost ist ein ­organischer Mehrnährstoffdünger. Neben hohen Gehalten an Phosphor, Kalium und Stickstoff versorgt er den Boden auch mit wertvollem Humus.

Lebensmittelabfälle und Speisereste dienten lange Zeit als Futtermittel, seit 2006 ist dies durch das europäische Verfütterungsverbot nicht mehr ­erlaubt. Doch es gibt sinnvolle Alternativen, wie das Beispiel der Biogasanlage der Ham­­burger Stadtreinigung zeigt. Auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor, unweit der Arenen im Volkspark, produziert die Biogasanlage der Biowerk Hamburg GmbH aus Biomüll Energie. Lastkraftwagen kippen die Speise- und Lebensmittelabfälle in einen Bunker. Abgepackte Wurst und gefüllte Konservenbüchsen gesellen sich hier zu vergammeltem Obst und Gemüse. Schneidwerkzeug zerkleinert den Abfall. Metalle, Verpackungsmaterial und andere Störstoffe werden aussortiert. Anschließend werden flüssige und feste Abfälle vermischt und gelangen in einen riesigen Stahltank mit einem Fassungsvermögen von 2 800 Kubikmetern.

In diesem sogenannten Fermenter wandeln Bakterien bei 38 Grad Celsius das flüssige Abfallgemisch innerhalb von 49 Tagen in Gas um. Dieses Biogas ist mit einem Methangehalt von 65 Prozent sehr energiereich und treibt einen Verbrennungsmotor in einem Blockheizkraftwerk an. Das Blockheizkraftwerk erzeugt Wärme und die Strommenge, die den Bedarf von 1 700 Privathaushalten deckt.

„Die energetische und stoffliche Verwertung von Bioabfall ist unter Umweltaspekten immer sinnvoll, unabhängig davon, ob sich dafür auf dem Markt gerade Gewinne erzielen lassen oder nicht“, so Siechau. „Deshalb wollen wir unser Angebot im Bereich der Bioabfallerfassung in Hamburg auch weiter ausbauen.“

Auch die erzeugte Wärme geht nicht verloren, sondern gelangt in das Fernwärmenetz der Eon Hanse AG. Daran angeschlossen sind 13 000 Wohneinheiten und die Sportarenen im Volkspark. Rund 3 600 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid werden durch diese Form der Energieerzeugung Jahr für Jahr eingespart. Die Fernwärme speist die Rasenheizung der Fußballarena und gewährleistet, dass Schnee und Eis dem Grün nichts anhaben können. Und wenn die Fußballspieler vom HSV warm duschen wollen, erwärmt die mit Biomüll erzeugte Fernwärme das Duschwasser.

Matthias Weiß
matthias.weiss@hk24.de
Telefon 36138-796

hamburger wirtschaft, Ausgabe August 2009