Handelskammer Hamburg 2009

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Zusammenarbeit

Kontakt, der Wissen schafft

Wenn Wirtschaft und Hochschulen kooperieren, stärkt das die ganze Region. In Hamburg gibt es dafür große Potenziale. Der „Finanzplatz Hamburg e. V.“ bringt die Akteure zusammen.
Wie erfolgreich die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft sein kann, lässt sich seit Langem in San Francisco beobachten. Die Bay Area mit dem Silicon Valley wäre ohne die Kooperation der ansässigen Hightech-Unternehmen mit den beiden Top-Universitäten in Berkeley und Stanford wohl nie zum Technologie-Mekka geworden. Die Universitäten sind dabei nicht nur Experten- und Ideenlieferanten, sondern darüber hinaus auch Forschungs- und Projektpartner der Unternehmen. Ein derartiges Erfolgsmodell funktioniert auch in anderen Branchen und Regionen – zum Beispiel im Finanzbereich wie in Hamburg.

Bis zu einem „Hamburg Valley“ ist es zwar noch ein weiter Weg. Doch Hamburg besitzt mit seinen zahlreichen Forschungseinrichtungen, wichtigen Kreditinstituten und Versicherern, bedeutenden Spezialisten für Asset Management und Fonds sowie einer innovations- und anlegerorientierten Börse gute Voraussetzungen für die Entwicklung innovativer Finanzprodukte. „Die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit eines regionalen Finanzplatzes sind häufig das Ergebnis einer erfolgreichen Kooperation von Unternehmen der Finanzbranche mit Instituten oder Lehrstühlen der Finanzwissenschaft“, sagt Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), und ergänzt: „Am Finanzplatz Hamburg gibt es wegen der Nähe von Wissenschaft und Unternehmen großes Potenzial.“

Oft werden jedoch die vorhandenen Kapazitäten nur unzureichend genutzt. Zwar pflegen einige Unternehmen und Wissenschaftler bereits enge Kontakte, wie beispielsweise die Berenberg Bank, die Hamburger Sparkasse und die HSH Nordbank im Rahmen einer langfristigen strategischen Partnerschaft mit der Wissenschaft. Viele Unternehmen wissen aber gar nicht, mit welchen Projekten und Themen sich die Wissenschaft in der Metropolregion Hamburg überhaupt beschäftigt. Zudem wissen viele Wissenschaftler nicht, welchen Forschungsbedarf es in der Unternehmenspraxis gibt.

Der Finanzplatz Hamburg e. V. will daher den Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft beleben und anwendungsorientierte Forschung mit den Erfordernissen von Unternehmen der Branche besser verknüpfen. „Durch eine intensive Zusammenarbeit und bessere Verzahnung von Unternehmen und Forschungseinheiten am Finanzplatz Hamburg können Synergien erzeugt werden, die in gemeinsame innovative Projekte einfließen und diesen die nötige Finanzierung und Aufmerksamkeit garantieren“, erklärt Christoph H. Seibt. Der Partner der internationalen Anwaltssozietät „Freshfields Bruckhaus Deringer“ und Honorarprofessor am Institut für Unternehmens- und Kapitalmarktrecht der Bucerius Law School engagiert sich im Finanzplatz Hamburg e. V. und leitet dort den Arbeitskreis Bildung und Forschung. Ausgangspunkt der Finanzplatz-Initiative war eine Bestandsaufnahme der Forschungsaktivitäten in der Metropolregion Hamburg. Hierzu wurde ein „Call for Projects“ durchgeführt, eine Art Ausschreibung, bei der Forschungseinrichtungen aufgerufen wurden, aktuelle oder geplante Projekte mit Bezug zur Finanzwirtschaft vorzustellen. Zahlreiche Lehrstühle und Institute folgten dem Aufruf und reichten fast 30 innovative Projekte ein.

So auch André Küster Simic, der sich gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Prigge von der HSBA Hamburg School of Business Administration an der Aktion beteiligte. „In unseren Forschungsprojekten sind wir oft auf Marktdaten an­gewiesen“, begründet Küster Simic seinen Einsatz. „Deshalb ist der enge Kontakt zur Praxis für uns sehr wichtig.“ In einem zweiten Schritt organisierte der Finanzplatz Hamburg e. V. die Veranstaltung „Finanzwirtschaft trifft Finanzwissenschaft“. Hier konnten einige Institute ihre Projekte den Vertretern der Finanzbranche vorstellen und sich über aktuelle Fragestellungen und Kooperationsmöglichkeiten austauschen. So konnte beispielsweise Martin Nell, Professor am Institut für Versicherungsbetriebslehre der Universität Hamburg, bei der Vorstellung des Projektes „Geht Gesundheit an die Börse?“ Impulse geben und gleichzeitig Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen: „Das war eine gute Gelegenheit, unsere Forschungsergebnisse und -vorhaben zu kommunizieren.“ Auch Ulf G. Baxmann, Professor am Bankseminar der Universität Lüneburg, zieht ein positives Fazit: „Hier konnten beide Seiten voneinander lernen und profitieren.“

Nach dem erfolgreichen Start ist in Kürze eine zweite Auflage dieser Veranstaltung geplant. Zudem sollen die Profile und Projekte der Institute und Lehrstühle im Internet und in einer Broschüre des Finanzplatz Hamburg e. V. veröffentlicht werden. Finanzplatz-Vorstandsmitglied Seibt fasst zusammen: „Unser Ziel ist es, den gegenseitigen Austausch zwischen Wissenschaft und Unternehmen im Finanzdienstleistungsbereich zu verstärken, um projektgetriebene Kooperationen ins Leben zu rufen und damit die Basis für die Entwicklung von Innovationen und auf Vertrauen basierte Netzwerke zu schaffen.“ Der erste Schritt zum „Hamburg Valley“ ist getan.

Ansgar Kortenjann
ansgar.kortenjann@hk24.de
Telefon 36138-286

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2009