Handelskammer Hamburg 2009

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Personalpolitik

Mit Familienbewusstsein zum Erfolg

Gelebte Familienfreundlichkeit im Betrieb braucht vor allem Teamgeist und gute Kommunikation, zudem erfordert sie die Solidarität und das Engagement aller Beschäftigten. Der Einsatz lohnt sich.
Niedrige Geburtenraten führen dazu, dass die Bevölkerung in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten schrumpfen wird, während die hohe Lebenserwartung gleichzeitig einen Alterungsprozess bedingt. Zukünftig wird es also insgesamt weniger Menschen, dafür aber mehr Ältere geben. Die Studie „Demografischer Wandel und Arbeitskräfteangebot: Perspektiven und Handlungsoptionen für hamburgische Unternehmen“ des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes prognostiziert weitreichende gesellschaftliche und ökonomische Effekte, unter anderem auch eine veränderte Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Hamburg als Metropolregion mit starkem Zuzug von außen ist nicht so sehr betroffen wie andere Landesteile, dennoch wird sich auch die Wirtschaft der Hansestadt zukünftig vermehrt um gut ausgebildete Arbeitskräfte bemühen müssen. Grund genug, um Hamburg für Familien attraktiver zu gestalten und sich in den Unternehmen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzusetzen.

Familienfreundlichkeit ist kein überflüssi­ger Luxus. Schon im Jahr 2003 hat eine Kosten-Nutzen-Analyse der Prognos AG die positive Wirkung familienfreundlicher Maßnahmen ermittelt. Die aktuelle Studie „Betriebswirtschaftliche Ziele und Effekte einer familienbewussten Personalpolitik“ des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik bestätigt diese Ergebnisse. Basierend auf einer repräsentativen Betriebsstättenbefragung in Deutschland, wurden familienfreundliche Maßnahmen kategorisiert und hinsichtlich ihrer Wirkungsbereiche und Wirkungsweisen untersucht. Es zeigte sich, dass familienbewusste Personalpolitik beispielsweise eher unmittelbar auf Arbeitszufriedenheit und Motivation sowie auf Mitarbeiterbindung und -gewinnung zielt, während hinsichtlich der Bereiche Fehlzeiten, Mitarbeiterprodukti­vität und Kundenbindung eher mittelbar Auswirkungen zu erwarten sind. Die Studie belegt, dass familienbewusste Firmen im Hinblick auf alle untersuchten Ziele besser abschneiden als weniger familien­bewusste Betriebe. Familienbewusstsein ist weitaus mehr als zum Beispiel das Einrichten von Betriebskindergärten oder Teilzeitarbeitsplätzen, denn es betrifft auch den Informationsaustausch zwischen Mitarbeitern und Unternehmen sowie die jeweilige Unternehmenskultur. Michael Kielau, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der DB Schenker Industrial Logistic, weiß aus eigener Erfahrung, wie gut es tut, sich auf die Solidarität des Arbeitgebers und der Kollegen verlassen zu können. Damals, als seine Frau schwanger war und Komplikationen auftraten, war er froh darüber, seine Aufgaben kurzfristig auf viele andere Schultern verteilen zu können, denn nur so war es möglich, sich zur Betreuung seiner Frau freistellen zu lassen. Die Dankbarkeit für die Unterstützung bindet ihn noch heute ans Unternehmen. Er ist stolz darauf, dass seine Firma Vorreiter beim Thema „Familienfreundlichkeit“ ist. „Natürlich muss alles im gegenseitigen Einverständnis geschehen“, sagt er, „dann haben alle etwas davon.“

Auch das Reformhaus Engelhardt unterstützt die überwiegend weibliche Belegschaft bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Personalleiterin Simone Wedler: „Wenn man gute Mitarbeiterinnen halten möchte, dann muss man sich schon etwas einfallen lassen.“ Flexible Arbeitszeiten, Teilzeit auch in Führungspositionen, gut gemischte Teams und Fortbildungen während der Elternzeit tragen dazu bei, den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Zudem bietet das Reformhaus Auszubildenden mit Kindern eine Lehre in Teilzeit an. Eine Herausforderung für alle: Inhalte müssen in kürzerer Zeit vermittelt werden, und die Azubis haben trotz Kind enorme Leistungen zu erbringen. Wedler: „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass in der Regel eine große Reife und ein großer Wille da sind, das macht die Auseinandersetzung mit dem Thema leichter!“ Auch bei der Iwan Budnikowsky GmbH & Co. KG ist Familienfreundlichkeit gelebte Praxis. Cord Wöhlke, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens und Botschafter des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ für das Land Hamburg ist überzeugt: „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigt sich dieser Zusammenhalt besonders stark.“
Maren Groth
maren.groth@hk24.de
Telefon 36138-282

INTERNET

Die Hamburger Allianz für Familien unterstützt Betriebe bei der Einführung und Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen. Weitere Informationen unter www.hamburg.de/familiensiegel

Das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“, das der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sowie das Bundesfamilienministerium gemeinsam ins Leben gerufen haben, fördert ebenfalls familienbewusste Personalpolitik. ­Informationen unter
www.erfolgsfaktor-familie.de.


hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2009